Zwischen Neckar und Alb

Angeblicher Arzt streitet weiter ab

Prozess Zeugen beschreiben den Angeklagten im Fall der zerstückelten Neckarleiche als befremdlichen Hochstapler.

Gericht
Symbolbild

Stuttgart. Ohne Gefühlsregung habe der Angeklagte die Nachricht vom Tod seiner Bekannten aufgenommen und sich in Widersprüche verwickelt, erzählte einer der Vernehmungsbeamten vor dem Stuttgarter Landgericht. Der 76-Jährige, dem vorgeworfen wird, am 26. September 2017 in seiner Wohnung in Mettingen die vier Jahre jüngere Frau mit stumpfer Gewalt erschlagen und anschließend zerstückelt in den Neckar geworfen zu haben, hüllte sich in Schweigen.

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Daher kamen nun die Ermittler zu Wort. Der Sohn des Opfers, der im Prozess vor der 9. Schwurgerichtskammer als Nebenkläger auftritt, hatte damals seine Mutter als vermisst gemeldet und in deren Unterlagen eine Reisebestätigung mit dem Namen des Angeklagten gefunden. Und so war man auf den Rentner gekommen, der zunächst als Zeuge über den Verbleib der 72-Jährigen befragt werden sollte. Nach einem Telefongespräch am 17. Oktober sei ihm klar gewesen, dass der Befragte nicht die Wahrheit sagte, meinte der Polizeibeamte von der Stuttgarter Vermisstenstelle.

Befremdliche Persönlichkeit

Der 76-Jährige habe zwar zugegeben, dass seine Bekannte am 26. September mittags zum Kaffee trinken bei ihm war und man gemeinsam eine Quizsendung angeschaut habe. Am Abend will der Angeklagte die Frau zu Fuß nach Obertürkheim, wo sie wohnte, begleitet und sich von ihr verabschiedet haben.

Dies hatte der Angeklagte am 20. Oktober auch dem Kriminalhauptkommissar erzählt. Am Abend des 17. Oktobers war nämlich der Torso der Getöteten bei der Gaisburger Brücke in Bad Cannstatt gefunden worden. Der Beschuldigte habe keinerlei Gefühlsregungen gezeigt, auch nicht, als er ein Foto von der zerstückelten Leiche seiner Bekannten gesehen und immer ausweichende Antworten gegeben habe, sagte der Vernehmungsbeamte. So hatten Freundinnen des Opfers den 76-Jährigen, der sich als Arzt im Ruhestand ausgab, beim gemeinsamen Besuch von Veranstaltungen kennengelernt, was dieser aber abstritt. Er sei zweimal verheiratet gewesen, habe zwei Kinder, sei ohne Berufsausbildung und habe als Angestellter in einer Spielhalle gearbeitet. Außerdem habe er lange eine ältere Frau bis zu deren Tod gepflegt. Dies bestätigte ein Arzt aus Stuttgart, allerdings schrieb er ihm auch eine „befremdlich erscheinende Persönlichkeitsstruktur“ zu, von überschießender Freundlichkeit über aufbrausendes Gehabe bis zur Hochstapelei. Zudem habe sein Patient ab Oktober 2016 durch Färbung der Haare und Lederjacke sein Äußeres völlig verändert. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Sabine Försterling