Zwischen Neckar und Alb

Alternative zum Amtsinhaber gesucht

Wahl Im Hochdorfer Gemeinderat herrscht breite Unzufriedenheit über den Bürgermeister Gerhard Kuttler. Eine Gruppe von Bürgern sucht für die Wahl im Januar bereits einen Gegenkandidaten. Von Roland Kurz

Die Kompetenz von Gerhard Kuttler wird in Hochdorf höchst unterschiedlich bewertet. Foto: Bulgrin
Die Kompetenz von Gerhard Kuttler wird in Hochdorf höchst unterschiedlich bewertet. Foto: Bulgrin

Er ist nett und umgänglich, so weit sind sich die Gemeinderäte der 4 650 Einwohner zählenden Gemeinde über ihren Bürgermeister einig. Und deswegen sind manche zurückhaltend, Gerhard Kuttler im Vorfeld der Wahl an den Karren zu fahren. „Ein zweiter Kandidat ist immer zu begrüßen, damit der Bürger eine echte Wahl hat“, sagt Siegfried Albrecht, Fraktionsvorsitzender der CDU. Seine Fraktion wolle aber nicht offensiv nach jemandem suchen, zumal der Wahlkampf gegen einen Amtsinhaber eine schwierige Angelegenheit sei. Mehr als sanfte Kritik, dass Kuttlers Zusammenarbeit mit den Fraktionen nicht optimal läuft, lässt sich Albrecht nicht entlocken. Bekannt ist aber, dass er nicht mehr Erster Stellvertreter des Bürgermeisters sein wollte. Eine Kritik lässt Albrecht nicht gelten: dass im Ort nichts passiert sei. Das Pflegeheim sei auf einem gutem Weg, das Rathaus werde saniert, eine Kinderkrippe sei eingerichtet worden.

SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Bagdahn würde es auch begrüßen, wenn die Bürger Ende Januar tatsächlich eine Wahl hätten. Daran arbeitet sie aktiv und fragt in SPD-Kreisen herum. Bagdahn macht keinen Hehl daraus, dass sie Kuttler kritisch gegenübersteht und „kein Fan von ihm“ ist. Er sei ein „umgänglicher Kerl“, aber er habe kein Händchen bei der Verhandlungsführung und sei vor allem in der Geschäftswelt zu wenig präsent. Bei vielen Themen habe ihn der Gemeinderat anschieben müssen.

Ähnlich äußert sich Andrea Holzer, die Sprecherin der Grünen. Sie würde sich mehr Führung von ihrem Bürgermeister wünschen. Sie glaube nicht, dass er in Verhandlungen das Beste für Hochdorf heraushole. Sie sieht aber auch das Gemeinderatsgremium in der Pflicht: Das müsste in einer solchen Situation stärker werden.

„Eine Wahl mit Alternativen ist immer gut“, sagt Ali Izmir, Vorsitzender der „Mitte“. „Wir würden uns freuen, wenn sich jemand aufstellen ließe.“ Izmir hat selbst in seinem Umfeld herumgefragt. Er könne sich gut jemanden aus der Wirtschaft vorstellen, der andere Führungsqualitäten mit sich bringe als Kuttler. Dem Amtsinhaber fehlen nach Ansicht Izmirs „Leidenschaft und Visionen“. Sitzungsunterlagen seien häufig unzulänglich und auf Nachfrage komme oft der gleiche Satz: „Ich muss mich da erst informieren.“ Leider nehme Kuttler auch das Wissen von erfahrenen Gemeinderäten nicht in Anspruch. Daran habe sich in diesen acht Jahren nichts geändert.

Das sieht Andrea Osthues, Vorsitzende der Freien Wähler, ganz anders. Selbst wenn sie die Einzige wäre, die das so sehe: Bürgermeister Kuttler mache vieles schon sehr viel besser. Er habe „mit ganz großem Einsatz den Ortsentwicklungsplan umgesetzt“. Dabei habe er in Hochdorf ein „schweres Erbe“ angetreten und ihm seien viele Stolpersteine in den Weg gelegt worden. Sie bedauere sehr, dass im Ort mehrere Gruppierungen gegen Kuttler agierten und die Unzufriedenheit der Bürger gespeist werde. Das „Rumgemeckere“ an der Arbeit des Bürgermeisters sei absolut nicht angebracht. Dass nicht alle Vorstellungen der Bürger verwirklicht würden, sei normal und liege an Kosten, am Gelände oder an Vorschriften. Ihr gefalle aber, wie Kuttler es immer wieder schaffe, an Fördergelder für Hochdorf heranzukommen. Das Einzige, was sie bemängle, sei, dass er zu gutmütig sei und es jedem recht machen wolle.

Ein Bürger, der den Bürgermeister seit Jahren aufmerksam und mit wachsender Kritik beobachtet, ist Sebastian Otto. Der frühere Textilunternehmer hadert mit der Sitzungsleitung des Amtsinhabers, seiner Informationspolitik, mit dem zähen Fortgang bei wichtigen Projekten. Im Staatsanzeiger sucht der Kreis um Otto als „unabhängiges Gremium“ einen „Alternativkandidaten“, für die „lebendige Gemeinde“. Einen, der „empathisch, führungsstark und visionär“ zusammen mit Gemeinderat und der engagierten Bürgerschaft die Weichen für die Zukunft stelle. Einige Interessenten haben sich wohl an bmfk@web.de – steht vermutlich für Bürgermeister-Findungskommission – gewandt. Es soll aber noch keiner angebissen haben. Offiziell wird die Stelle des Hochdorfer Bürgermeisters am 25. November im Staatsanzeiger ausgeschrieben.

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