Weilheim und Umgebung

Zu Tisch und ins Gespräch kommen

Der Weilheimer Krankenpflegeverein bietet einmal im Monat einen Mittagstisch an

Unterschiedliche Menschen jeden Alters an einen Tisch bringen – das möchte der Krankenpflegeverein Weilheim mit seinem offenen Mittagessen.

Ein warmes Essen, Gesellschaft und Gespräche: Mit seinem offenen Mittagstisch möchte der Krankenpflegeverein ein Angebot für all
Ein warmes Essen, Gesellschaft und Gespräche: Mit seinem offenen Mittagstisch möchte der Krankenpflegeverein ein Angebot für alle Generationen machen. Ehrenamtliche geben das Essen aus, backen Kuchen und waschen ab.Fotos: Jean-Luc Jacques

Weilheim. In Gesellschaft schmeckt das Essen gleich noch mal so gut, heißt es im Volksmund. Das ist auch dem Weilheimer Krankenpflegeverein bewusst. Einmal im Monat bietet er deshalb einen offenen Mittagstisch im Gemeindehaus am Kohlesbach an. „Unser Anliegen ist es, unterschiedliche Generationen und Menschen aus unterschiedlichen Häusern an einen Tisch zu bringen“, sagt Matthias Hennig, Vorsitzender des Krankenpflegevereins. „Vor allem älteren Mitbürgern gibt das Gelegenheit, ins Leben einzutauchen und anderen zu begegnen.“ Das offene Mittagessen ist nicht konfessionell oder religiös geprägt. „Ich trete hier deshalb auch lediglich als Vorsitzender des Krankenpflegevereins auf“, betont Matthias Hennig, seit gut einem Jahr evangelischer Pfarrer in Weilheim.

Schon drei Monate nach der Premiere hat sich das Angebot etabliert. An diesem Mittwoch sind fast 50 Menschen gekommen. Es sind viele Senioren darunter, aber auch einige jüngere Leute. Unter anderem ist Bürgermeister Johannes Züfle mit Frau und Kindern zu Gast.

Die Sechsertische sind sorgfältig gedeckt, frische Blumen stecken in Vasen, und auf den Tellern thronen gefaltete Servietten. „Von Mal zu Mal kommen mehr Gäste“, freut sich Dorle Fischer, die den Mittagstisch zusammen mit Helga Sigel für den Krankenpflegeverein ehrenamtlich koordiniert. Schon jetzt gibt es einige Stammgäste, aber auch immer wieder neue Gesichter. „Ich hoffe, es werden immer mehr“, sagt Matthias Hennig.

Die Resonanz ist nicht nur bei den Gästen groß. Auch ehrenamtliche Mitarbeiter waren flugs gefunden. „Es ist toll, wie schnell das ging“, sagt Dorle Fischer. „Insgesamt haben wir mittlerweile vier Organisationsteams, die das Essen immer abwechselnd ausrichten“, berichtet Helga Sigel. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um die Essensausgabe und um den Abwasch, sie backen Kuchen und kochen Kaffee. Sie übernehmen Fahrdienste und bestellen das Essen – und zwar bei örtlichen Gaststätten oder Metzgereien zum Selbstkostenpreis. „Wir sprechen mit den Anbietern ab, was es geben soll“, sagt Dorle Fischer. Dieses Mal serviert das sechsköpfige Team panierte Schnitzel mit Spätzle, Soße und Kartoffelsalat.

Nach dem Essen wird noch eine kurze Geschichte vorgelesen, meist etwas Humorvolles oder auch etwas Informatives, wie an diesem Tag. Da geht es – passend zum Gericht auf den mittlerweile leergeputzten Tellern – um die Geschichte von Spätzle und Knöpfle. Anschließend ist wieder Raum für Gespräche. Und natürlich für eine Tasse Kaffee und ein Stück von den selbst gebackenen Kuchen des Organisationsteams.

Der offene Mittagstisch im evangelischen Gemeindehaus am Kohlesbach in Weilheim findet einmal monatlich mittwochs um 12 Uhr statt, in der Regel am zweiten Mittwoch im Monat. Wer teilnehmen möchte, muss sich vorab im Pfarramt unter der Telefonnummer 0 70 23/90 97 36 oder bei Dorle Fischer unter 0 70 23/25 89 anmelden. Informationen zum Termin und dem servierten Gericht gibt es vorab im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Das Mittagessen kostet 5,50 Euro, Kaffee und Kuchen einen Euro.

Neues Angebot des Weilheimer Krankenpflegevereins: Mittagessen  im ev Gemeindehaus am Kohlesbach in Weilheim.
Neues Angebot des Weilheimer Krankenpflegevereins: Mittagessen im ev Gemeindehaus am Kohlesbach in Weilheim.

Krankenpflegevereine auf der Suche nach einer neuen Identität

Krise „Es ist eine Zeit, in der viele Krankenpflegevereine dahinwelken“, sagt Matthias Hennig, Vorsitzender des Weilheimer Krankenpflegevereins und evangelischer Pfarrer. Der Grund: Sie sind ihrer ursprünglichen Aufgaben beraubt worden. Ursprung Zur Gründungszeit der Vereine – in Weilheim im Jahr 1911 – war die Versorgung kranker und alter Menschen oft noch unzureichend. Also schloss man sich zusammen, zahlte einen Beitrag und bekam im Fall des Falles Unterstützung von einer Gemeindeschwester. Die wiederum wurde von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt. Entwicklung Im Laufe der Jahre veränderten sich die Altersstruktur in der Bevölkerung sowie die Anforderungen in der Kranken- und Altenpflege. Diakoniestationen und Sozialstationen wurden gegründet. 1995 kam die Pflegeversicherung, die von nun an die Pflegekosten der Bürger übernahm. Aufgaben Finanziell haben die Krankenpflegevereine nach wie vor ihre Berechtigung: Sie bezuschussen die Diakoniestationen. „Aber das ist keine sichtbare, erfüllende Aufgabe“, sagt Matthias Hennig. Für viele Vereine stelle sich deshalb die Frage: Auflösen oder eine neue Daseinsberechtigung finden? Neuorientierung Der Krankenpflegeverein in Weilheim ist noch längst nicht an dem Punkt, aufgeben zu wollen. „Wir haben 300 Mitglieder, und der Vorstand ist sehr agil“, freut sich Matthias Hennig. Der offene Mittagstisch ist nun ein Schritt hin zu einem neuen Betätigungsfeld des Vereins. „Man kann kranken, älteren Menschen auch helfen, indem man ihnen eine Essensmöglichkeit gibt und ihnen Begegnung ermöglicht“, so Hennig.bil

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