Zwischen Neckar und Alb

„Angehörige haben keine Lobby“

Therapieangebot Beim Nürtinger Beratungsprogramm „CRAFT“ finden Familienmitglieder von Suchtkranken Hilfe.

Symbolbild

Nürtingen. Angehörige von Suchtkranken sind ganz besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie plagen Gefühle von Schuld und Scham, Ohnmacht und Angst, zuweilen sind sie häuslicher Gewalt ausgesetzt, und ihre eigenen Bedürfnisse stellen sie im Alltag in den Hintergrund. Um Angehörige zu stärken, bietet die Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke in Nürtingen seit drei Jahren die Angehörigen-Beratung „CRAFT“ (Community Reinforcement and Family Training) an. Ziel ist es nicht nur, die Lebensqualität der Angehörigen zu verbessern, sondern die suchtkranke Person zu einer Beratung oder Behandlung zu bewegen.

In der Helferrolle gefangen

„Angehörige haben keine Lobby“, sagt Angelika Pöltl-Knüppel. Die Sozialpädagogin und Therapeutin ist gemeinsam mit einer Kollegin für „CRAFT“ zuständig. Dass die Beratungsstelle über das Programm inzwischen mehr als zehn Prozent der Angehörigen von Suchtkranken erreicht, sei eine hohe Zahl. „Viele Angehörige sind so sehr in ihrer Helferrolle gefangen, dass sie sich manchmal selbst verlieren und Begleitung brauchen“, weiß die Fachfrau für Suchtkrankheiten.

In den Sitzungen können Angehörige in der Einzelberatung über ihre Sorgen, Nöte und neue Lösungswege sprechen. Gemeinsam wird überlegt, wie die Lebensqualität der Angehörigen verbessert werden kann und eigene Bedürfnisse wieder mehr zum Zug kommen. In den Beratungsstunden geht es unter anderem um eine bessere Kommunikation zwischen den Angehörigen und den Suchtkranken. So wird während der Sitzung zum Beispiel auch besprochen, was Angehörige tun können, damit sich das Verhalten des Suchtkranken verändert.

Eine Brücke bauen

Ein zweiter bedeutender Aspekt von „CRAFT“ ist es, die Suchtkranken selbst zu motivieren, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Angehörige können eine Brücke bauen“, betont Pöltl-Knüppel. Wie sie Anstöße geben können, erfahren sie ebenfalls im Programm. Manchmal genüge die bloße Erwähnung gegenüber dem betroffenen Suchtkranken, dass man sich in der Suchtberatung Hilfe hole. pm

Info Die nächste Angehörigen-Gruppe für Frauen startet in der Suchtberatungsstelle in Nürtingen am Montag, 16. Oktober. Einen Informationsabend können Interessierte vorab unverbindlich am Montag, 9. Oktober, besuchen. Weitere Informationen gibt es per Mail an info@suchtberatung-nuertingen.de oder im Internet auf der Homepage www.suchtberatung- nuertingen.de.

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