Zwischen Neckar und Alb

Anwohner fürchten Strahlung

Freies WLAN: Kreissparkasse wird als möglicher Sponsor vertröstet

Rund um Esslingen bieten immer mehr Städte und kleinere Kommunen freies WLAN an. In Esslingen hingegen kommt das Thema nicht voran, obwohl es mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen eine mögliche Sponsorin gibt. Gegenwind kommt von einigen Altstadtbewohnern, die kostenloses WLAN wegen der Strahlenbelastung ablehnen.

Freies WLAN auf der Maille an der Inneren Brücke in Esslingen: Davon können die jungen Leute wohl noch einige Zeit nur träumen.
Freies WLAN auf der Maille an der Inneren Brücke in Esslingen: Davon können die jungen Leute wohl noch einige Zeit nur träumen. Foto: Bulgrin

Esslingen. Pforzheim hat sie, ebenso Winnenden und Böblingen, aber auch im Landkreis Esslingen ist die schnelle Internetverbindung zum Nulltarif rasant auf dem Vormarsch. In Nürtingen und Wendlingen zum Beispiel und bald auch in Altbach. Die Landeshauptstadt hat sich zunächst schwer getan, dem Trend zu folgen, der längst nicht mehr neu ist. Doch zum evangelischen Kirchentag Anfang Juni haben die Nutzer von Smartphones, Tablets oder Laptops auch in Stuttgart freien Zugang zum „Wireless LAN“. Dabei geht es in Stuttgart – wie in den meisten anderen Städten auch – um Insellösungen. Es wird nicht die gesamte Innenstadt in den Service mit einbezogen, sondern nur stark belebte Straßenzüge und Plätze.

In Esslingen kümmert sich die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) um das Thema „kostenloses WLAN“, und wie es scheint, herrscht nun erst einmal Funkstille. Einige Anwohner befürchten eine unzumutbare Strahlenbelastung und haben sich mit ihren Sorgen an EST-Chef Michael Metzler gewandt. Der will das Projekt vorerst ruhen lassen und wartet nun auf einen Impuls aus dem Gemeinderat. Der örtliche Handel reagiert zurückhaltend. „Das ist auch für uns ein Thema, doch die Finanzierung ist die große Frage“, sagt Alexander Kögel, Vorstandssprecher der City Initiative Esslingen. Zumindest die meisten Inländer hätten eine Flatrate. Es gehe also in erster Linie um ein Angebot für Touristen.

Ulrich Unger, Unternehmenssprecher der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen bedauert, dass es in Esslingen nicht gelingt, mit dem kostenlosen WLAN voranzukommen. Er war für sein Haus mit der EST im Gespräch, und dabei ging es um eine Beteiligung des Instituts an dem Projekt. Mit dem ursprünglichen Ansatz, lediglich den Marktplatz zu „bespielen“, vermochte sich die Sparkasse allerdings nicht anzufreunden. Schließlich hat sie ihren Sitz in der Bahnhofstraße und bis dahin solle das kostenfreie Netz schon reichen.

Auch mit einem möglichen Betreiber hat es bereits Gespräche gegeben. Der stammt aus Österreich und stattet Skipisten mit WLAN aus. Tatsächlich ist das freie WLAN-Netz in den Alpen weit verbreitet. Über Hunderte von Hotspots mit einer Reichweite von je 150 Metern kann man in den Skigebieten umsonst twittern, skypen, posten und im Internet surfen. Dafür werden statt großer und teurer Sendeanlagen deutlich kostengünstigere Router eingesetzt. Diese Technik war auch für Esslingen in der Diskussion. Das liebe Geld hat sich bislang als der größte Stolperstein für ein digitales Gratisangebot erwiesen. Im Raum stehen Kosten von 50 000 Euro, um ein freies WLAN-Netz ein Jahr lang betreiben zu können.

Eine städtische Anschubfinanzierung kann sich auch Esslingens Rathaussprecher Roland Karpentier vorstellen, „wenn sich Sponsoren beteiligen“. Denn schließlich sei es in Zeiten knapper Kassen und vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung nur schwer zu vermitteln, wenn die Stadt größere Summen in ein freies WLAN investiere. Zumindest in den beiden größten Gemeinderatsfraktionen steht das Thema immerhin auf der Tagesordnung. Die CDU befördert es mit einem Antrag und will nach den Worten von Fraktionschef Jörn Lingnau „nach den Sommerferien nachhaken, wie es denn nun weitergehen soll“. Das Ziel werde auch künftig verfolgt. Darin ist sich die CDU mit der Jungen Union einig, die seit geraumer Zeit für ein freies Netz eintritt und nicht verstehen kann, dass eine Hochschul- und Touristenstadt den Trend „verschläft“. Aber auch Andreas Koch, Fraktionsvorsitzender der SPD, liefert ein Bekenntnis für das freie WLAN ab.

Was nun die Sorge von Altstadtbewohnern angeht, das WLAN könnte zu einer unzumutbaren Strahlenbelastung führen, fallen die Einschätzungen vorsichtig bis deutlich aus. „Wir müssen solche Bedenken ernst nehmen, aber es geht um eine Gesamtbewertung“, sagt etwa Roland Karpentier, und auch Ulrich Unger mahnt: „Wir müssen mit den Bedenken der Anlieger sensibel umgehen.“ Wichtig sei, dass ein künftiger Anbieter die Strahlenwerte offenlege, erst dann könne man argumentieren und Befürchtungen ausräumen.

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