Zwischen Neckar und Alb

Alte Schmiedekunst lebt wieder auf

Geschichte Das Stadtmuseum Wendlingen spürt ab Sonntag, 16. Juni, mit einer Sonderausstellung einem jahrtausendealten Handwerk nach. Die Repliken stammen von einem Kunstschmied aus Ötlingen. Von Gaby Kiedaisch

Edmund Graeber aus Ötlingen ist noch einer der ganz wenigen Kunstschmiede in der Region.Foto: Jürgen Holzwarth
Edmund Graeber aus Ötlingen ist noch einer der ganz wenigen Kunstschmiede in der Region.Foto: Jürgen Holzwarth

Die Schmiedekunst ist ein aussterbendes Handwerk. Dabei nahm das Schmieden von Werkzeugen, haus- und landwirtschaftlichen Gerätschaften, Waffen und Schmuck einst breiten Raum ein. Die Sonderausstellung „Der Schmied als Universalhandwerker“, die am Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr im Stadtmuseum eröffnet wird, zeigt vor allem eine große Auswahl an Schwertern.

Darunter handgefertigte Replikate von historischen Blank- und Stangenwaffen sowie Schwerter aus Damaszener Stahl - heute eine Besonderheit in der Schmiedehandwerkskunst. Sie stammen von Edmund Graeber aus Ötlingen. Sämtliche Exponate hat der Schmied selbst geschmiedet und gefertigt. Sogar eine funktionsfähige Kanone mit originalen Munitionskugeln wird in der Sonderausstellung bis zum 28. Juli zu sehen sein.

Den Hammer niederschwingend auf ein Stück Metall, das auf dem Amboss liegt, diese Szene ist den meisten noch geläufig, wenn sie einen Schmied vor Augen haben. 80 Stunden hat Edmund Graeber für die Kanone gebraucht und weitere 20 Stunden für das fahrbare Gestell mit Rädern. Für das Schmieden von Schwertern, Schleifen und Polieren inklusive, werden zwischen 40 und 100 Stunden benötigt.

Ehefrau Ilse Graeber unterstützt ihren Mann bei seinem zeitaufwendigen Hobby, sorgt für die optimale Präsentation der Exponate bei Ausstellung oder macht Öffentlichkeitsarbeit.

Kunst und Handwerk

Ausgestellt sind auch sogenannte Damaszener Schwerter. Sie werden aus Damaszener Stahl geschmiedet, ein Werkstoff aus einer oder mehreren Eisen- und Stahlsorten, also aus extrem hartem wie auch weichem Metall. Graeber arbeitet nach historischen Vorbildern. Die älteste Replik der Schau ist ein Schwert aus der Zeit um 1000 n. Chr., wie es auch von den Kreuzzüglern verwendet wurde. Zu sehen sind daneben Krummschwerter (um 1480), sie stammen ursprünglich aus dem Orient und wurden in der Renaissance vor allem von Landsknechten im Kampf mitgeführt. Gezeigt werden auch sogenannte Hellebarden, Hieb- und Stichwaffen, die vor allem vom einfachen Fußvolk zwischen 1300 und 1500 genutzt wurden.

Edmund Graeber ist gelernter Bauschlosser und Techniker im Hoch- und Ingenieurbau und hat lange Zeit für einen angesehenen Architekten gearbeitet. Als Verantwortlicher für die Gebäudeunterhaltung war er anschließend bei der Stadt Wendlingen tätig gewesen. Er besitzt noch heute eine alte Kunstschmiede in Holzmaden. Dort hat er handgefertigte Tore, kunstvoll verzierte Fenstergitter, Grabzeichen, Wetterfahnen, Werkzeuge, Schlosser- und Reparaturarbeiten gemacht, aber auch Skulpturen wie in Ötlingen als Erinnerung an den ehemaligen Farrenstall.

Dabei geht in der Schmiedekunst nicht immer alles glatt. „Wird’s was? Denn häufig wird es auch nichts“, sagt Graeber geradeheraus, das mache ja gerade den Reiz bei dieser Arbeit aus. Es sei jedes Mal eine neue Herausforderung. „Faszinierend, was man aus nichts machen kann.“

Für Schmiedearbeiten hat Joachim Kuschel, Zweiter Vorsitzender des Museumvereins, immer wieder den Schmiedemeister zurate gezogen. Denn das Stadtmuseum ist selbst im Besitz einer alten Schmiede aus der Oberdorfstraße in Köngen. Diese Reinhardt-Schmiede wird ebenfalls in der Sonderausstellung gezeigt. Sie wurde von Joachim Kuschel für das Museum mit Originalblasebalg wieder instandgesetzt. Aus diesem Kontakt hat sich ergeben, dass für die Sonderausstellung Exemplare aus der Sammlung von Edmund Graeber und aus dem Depot des Stadtmuseums zusammengetragen werden konnten.

Zur Eröffnung am kommenden Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr in der Pfarrscheuer neben dem Stadtmuseum begrüßt Joachim Kuschel die Besucher, für die Stadt Wendlingen spricht Jürgen Zimmermann, und mit der Einführung gibt Edmund Graeber einen Überblick über die Ausstellung. Immer samstags und sonntags führt Joachim Kuschel Interessierte durch die Ausstellung.

 

Info: Die Sonderausstellung ist bis zum 28. Juli im Stadtmuseum Wendlingen, Kirchstraße 4, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr zu sehen; zur Eröffnung am kommenden Sonntag durchgehend geöffnet.

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