Zwischen Neckar und Alb

250 auf einen Schlag

Fünf Busse brachten am Mittwoch Asylsuchende in eine Aicher Gewerbehalle

Der Landkreis, die Stadt Aichtal und die Flüchtlingsinitiative vor Ort waren in den letzten Tagen fieberhaft mit der Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigt. Gestern trafen 250 ein, am Tag zuvor war die Gewerbehalle noch gähnend leer: Die Lieferung der Stockbetten hatte sich verzögert.

Lieferung verzögert: Am ersten Abend konnten nur Betten für 150 Asylsuchende organisiert werden.Foto: Jürgen Holzwarth
Lieferung verzögert: Am ersten Abend konnten nur Betten für 150 Asylsuchende organisiert werden.Foto: Jürgen Holzwarth

Aichtal. Erschöpft steigen die jungen Männer aus dem Bus, der direkt vor die Gewerbehalle in den Stockwiesen gefahren ist. Während sich einige zunächst einmal in den Zelten des Roten Kreuzes mit Tee aufwärmen, zieht es andere direkt in die improvisierten Büros zur Registrierung.

Es ist bereits der dritte voll besetzte Bus, der an diesem Tag Asylsuchende in das Aicher Industriegebiet bringt. „Zwei weitere Busse kommen heute noch. Wir erwarten insgesamt 250 Leute“, sagt einer der Mitarbeiter des Landratsamts.

Nach der Registrierung können die Betten bezogen werden: Im Erdgeschoss der Halle warten Matratzen auf die Flüchtlinge, Stockbetten fehlen noch. Viele der jungen Asylbewerber, von denen der Großteil aus Syrien stammt, werden an diesem Abend deshalb auf Matratzen direkt auf dem Boden und einem Schlafsack vorliebnehmen müssen. Denn für 100 von den insgesamt 250 Flüchtlingen gibt es am ersten Abend keine Betten.

Im Sommer war man noch von 120 Asylsuchenden ausgegangen, die in Aichtal untergebracht werden sollten. Doch der Druck auf den Landkreis ist von Monat zu Monat gewachsen. „Im Oktober wurden uns von den Landesaufnahmestellen 1 025 Flüchtlinge zugewiesen“, macht Peter Keck, Pressesprecher beim Landratsamt, auf die wachsenden Anforderungen deutlich.

Eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die Kommunen scheint kaum noch möglich, Landrat Heinz Eininger hatte es in den Sitzungen der letzten Wochen bereits angekündigt: „Wir müssen belegen, was wir bekommen können.“ Auch bei der Art der Unterbringung greift der Kreis zunehmend auf Notlösungen zurück, wie jetzt in Aichtal. Der Landkreis hat die Gewerbeimmobilie angemietet, im Erdgeschoss verfügt man über eine zusammenhängende Fläche von 1 160 Quadratmetern, im Obergeschoss nochmals über 664 Quadratmeter. „Damit können wir für diesen Monat noch das Soll erfüllen, doch tut sich für den November schon jetzt eine Riesenlücke auf“, so Keck. Man brauche weitere 1 000 Plätze, habe bis jetzt aber nur 400 gesichert.

Dass sich die Verwaltungsmitarbeiter fast stündlich vor neue He­rausforderungen gestellt sehen, zeigt das Problem mit den Betten. „Die sind, wie auch Wohncontainer, gerade ein knappes Gut auf dem Markt“, weiß Keck. Die Betten wurden für den Mittwoch erwartet, daraus wurde nichts.

Gestern Abend konnten dennoch wenigstens 150 Stockbetten aufgebaut werden, die man aus anderen, bereits hergerichteten Unterkünften eilig herbeigeholt hatte, weil sie dort erst später gebraucht werden. „Uns wurden nur alleinstehende Männer gemeldet, denen wir eine Nacht unter diesen Bedingungen zumuten können“, so Keck.

Für heute hofft Keck jedoch auf die bestellten Betten. Auch im Sanitärbereich muss noch nachgebessert werden. Im Außenbereich wurden behelfsmäßig mobile Toiletten aufgestellt, Sanitärcontainer sollen hinzukommen, die dann die bereits vorhandenen sanitären Einrichtungen ergänzen.

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