Zwischen Neckar und Alb

500 Kunstwerke ziehen um

Neubau Der Landkreis Esslingen will das alte Landratsamt durch zwei Neubauten ersetzen. Vor dem 2023 geplanten Abriss des Altbaus geht die Kunstsammlung auf Reisen. Von Roland Kurz

In jedem Büro des Landratsamtes hängt mindestens ein Bild. Auch Wände wurden verschönert.Fotos: Roberto Bulgrin
In jedem Büro des Landratsamtes hängt mindestens ein Bild. Auch Wände wurden verschönert.Fotos: Roberto Bulgrin

Vermutlich ist die Kunst die geringste Sorge, die den Landrat plagt, wenn er an die beiden geplanten Neubauten und den Abbruch des Landratsamtes denkt. Doch angesichts einer Sammlung von rund 500 Gemälden und Skulpturen muss auch der Umzug dieser Schätze vorbereitet werden. Seit Jahrzehnten sammelt der Kreis Esslingen Kunstwerke aus dem deutschen Südwesten. In jedem Büro des Landratsamtes hängt mindestens ein Bild.

2023 soll der Altbau des Esslinger Landratsamtes abgebrochen werden. Ein Teil der Verwaltung zieht vorher in einen Neubau in Plochingen neben dem ehemaligen Krankenhaus. Ins Krankenhaus-Gebäude selbst sind schon einige Ämter, zum Beispiel Gesundheits- und Veterinäramt, Hochbauamt und Schulverwaltung, eingezogen. Für etwa 300 Mitarbeiter benötigt der Kreis eine Zwischenlösung, bis der Neubau auf den Esslinger Pulverwiesen fertig ist. Das soll Ende des Jahres 2025 sein. Für beide Neubauten sind 270 Millionen Euro angesetzt.

Der Auszug der Mitarbeiter aus dem Altbau hat bereits begonnen, und mit ihm zieht auch ein Teil der Kunstwerke Richtung Plochingen. Peter Keck, Sprecher des Landrats, kümmert sich seit Jahren um Kunstsammlung und Stipendiaten. Seine Idee ist, möglichst viele Werke der Stipendiaten im Plochinger Neubau unterzubringen, denn im Dettinger Park in der Neckarstadt liegen die Ateliers, die der Kreis seit 1992 den Nachwuchskünstlern zur Verfügung stellt. Jeder Stipendiat muss am Ende seiner dreijährigen Plochinger Zeit dem Landkreis ein Foto überlassen. Was Keck auch schon weiß: Die Neubauten brauchen in jedem Falle Galerieschienen, damit nicht gleich wieder Löcher gebohrt werden müssen, um die Bilder aufzuhängen.

Zunächst muss aber der Transport vorbereitet werden. Das organisiert Sarah Panten, die im Landratsamt für Kultur zuständig ist. Ihr liegt der vorsichtige und sachgerechte Umgang mit den Kunstwerken am Herzen. Einige Kunstwerke stellen die Umzugsplaner vor besondere Herausforderungen. Was passiert mit der dreiteiligen Nirostahl-Plastik „Landschaft im Raum“, die der Esslinger Wolfgang Klein speziell für den großen Sitzungssaal entworfen hat? Das größte Element hängt hinter dem Verwaltungspodium und bildet mit der schwarz-violetten Wand eine Einheit. Man müsse sehen, welche Möglichkeiten das neue Gebäude biete, meint Keck, und man werde mit dem Künstler reden. Grundsätzlich gilt: Ist ein Kunstwerk fest mit dem Gebäude verbunden, dann geht die Kunst beim Abriss mit dem Gebäude unter. Das wird beispielsweise mit der Wanddekoration im kleinen Saal passieren.

Vermutlich ist auch die rote Sitzschlange der Esslinger Kauff-mann-Schwestern nicht zu retten, die im Garten liegt und deutliche Verschleißspuren zeigt. Der fünf Meter hohe Brunnen vor dem Landratsamt, ein patinierter Bronzeguss von Irmtraud Förster, soll dagegen gerettet werden. Schnell mal eingepackt, das wird sich das Fossil nicht gefallen lassen, das vorm Zimmer des Landrats hängt. Der versteinerte Dino aus Holzmaden dürfte wenigstens eineinhalb Tonnen wiegen. Da muss eine Fachfirma helfen.

Wenn ein Umzug von 500 Teilen ansteht, könnte man auf die Idee kommen, das eine oder andere Teil über eine Auktion zu versilbern. „Das werde ich verhindern“, entgegnet die Kulturbeauftragte Panten. „Wir werden die Dokumentation nicht auseinanderreißen.“ Ziel der Sammlung sei es, das künstlerische Geschehen der Nachkriegszeit zu verfolgen. „Wir kaufen ein Bild nicht, weil es uns gefällt, sondern weil wir es für die Sammlung brauchen“, ergänzt Keck. Vielen Künstlern sei es wichtiger, dass ihre Werke in die Sammlung kommen, als sie zu einem guten Preis am Markt zu verkaufen. Jährlich gibt der Landkreis 15 000 Euro für Ankäufe aus. Pläne für den Neubau in den Pulverwiesen gibt es noch nicht. Aber Wünsche. Keck und Panten hoffen, dass im Keller ein Depot vorgesehen wird, das bei 22 Grad Celsius und geringer Luftfeuchtigkeit optimale Lagerbedingungen bietet und mit einer Rollregal-Anlage ausgerüstet ist.

Kulturbeauftragte Sarah Panten organisiert den Umzug der Kunstwerke.
Kulturbeauftragte Sarah Panten organisiert den Umzug der Kunstwerke.
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