Zwischen Neckar und Alb

Abstand halten und Kultur genießen

Lockerung Wochenlang ging in der Esslinger Dieselstraße gar nichts. Nun meldet sich das Kulturzentrum mit einem „Parklücke“-Festival und viel Musik, Kleinkunst und Literatur zurück. Von Alexander Maier

Sabine Bartsch und Luigi Röckle messen vorsichtshalber nach, damit die Corona-Abstände eingehalten werden. Foto: Roberto Bulgrin
Sabine Bartsch und Luigi Röckle messen vorsichtshalber nach, damit die Corona-Abstände eingehalten werden. Foto: Roberto Bulgrin

Die Erleichterung ist ihnen anzumerken: Seit Mitte März mussten die Macherinnen und Macher des Esslinger Kulturzentrums Dieselstraße coronabedingt Pause machen - nun keimt ein erstes Pflänzchen der Hoffnung. „Wir sind echt happy, dass es nach dieser langen Zeit nun wieder losgeht und können endlich etwas freier atmen“, sagt Geschäftsführerin Sabine Bartsch. Drei Wochen lang machen die Dieselsträßler zusammen mit dem Stadtjugendring auf dem Parkplatz vor ihrem Kulturzentrum in der Pliensauvorstadt Programm - mit Kleinkunst, Literatur und viel Musik. „Parklücke“ nennt sich das Format, das gleich in doppelter Hinsicht helfen sollte, schmerzliche Lücken qualität- und sinnvoll zu füllen: Weil größere Kulturveranstaltungen in Corona-Zeiten zumindest im Saal oft an den strengen Hygiene-Anforderungen scheitern, wurde kurzerhand der Parkplatz vor dem Kulturzentrum zum unkonventionellen Veranstaltungsort umfunktioniert. Und der entschädigt auch all jene, die bislang zur Sommerzeit den Stadtstrand am Esslinger Westend zu schätzen wussten, auf den sie in diesem Jahr schweren Herzens verzichten müssen.

„Schon lange war klar, dass man den Stadtstrand nie mehr wird umbuddeln können, denn das machen jetzt die Bagger“, sagt Sabine Bartsch. „Weil Esslingen aber viel mehr Orte der Begegnung unter freiem Himmel braucht, haben sich Stadtjugendring und Dieselstraße dazu entschlossen, gemeinsame Sache zu machen und in die Pliensauvorstadt zu wandern.“ Denn auf dem Vorplatz des Kulturzentrums gibt es zwar keinen Strand, dafür jedoch eben jene Freifläche, die während des Festivals zum Schauplatz werden sollte und soll. Für den Zeitraum vom 9. bis 24. Juli ist dort ein Ort der Begegnung und der Kultur entstanden, um die Lücke, die sich durch das Fehlen des Stadtstrands aufgetan hat, so gut es eben geht zu kompensieren. Damit die Corona-Regeln eingehalten werden können, ist die Teilnehmerzahl auf 50 begrenzt. Dafür sind alle Veranstaltungen kostenlos. Nach jeder Veranstaltung geht ein Hut herum - die Spenden gehen an die Künstlersoforthilfe Stuttgart.

Sabine Bartsch, Matze Fugel, Cheftechniker Luigi Röckle und ihre Mitstreiter haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um aus dem bislang eher nüchternen Dieselstraßen-Vorplatz einen Veranstaltungsort mit Stadtstrand-Qualitäten zu machen. Knallbunt bemalte Autoreifen und Bänke prägen das Bild und lassen vergessen, dass Abstandhalten in diesen Zeiten alternativlos ist. Und die Geschäftsführerin der Dieselstraße ist überzeugt: „Das ist genau der richtige Rahmen für ein schönes, kleines Festival. Zu anderen Zeiten hätten wir garantiert jeden Abend einen Riesenandrang.“ So muss es coronabedingt eben bei höchstens 50 Zuhörern bleiben. Und auch die müssen sich sputen: Sind die Tickets vergriffen, geht gar nichts mehr. Dass es an Interessenten nicht fehlen wird, ist für Sabine Bartsch keine Frage: „Das Programm ist so abwechslungsreich und interessant, dass die Karten im Handumdrehen vergriffen sind. Und von unserem Publikum hörten wir immer wieder, dass es viele kaum mehr erwarten können, bis nach der unfreiwilligen Corona-Pause endlich wieder etwas geboten wird.“ Denn bis auf eine Handvoll Konzerte, die per Livestream ins Netz übertragen wurden, ging in der Dieselstraße gar nichts. „Solche Formate waren eine Möglichkeit, die Zeit ein wenig zu überbrücken“, sagt Sabine Bartsch. „Aber mit einem Livekonzert ist das nicht zu vergleichen.“

Info: Die kostenlosen Tickets für alle Veranstaltungen des „Parklücke“-Festivals können im Internet unter www.dieselstrasse.de reserviert werden - solange der Vorrat reicht.

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