Zwischen Neckar und Alb

50 Jahre Patenschaft im Fokus

Die Egerländer und die Wendlinger feiern gemeinsam zum 65. Mal ihr Vinzenzi-Fest

Bei Kaiserwetter feierte die Stadt Wendlingen am Wochenende Vinzenzi-Fest. Diesmal erinnerte man zusätzlich an „50 Jahre gelebte Patenschaft“.

50 Jahre Patenschaft im Fokus
50 Jahre Patenschaft im Fokus

Gaby Kiedaisch

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Wendlingen. Zur Eröffnung des 65. Vinzenzi-Fests und des 42. Egerländer Landestreffens am Samstag standen Tänze mit den Banater Schwaben, der Egerland-Jugend, den Filstälern sowie Musik von „D’LauterBläser“ im Mittelpunkt.

Bürgermeister Steffen Weigel und Harald Wenig, Landesvorsteher des Landesverbands der Egerländer Gmoin Baden-Württemberg, stellten in ihren Reden die Verantwortung der Patenstadt, aber auch die religiöse Bedeutung dieses historischen Festes, das die Egerländer aus der alten Heimat nach Wendlingen mitgebracht hatten, heraus.

Vor dem Fassanstich durch Bürgermeister Weigel wurde die Ausstellung „50 Jahre Patenschaft – europäische Trachten auf Briefmarken und Sonderbriefe mit Sonderstempel zum Vinzenzi-Fest“ eröffnet. „Ohne Hilfe der Stadtverwaltung und der Vereine könnte das Fest nicht durchgeführt werden“, nahm Horst Rödl, Ehrenvor­sitzender der Wendlinger Gmoi, die Gelegenheit wahr, sich zu bedanken.

Als Patenschaftsratsvorsitzender hatte Steffen Weigel an die zwei Jubiläen erinnert: das 50-jährige Bestehen der Patenschaft der Stadt Wendlingen. Zurückgegangen war diese Partnerschaft auf einen Antrag des damaligen Landesvorsitzenden der Egerländer Gmoin und Stadtrat in Wendlingen, Anton Rödl, da schon seit 1952 das Vinzenzi-Fest hier gefeiert wurde. Damit hatten nicht nur die Egerländer aus Wendlingen, sondern aus dem gesamten Land Baden-Württemberg einen Ort, am dem sie die alte Tradition erhalten konnten.

Mit dem zweiten Jubiläum erinnerte Weigel an das Jahr 1946, als als Folge des Zweiten Weltkriegs viele Heimatvertriebene nach Wendlingen gekommen waren, darunter auch aus Dorog. Damit sei Wendlingen nicht nur zu einem Zentrum der Egerländer geworden, sondern auch für andere Landsmannschaften. Hatte Wendlingen 1946 etwa 5 500 Einwohner, ließ die Zahl der Neubürger innerhalb von nur vier Jahren die Einwohnerzahl auf 6 800 ansteigen.

Mit den heutigen Patenschaftsratssitzungen sei nicht nur der Erinnerung an die Leistungen der Heimatvertriebenen und der damals einheimischen Bevölkerung Wendlingens zu gedenken, die es geschafft hätten, aus zwei Dörfern eine prosperierende Kleinstadt im mittleren Neckarraum mit heute 16 000 Einwohnern zu machen. Sie solle Fingerzeig sein für zukünftige Entwicklungen, insbesondere für ein friedliches Miteinander in Europa.

Volker Jobst, neu gewählter Bundesvorsteher des Bundes der Egerländer Gmoin, machte den Anfang. Er nannte es eine „glückliche Fügung“ für die Egerländer, mit der Patenstadt Wendlingen jedes Jahr ein großes Vinzenzi-Fest auf die Beine stellen zu können. Pavel Hojda, zweiter Bürgermeister der Stadt Cheb (Eger), überbrachte die Grüße seines Oberbürgermeisters. Viel habe sich seit dem Beitritt Tschechiens in die EU getan, seine Stadt sei bestrebt, den Kontakt zu den Egerländern aufrechtzuerhalten.

„Von besonderem Wert“ ist für Albert Reich, Ehrenmitglied des Landesvorstands der Egerländer ­Gmoin, früherer Landesvorsteher und diesjähriger Festredner bei der Patenschaftsratssitzung, dass Wendlingen die Egerländer aufgenommen hat. Er kenne viele Partnergemeinden, aber so eine familiäre Patenschaft wie mit Wendlingen gebe es kaum in einer anderen Gemeinde, dankte er Bürgermeister Weigel. Mit den Jahren entwickelten sich Vinzenzi-Fest und Vinzenzi-Markt.

Das Fest wurde in Wendlingen so gefeiert, wie es seit über 300 Jahren in Eger gewachsen sei. Selbst Goethe, der das Egerland wegen der Heilbäder 17 Mal besucht hatte, beschrieb die historische Vinzenzi-Prozession in seinem Werk. Von ihm wissen die Egerländer, wie damals die Volkstrachten aussahen. Reich sprach über den weiten Weg, bis in Sankt Kolumban in Unterboihingen eine Vinzenzi-Kapelle eingerichtet werden konnte. Toni Rödl sei es zu verdanken gewesen, dass ein Teil der Reliquie nach Wendlingen kommen konnte. Der Korpus des heiligen Vincentius ruht in Wien, der Schädel war schon über 300 Jahre vorher nach Sankt Niklas in Eger gekommen. Ebenso erinnerte Reich an Professor Monsignore Joseph Malus, der nach der Wende 1990 Stadtpfarrer in Eger geworden war. Seit der Einladung zum Vinzenzi-Fest 1991 habe er, solange er lebte, jedes Jahr das Haupt des Heiligen mitgebracht und bei der Prozession mitgeführt.

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