Weilheim und Umgebung

Zukunft des Jugendtreffs ist „offen“

Soziales Die Offene Jugendarbeit in Holzmaden wird auf neue Füße gestellt. Möglich wäre die Anstellung einer Sozialarbeiterin oder eines Sozialarbeiters. Auch die Jugendbeteiligung soll ausgebaut werden. Von Thomas Zapp

Das OJA hat er fast 25 Jahre ehrenamtlich geleitet
Andreas Mendyk hat die OJA fast 25 Jahre ehrenamtlich geleitet. Er würde für einen Neuanfang seinen Platz räumen. Foto: Carsten Riedl

Nicht nur wegen seiner Statur und seinem lockeren Auftreten ist ­Andreas Mendyk seit 25 Jahren ein respektierter Ansprechpartner für die Jugendlichen in Holzmaden. „Ich habe selbst gute Erfahrungen mit Offener Jugendarbeit gemacht, das wollte ich weitergeben“, sagt der 51-jährige Vater zweier Söhne. Er bietet den momentan wegen Corona geschlossenen Treffpunkt in einem Raum der Holzmadener Grundschule ehrenamtlich an. Doch jetzt stehen grundlegende Änderungen in der Offenen Holzmadener Jugendarbeit (OJA) vor der Tür: Der bisherige Träger, der südwestdeutsche Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC), der zur evangelischen Kirche gehört, hat Ende vergangenen Jahres die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die Folge ist, dass Andreas Mendyk seit Monaten auf eigene Faust arbeitet und sogar das Konto des Treffs auf seinen Namen läuft.

Die Gründe sind vielfältiger Natur. Im Wesentlichen liegt es daran, dass der Jugendtreff Mitte der 90er-Jahre aus der Arbeit einiger EC-Mitglieder in Holzmaden entstanden ist und dann provisorisch mit dem EC als Träger weitergemacht hat, damit auch ein Konto eingerichtet und eine Versicherung abgeschlossen werden konnten. Die Gemeinde wollte damals nicht einspringen, weil sie sich außerstande sah, die Fachaufsicht leisten zu können, erklärt Dr. Markus Ocker, der die OJA damals mit ins Leben rief und heute im Gemeinderat sitzt. Auch sei der dann anfallende zusätzliche Verwaltungsaufwand nicht darstellbar gewesen, vor allem gegenüber den anderen Vereinen im Ort.

So trug sich das Provisorium mehrere Jahre, bis man beim EC feststellte, dass der Treff Holzmaden eigentlich nicht viel mit den verbandseigenen Prinzipien zu tun hat. „Das Konzept der Offenen Jugendarbeit passt da nicht rein“, meint Markus Ocker. Denn „offen“ heißt auch, dass niemand sich anmelden, Mitglied werden oder sich mit christlichen Prinzipien identifizieren muss, wie es bei den Einrichtungen des EC der Fall ist. Ein Blick auf die Homepage zeigt, dass man in Holzmaden ein etwas anderes Konzept verfolgt: „Die OJA ist ein chilliger, unterhaltsamer Ort, wo es witzig zugeht und ich Spaß habe. Ich erlebe hier Gemeinschaft mit coolen Leuten und kann tolle Gespräche führen“, steht dort unter anderem.

Der Gemeinderat will die OJA aber dennoch in irgendeiner Form am Leben erhalten und lässt sich dafür derzeit von Mitarbeiterinnen des Kreisjugendreferats beraten. Die stellten auf der jüngsten Sitzung Lösungswege vor. Als kurzfristige Lösung bietet sich eine Projektförderung an, als langfristige das „Esslinger Modell“, das auch für Offene Jugendarbeit eine halbe oder ganze Stelle vorsieht, die dann zum Teil vom Kreis und zum Teil von der Gemeinde getragen wird.

Andreas Mendyk fände die Lösung mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter optimal. „Es ist wichtig, jemanden zu haben, der eine Ausbildung hat und für einen ständigen Austausch zur Verfügung steht“, sagt Mendyk, der hauptberuflich als Informatiker arbeitet und kein Problem hätte, für eine neue Lösung Platz zu machen. Auch Markus Ocker würde diesen Weg favorisieren. „Es gibt so gut wie keine Jugendhäuser, die ehrenamtlich betrieben werden“, weiß er. Allerdings würde eine Beteiligung an einer Voll- oder Teilzeitstelle den Gemeinderat künftig mehr kosten, als wie bis jetzt einen Raum und jährlich rund 500 Euro für Strom und Müllgebühren zur Verfügung zu stellen. Da besteht im Gremium sicher noch Gesprächsbedarf.

Für Jugendgemeinderat zu klein

Unabhängig davon will sich die Gemeinde auf einer Klausurtagung intensiver mit dem Thema Jugendbeteiligung beschäftigen. In der Gemeindeordnung ist in Paragraf 41 a eine „Sollvorschrift“ ergänzt worden, die regelt, dass Kinder und Jugendliche von Gemeinden bei Planungen und Vorhaben, die „ihre Interessen betreffen“, beteiligt werden sollen. Politische Jugendbeteiligung gibt es bislang nicht in der Urweltgemeinde, die rund 500 Jugendliche zählt. Die Zukunft für eine Einbeziehung der jungen Gemeindemitglieder sieht Markus Ocker daher eher projektbezogen. Außerdem scheitere das meistens daran, dass Jugendliche zu wenig Zeit haben und nach Abschluss der Schule oftmals auch den Ort verlassen. „Da herrscht eine große Mobilität“, sagt Ocker, der als Lehrer am Schlossgymnasium in Kirchheim arbeitet. Auch steht ein von der Gemeinde gestelltes „Schülerbudget“ im Raum, bei dem Jugendliche gemeinsam entscheiden können, wofür sie das Geld verwenden.

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