Weilheim und Umgebung

Zweite Chance

Ein souveräner Sieg sieht anders aus. Nur etwas mehr als die Hälfte der Weilheimer Wähler hat Johannes Züfle gestern im zweiten Wahlgang ihre Stimme gegeben. Sein Herausforderer Hendrik van Woudenberg konnte mit 44 Prozent ein beachtliches Ergebnis erzielen - vor allem angesichts dessen, dass er gegen den Amtsinhaber angetreten ist. Aber so knapp es war: Johannes Züfle ist wiedergewählt. Nun hat er es verdient, eine echte zweite Chance zu bekommen - auch von all denjenigen, die lieber einen anderen auf dem Chefsessel des Rathauses gesehen hätten.

Gewiss. Züfle hat in seiner ersten Amtszeit Fehler gemacht. Immer wieder fühlten sich Bürger, aber auch Unternehmen und Vereine von ihm übergangen. In den vergangenen Monaten jedoch hat der Rathauschef gezeigt, dass er lernfähig ist. Nach dem Bürgerentscheid suchte er das Gespräch mit seinen schärfsten Kritikern und ging mit einer Agenda in den Wahlkampf, die bei den wichtigen Themen Freibad, Limburghalle und Schulturnhalle viele ihrer Wünsche aufgreift. Auch zeigte er sich bürgernäher denn je.

Auf seinem knappen Wahlsieg ausruhen darf sich der Bürgermeister jetzt aber nicht. Johannes Züfle ist gut beraten, bei seinem neuen Kurs zu bleiben. Denn dass er ein guter Verwaltungsmann ist, die Finanzen im Griff hat und strukturiert arbeitet, hat er bereits in seiner ersten Amtszeit bewiesen. Nun muss er zeigen, dass er auch Bürger-Meister im Wortsinn sein kann. Dazu gehört es, die Menschen nicht nur zu informieren und anzuhören, sondern auch auf sie zuzugehen und ihre Anliegen wirklich ernst zu nehmen.

Gleichzeitig sind aber auch die Bürger gefragt. Die - immer noch große - Minderheit, die gegen Johannes Züfle votiert hat, sollte ihrem Bürgermeister eine echte zweite Chance geben. Zum einen, weil er sie verdient hat. Zum anderen, weil es die Grundsätze der Demokratie gebieten, den Willen der Mehrheit zu respektieren, möge sie auch noch so knapp sein. Johannes Züfle selbst hat nach dem Bürgerentscheid bereits demonstriert, dass er die Spielregeln der Demokratie beherrscht. Nun ist es an den Weilheimern zu zeigen, dass auch sie dazu in der Lage sind.

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