Zwischen Neckar und Alb

Angehörige bleiben auf der Strecke

Sucht Psychosoziale Beratungsstelle eröffnet eine neue gemischte Gruppe für Angehörige von Suchtkranken.

Kirchheim. In der Suchtberatung stehen meist die Betroffenen im Mittelpunkt. „Angehörige finden sich da oft nicht wieder, haben das Gefühl, sie bleiben auf der Strecke“, weiß Maria Köster-Sommer, die Leiterin der Psychosozialen Beratungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke (PSB) in Nürtingen. Deshalb bietet die Beratungsstelle seit Jahren auch Angehörigen, also Partnern, Kindern, Eltern, Geschwistern, aber auch Kollegen oder Freunden von Suchtkranken, Unterstützung in Form verschiedenster Angebote. Jüngstes „Kind“ ist eine gemischte Gruppe für angehörige Frauen und Männer, die nun 14-tägig startet. Sie ist die einzige ihrer Art im Landkreis.

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Angehörige oft selbst krank

„Sucht ist immer ein Familienproblem“, sagt Köster-Sommer. „Die Angehörigen stehen unter einem großen Leidensdruck, der manchmal sogar größer ist als beim Abhängigen selbst“, erklärt die Sozialpädagogin. Schuld- und Schamgefühle, Wut, Verzweiflung und Ohnmacht plagten sie. Oft entwickelten die Angehörigen selbst psychosomatische Erkrankungen. Eigene Bedürfnisse werden im Alltag zurückgestellt, man versucht nach außen den Schein zu wahren.

Für die psychotherapeutische Heilpraktikerin Andrea Calcagnini ist es wichtig, dass die Teilnehmer nicht nur erleben, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind, sondern auch das eigene Verhalten reflektieren. Sie sollen erkennen, dass der Partner einen Profi braucht und sie selbst nicht wirklich helfen können. Gemeinsam überlege man, welche Veränderungen im eigenen Leben nötig sind. Die Angehörigen machten selbst eine Art Entzug durch, erklärt Calcagnini. „Sie müssen unter anderem lernen, nicht mehr zu kontrollieren, zu entschuldigen oder auch den anderen zu beschimpfen.“

Die neue Gruppe findet kontinuierlich statt. Ein Einstieg im Verlauf ist möglich. Dass die Teilnehmer dadurch auf einem unterschiedlichen Stand sein können, hält Calcagnini für einen Vorteil, ebenso wie die Öffnung des Angebots für Männer. So könnten die Teilnehmenden stärker voneinander profitieren. Auch das neue Angebot findet in den Räumen der Psychosozialen Beratungsstelle Nürtingen statt. „Damit ist die Hemmschwelle schon überschritten und es wird leichter, sich weitere Unterstützung zu holen“, erklärt Köster-Sommer.

Die Teilnehmerzahl ist auf zehn begrenzt. Das Angebot ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch unbedingt erforderlich: entweder per Mail an info@suchtberatung-nuertingen.de oder telefonisch unter der Nummer Tel. 0 70 22/93 24 40.pm