Zwischen Neckar und Alb

23-Jähriger attackiert wahllos Frauen

Gericht Zeugen berichten, wie der 23-Jährige am Bahnsteig ausrastete und mehrere Frauen angriff.

In der S-Bahn zwischen Kirchheim und Wendlingen waren am Samstag junge Frauen belästigt worden. Staatsanwaltschaft und Polizei e
Symbolbild.  Foto: Carsten Riedl

Wendlingen. Auch am zweiten Prozesstag vor dem Stuttgarter Landgericht erinnert sich der aus Nigeria stammende Angeklagte nicht mehr an das Geschehen vom frühen Morgen des 29. Dezember vergangenen Jahres am Wendlinger Bahnhof, als er versucht haben soll, eine Frau vor die einfahrende S-Bahn zu werfen. Dafür können jetzt aber in dem Verfahren gegen den Mann zahlreiche Zeugen berichten, wie der Mann versucht hatte, eine Frau auf das Gleisbett zu werfen.

Mit Schrecken erinnert sich eine 27-jährige Frau daran, was sie an jenem Dezembermorgen am Bahnsteig des Wendlinger Bahnhofs erlebte. Die Zeugin hörte, wie der Angeklagte auf dem fast überfüllten Bahnsteig zunächst in einer fremden, afrikanischen Sprache herumbrüllte. Die Zeugin erinnert sich auch daran, dass der dunkelhäutige Mann drohende Haltungen, ausschließlich gegen Frauen, aufbaute. Dann habe er plötzlich mit den Fäusten zugeschlagen, sagt sie. Sie habe Schreie der Frauen gehört und wollte sich zunächst entfernen. Dann aber sei sie selbst gepackt und an den Haaren gezogen worden. Der Beschuldigte verpasste ihr Fausthiebe an den Kopf und die Beine. Er habe einfach um sich geschlagen, sagt die Frau im Zeugenstand.

Sie erlitt durch die Schläge Halswirbel- und Kopfverletzungen, verbunden mit Schmerzen. Mehrere Männer hätten den Mann dann zu Boden gedrückt und später der Polizei übergeben. Bis dahin soll der 23-Jährige mehrere andere Frauen schwer beleidigt und geschlagen haben. Ein Helfer habe verhindert, dass sie selbst von dem Angeklagten zur Bahnsteigkante gezogen wurde.

Eine andere Zeugin berichtet ebenfalls von einem lauten Gebrüll auf dem Bahnsteig, als sie an diesem frühen Morgen auf ihre S-Bahn wartete. Auch sie sah, dass der Mann es offensichtlich nur auf Frauen abgesehen hatte. Etwa vier bis fünf Frauen seien von ihm angegriffen worden. Eine der Frauen habe er in Richtung der Bahnsteigkante gezogen und tatsächlich versucht, sie hinunterzustoßen, gerade in dem Augenblick, als die S-Bahn einfuhr. Mehrere Männer konnten ihn aber in letzter Sekunde daran hindern. Die Zeugin berichtet auch, dass sie dachte, er wolle jetzt nicht nur die eine, sondern noch andere Frauen auf die Gleise werfen. Schließlich sei er auch auf sie selbst losgegangen und habe ihr Schläge auf den Kopf verpasst. Auch sie habe hinterher Schmerzen verspürt.

Ein 36-jähriger Kirchheimer Busfahrer, der ebenfalls auf dem Bahnsteig auf seinen Anschluss wartete, sah genau, wie der Beschuldigte eine der Frauen an den Haaren und am Arm in Richtung Gleise zerrte. Die Frau habe laut um Hilfe gerufen, für ihn das Signal, jetzt schnell einzuschreiten. Er habe den Eindruck gewonnen, dass der Mann die Frau jetzt direkt vor den einfahrenden S-Bahn-Zug werfen will. Zusammen mit anderen Helfern habe man es geschafft, den um sich schlagenden Täter wegzudrücken. „Wir haben ihn an den Füßen gepackt.“ Dann habe man ihn zu viert auf dem Boden fixiert und der Polizei übergeben. Auch dieser Zeuge wurde bei dem Vorfall erheblich an der Schulter verletzt. Noch heute spüre er im Arm Schmerzen, sagt er.

Was mit dem Beschuldigten juristisch geschehen wird, hat die Staatsanwältin bereits am ersten Verhandlungstag klar an das Gericht adressiert. Wegen einer massiven schizophrenen Störung sei er in diesem Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit und müsse für immer in ein geschlossenes psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden. Das Gericht will dazu am 25. Juli das Urteil verkünden.Bernd Winckler

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