Zwischen Neckar und Alb

AOK gewinnt neue Mitglieder

Krankenkasse verteidigt Erhöhung der Beiträge – Bezirk will mehr Hausärzte

Das neue Jahr fängt für die AOK in Baden-Württemberg vielversprechend an. Die Krankenkasse hat immer mehr Mitglieder, obwohl die Beiträge steigen.

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Esslingen. „Wir gewinnen viele neue Mitglieder“, erklärte Vorstandsvorsitzender Christopher Hermann gestern vor der Presse. Er erwartet, dass sich der Trend in den nächsten Monaten fortsetzt. Zuversichtlich äußerte sich auch Johannes Bauernfeind. Der AOK-Geschäftsführer im Bezirk Neckar-Fils sieht im Kreis Esslingen gute Chancen, den Marktanteil von derzeit 43,5 Prozent spürbar zu erhöhen.

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Die Krankenkassen haben ihren Beitrag in diesem Jahr massenweise angehoben. Das gilt auch für die AOK. Sie verlangt inzwischen 15,6 Prozent. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Satz in Deutschland beträgt 15,7 Prozent, wobei die Spanne von 14,6 bis 16,3 Prozent reicht. Befürchtungen, dass sich die Entwicklung negativ auf die Mitgliederzahlen auswirkt, sind den Verantwortlichen der AOK fremd. Bestärkt durch die jüngsten Erfahrungen rechnen sie vielmehr mit einem kräftigen Zulauf.

Hermann versucht bei den Versicherten mit zwei Argumenten zu punkten. Die Stichwörter lauten Beitrag und Service. Während die Konkurrenz den Zusatzbeitrag durchschnittlich um 1,1 Prozent erhöht hat, begnügt sich die AOK mit einem Prozent. Den Aufschlag erklärt der Vorstandsvorsitzende mit elf neuen Gesetzen, die allein für die AOK Baden-Württemberg mit zusätzlichen Ausgaben von 70 Millionen Euro verbunden sind. Unter solchen Vorzeichen hält er den aktuellen Beitrag für „attraktiv“.

Zweifel am Kostenbewusstsein weist Hermann mit der Bemerkung zurück, die Krankenkasse gehe mit ihren Mitteln sorgsam um. Mit einem Anteil der Verwaltungskosten von fünf Prozent liege man günstiger als der Branchendurchschnitt. Mengenrabatte der Pharmaindustrie seien überdies mit einem finanziellen Vorteil von 200 Millionen Euro im Jahr verbunden.

Im Bemühen um neue Mitglieder sieht sich die AOK auch beim Service im Vorteil. Im Bezirk Neckar-Fils – er betreut die Landkreise Esslingen und Göppingen – gibt es 14 Kundencenter. „Wir spielen vor Ort eine aktive Rolle“, hebt Geschäftsführer Bauernfeind hervor. Als Beispiel nennt er die Lücken, die sich in der Versorgung mit Hausärzten auftun. Vor allem in kleineren Gemeinden würden immer wieder Probleme auftreten. Die AOK unterstützt ihre Mitglieder in dieser Situation bei der Suche nach einem Hausarzt. In engem Kontakt mit der Kreisärzteschaft bemüht sie sich laut Bauernfeind außerdem, die Versorgung zu verbessern. Klar ist für die AOK aber auch, dass es Jahre dauern wird, bis die Probleme gelöst sind. Der Anteil der Medizinstudenten, die sich für die Allgemeinmedizin entscheiden, müsse deutlich erhöht werden, meint Hermann. Zuletzt habe er nur noch zehn Prozent betragen. Wenn es um das Ziel gehe, dem Beruf des Hausarztes auch wirtschaftlich mehr Attraktivität zu verleihen, stelle sich die AOK ihrer Verantwortung. Dazu gehöre ein flexibler Umgang mit den Grenzen, die mit den Fallpauschalen verbunden sind.

Schon jetzt müssen sich die Bürger auf weiter steigende Beiträge einstellen. Auch bei der AOK. „Die neuen Gesetze in der Gesundheitspolitik wirken sich 2017 stärker aus als jetzt“, sagt Hermann. In der Folge würden die Zusatzbeiträge noch deutlicher steigen. Zusätzliche Effekte durch die Flüchtlingsfrage hält er dagegen für unwahrscheinlich. „Asylbewerber, die anerkannt werden, nehmen wir selbstverständlich auf“, so der Vorstandsvorsitzende. Er rechnet damit, dass es sich um vorwiegend junge Mitglieder handeln wird, die bald eine Arbeit finden und damit die Bilanz entlasten.