Zwischen Neckar und Alb

Alte Menschen ganzheitlich im Blick

Gesundheit Medius-Klinik Ruit richtet Klinik für Akut-Geriatrie und Palliativmedizin ein.

Alte Menschen in der Klinik haben oft mehrere Krankheitsbilder. Ein Fall für die Geriatrie. Symbolbild

Ostfildern. Den neuen Chefarzt haben die Medius-Kliniken schon an Land gezogen. Am 1. Oktober wird Professor Andrej Zeyfang seinen Dienst im Ruiter Krankenhaus antreten. Er wird eine neue Abteilung mit 20 Betten für Akut-Geriatrie leiten sowie acht Betten für Palliativmedizin zur Verfügung haben. Pflegekräfte, Therapeuten und ein Oberarzt werden noch gesucht.

Die Klientel, also die alten Menschen, habe man sowieso im Haus - mit Oberschenkelhalsbruch, mit Infarkt, mit Altersdiabetes. Und weil sie meist nicht nur unter einer Krankheit leiden, sei es sinnvoll, sich ganzheitlich um die alten Menschen zu kümmern. So hat der Aufsichtsrat der Medius-Kliniken, ehemals Kreiskrankenhäuser, über die neue Fachrichtung diskutiert und sie laut Pressesprecherin Iris Weichsel als „zukunftsweisendes Modell“ beschlossen.

Geriatrie sei im Versorgungsauftrag der Klinik enthalten, betont Weichsel. Man erhöhe auch die Planbettenzahl von 280 nicht. Größere Baumaßnahmen seien ebenfalls nicht notwendig. Was ins Haus kommt, ist viel Erfahrung in der Altersmedizin und ein ganzheitlicher Blick auf den Patienten.

In jeder Abteilung habe man betagte Menschen. Um die soll sich aber nicht nur der Chirurg, der Kardiologe oder der Gastroenterologe kümmern, sondern der Altersmediziner. Er versuche, den Patienten zu behandeln, solange er sowieso im Krankenhaus liege, sagt Chefarzt Zeyfang. „Das spart Ressourcen und nützt dem Patienten.“ Es dürfe nicht sein, dass jemand von der Klinik als „geheilt“ nach Hause geschickt werde und dort ein Pflegefall sei. Mobilisierung der Senioren ist also ein wichtiges Ziel, aber im Gegensatz zur Reha sei die Akut-Geriatrie nicht nachgeschaltet, sondern laufe parallel zur anderen Behandlung. Deshalb ist man in den Medius-Kliniken auch zuversichtlich, wirtschaftlich erfolgreicher zu sein als die Esslinger Aerpah-Klinik, die vor drei Jahren aufgeben musste.

Zeyfang ist derzeit noch Chefarzt der Inneren und Geriatrie in der Sana Klinik Bethesda Stuttgart. Er wohne im Kreis Esslingen und sei ihm verbunden, begründet er seinen Wechsel. Seit etwa 15 Jahren forscht er zum Thema Altersdiabetologie und ist auf diesem Gebiet politisch aktiv. Diesem Thema werde er sich auch in Ruit widmen, Altersdiabetes betreffe das ganze Krankenhaus. Zeyfang sieht sich als Spezialist für Komplikationen, die bei Senioren zum Infarkt oder zum Knochenbruch noch dazukommen. Bei einem Bruch müsse man auch immer fragen, warum der Patient gestürzt sei und wie man die Ursache angehen könne. Häufig entwickele ein alter Mensch in Verbindung mit der Ausgangskrankheit auch psychopathologische Symptome und sei beispielsweise verwirrt.

Die Akut-Geriatrie soll nicht nur für bereits aufgenommene Patienten zuständig sein. Zeyfang geht davon aus, dass Hausärzte in die Klinik überweisen, um funktionelle Störungen ihrer Patienten behandeln zu lassen. Roland Kurz

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