Weilheim und Umgebung

Zusammengenähte Farbenpracht

Ausstellung Quilterinnen lassen es bei „Textile Gartenträume“ im Weilheimer Rathaus kunterbunt blühen.

Mit allen Farben bringen die „Textilen Gartenträume“ das Weilheimer Rathaus zum Leuchten.Foto: Sabine Ackermann
Mit allen Farben bringen die „Textilen Gartenträume“ das Weilheimer Rathaus zum Leuchten.Foto: Sabine Ackermann

Weilheim. Eher selten gibt es in den meist nüchternen Rathäusern eine solche bunte Vielfalt zu sehen wie in Johannes Züfles Amtsstube. Kein Wunder, dass er die Ausstellung „Textile Gartenträume“ gerne eröffnete: „Patchwork und Quilten gab es hier noch nie“, erfahren die über hundert Besucher.

Ob filigrane Blüten, Blumenwiesen, Katzen, Schmetterlinge oder Herzen, Abstraktes, Rundes oder Dreieckiges, unterschiedliche Formen und Schattierungen in modern oder traditionell - jedes Werk lädt zum intensiven Betrachten ein. „Ganz unterschiedlich sind wir Patchwork-Freundinnen, und doch verbindet uns eine wunderbare Tätigkeit“, verrät Ellen König, die wie ihre drei Mitstreiterinnen Stoffe liebt. Gemeinsam und doch jeder für sich, tauchen sie in Farben und Formen ein, denken sich Muster aus, setzen alles um „und freuen uns daran, wie aus kleinen Stoffteilchen Neues entsteht“.

Das Künstlerinnen-Quartett stammt aus Weilheim und Kirchheim, mitgebracht haben sie unterschiedliche Arbeiten von Quilterinnen aus dem Raum Schwäbisch Hall. Alle Frauen tauschen sich immer wieder aus, nähen zusammen, besuchen Ausstellungen oder organisieren diese. Früh von ihrer Mutter hat Annerose Bezler das Nähen gelernt. „Neben Kleidung nähe ich gern Quilts, vor allem in traditionellen Mustern, gerne auch modern interpretiert“, sagt sie und merkt an, dass die Entspannung bringende Nähmaschine mittlerweile das wichtigste Teil in ihrer Freizeit sei.

„Aus Alt mach Neu“ ist der Antrieb von Regina Braisch. Als gelernte Schneiderin habe sie immer viele Reste, die zum Wegwerfen zu schade seien, erzählt sie.

Ellen Königs erster Impuls für Patchwork war ein Besuch in einer Nürtinger Quilt-Ausstellung. „Seit diesem Tag lässt mich das Thema nicht mehr los. Von großen Decken mit zahlreichen verschiedenen Stoffen, die Ideen gehen nicht aus“, verrät die Ausstellerin.

Ursula Ziegler näht am liebsten im Kleinformat. Für große Quilts fehle ihr die Ausdauer. „Gerne experimentiere ich mit unterschiedlichen Materialien und verlasse mich darauf, was herauskommt. Genaues Planen ist nicht so mein Ding“, lässt sie wissen.

Für alle, die sich in der Technik dieses Handwerks nicht auskennen, brachte Doris Jetter Licht ins Dunkel. „Die Quilts bestehen aus drei Lagen“, klärt sie über die auch oft genannten „Stoffsandwiches“ auf. Das sogenannte Quilting selbst seien Stiche, die die drei Lagen zusammenhalten. Die Quilt-Oberseite sei meistens aus vielen verschieden kleinen Stoffteilen zusammengenäht und werde als Erstes angefertigt. „Oft wird auf der Grundlage eines Entwurfs aus Form- und Farbkombinationen sorgfältig vorausgeplant“, berichtet Jetter weiter und ergänzt: „Ausgezeichnet durch Einfallsreichtum, Originalität, Farben, Textur und Lebendigkeit wird hier die Lebensfreude oder auch das Leid zum Ausdruck gebracht.“ Unter der Quilt-Oberfläche befinde sich das Vlies. In früheren Zeiten kamen auch Lumpen, Federn, Maisblätter, Zeitungen oder Sonstiges zum Einsatz. Interessiert lauschen die Besucher ihren Ausführungen, lernen dabei: „Je geschickter und erfahrener die Quilterin ist, desto gleichmäßiger sind die Stiche und desto zahlreicher sind sie auch. Quilten mit der Nähmaschine dagegen hat eine komplett andere Wirkung. Durch geschickten Einsatz von Form und Farbe gelingt es den Quilterinnen, auf der flachen Oberfläche des Quilts den Eindruck von Struktur, Tiefe, Entfernung und Bewegung darzu­stellen.“ Sabine Ackermann

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