Zwischen Neckar und Alb

Amokalarm schreckt Schüler auf

Einsatz Ein Unbekannter taucht mit einer Pistole im beruflichen Schulzentrum in Esslingen-Zell auf und verursacht einen Großeinsatz. Die Fahndung läuft auf Hochtouren. Von Alexander Maier

Großeinsatz am Berufsschulzentrum in Essingen-Zell.Foto: SDGM/Friebe
Großeinsatz am Berufsschulzentrum in Essingen-Zell. Foto: SDGM/Friebe

Der Schreck saß vielen Schülern und Lehrern des Berufsschulzentrums in Esslingen-Zell auch Stunden später noch im Nacken: Mehrere Schüler hatten sich um 10.36 Uhr im Rektorat gemeldet und berichtet, ein Unbekannter habe ihnen einen Namen genannt und sich nach dem Betreffenden erkundigt. Als ihm die jungen Leute nicht weiterhelfen konnten, sei der Mann weitergegangen. Sie berichteten, dass sie im Vorübergehen bemerkt hätten, dass der Mann eine Pistole im Hosenbund stecken hatte.

Gefahrenlage zunächst unklar

Weil die Gefahrenlage unklar war, wurde Amokalarm ausgelöst. Als die ersten Einsatzkräfte wenig später eintrafen, war der Mann verschwunden. Die Schule wurde weiträumig abgesperrt, die Schüler mussten in ihren Klassenzimmern bleiben, solange die Polizei das Gebäude durchsuchte. Um die Mittagszeit gab es dann Entwarnung. Während die Kripo im Schulgebäude die Ermittlungen aufnahm und Zeugen befragte, fahndete ein Großaufgebot von Einsatzkräften im Stadtgebiet nach dem Unbekannten. Um die Mittagszeit gab es dann die erlösende Nachricht: Niemand wurde unmittelbar gefährdet oder gar verletzt.

Wie ein Lauffeuer hatte sich gestern Vormittag die Nachricht verbreitet, dass es einen Amokalarm im Berufsschulzentrum in der Steinbeisstraße gegeben hatte. Viele Schaulustige, Eltern und Freunde standen vor den Absperrungen der Polizei und beobachteten das Geschehen.

Während die Polizei per Twitter laufend über den aktuellen Stand informierte, meldeten sich Schüler aus dem Schulzentrum über Handy und soziale Netzwerke.

Wie es bei einem Amokalarm üblich ist, hatte die Polizei sofort das volle Programm gestartet: Innerhalb kürzester Zeit waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort, mit jeder Minute rückte Verstärkung an, weil keiner zunächst wusste, wie groß die Gefahr tatsächlich war. Die Schüler des beruflichen Schulzentrums, das die Friedrich-Ebert-Schule und die Käthe-Kollwitz-Schule beherbergt, mussten vorsorglich mit ihren Lehrern in den Klassenzimmern ausharren.

Im weiten Umkreis riegelten Polizeistreifen die Zufahrten ab. Mit spezieller Schutzkleidung und automatischen Waffen ausgerüstete Beamte waren an sämtlichen Zugängen zum Schulgelände und im Umfeld postiert. Spezialeinsatzkräfte rückten ebenso an wie die Hundestaffel, die bei der Durchsuchung der Gebäude zum Einsatz kam. Unterdessen kreisten zwei Polizeihubschrauber über dem Stadtteil Zell. „Schulen und Kindergärten um die Friedrich-Ebert-Schule haben sich vorsorglich ebenfalls verbarrikadiert“, ließ die Polizei wissen. „An die Eltern: Bitte haben Sie Geduld und bleiben Sie den Schulen fern. Wir brauchen den Platz für die Einsatzkräfte“, twitterte die Polizei, um wenig später zu ergänzen: „Ihre Kinder sind in den Klassenzimmern und können auch nicht raus. Wir geben Bescheid, sobald Sie Ihre Kids abholen können.“

Es waren auch Kriseninterventionskräfte im Einsatz, um die Betroffenen zu betreuen. Eine Person musste mit Kreislaufschwäche ins Krankenhaus. Gegen 14.45 Uhr gab es endgültig Entwarnung: „Durchsuchungs- und Evakuierungsmaßnahmen beendet. Die Fahndung wird fortgesetzt.“

Zunächst schien es, als hätte die Polizei den Verdächtigen rasch gefasst: Ein Zeuge hatte am nahen Sportplatz einen Mann gesehen, auf den die Beschreibung passte. Der Mann, der genau wie der Verdächtige aus dem Schulhaus mit einem Motorrad unterwegs war, wurde festgenommen. Er kam aber nach intensiver Überprüfung wieder frei, weil er mit der Sache offenbar nichts zu tun hatte. Deshalb wurde die Fahndung auch am Nachmittag mit unverminderter Intensität fortgesetzt.

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