Zwischen Neckar und Alb

Apothekerin hilft in Afrika

Ehrenamt Sechs Wochen war die Wendlingerin Kersti Körber im Einsatz für die Organisation „Apotheker ohne Grenzen“ in Tansania. Von Gaby Kiedaisch

Kersti Körber gehört dem Team bei „Apotheker ohne Grenzen“ für Tansania an. Foto: privat
Kersti Körber gehört dem Team bei „Apotheker ohne Grenzen“ für Tansania an. Foto: privat

Nahezu täglich hört man in den Nachrichten von Naturkatastrophen, Hungersnöten und Epidemien. Zu den Helfern vor Ort gehören auch die „Ärzte ohne Grenzen“. Die wenigsten kennen jedoch die Schwesterorganisation „Apotheker ohne Grenzen“.

Kersti Körber aus Wendlingen war für die Organisation sechs Wochen in Tansania. Sie gehört dem Team Projektkoordination bei „Apotheker ohne Grenzen“ für Tansania an. Kersti Körber ist Apothekerin und seit drei Jahren aktives Mitglied bei der Organisation. Sie habe immer etwas gesucht nach ihrem Ausstieg aus dem Berufsleben, sagt die 68-jährige Wendlingerin über ihre Motivation. Als sie dann in einer Apothekerzeitung ein Interview von einem Mitglied über einen Hilfseinsatz gelesen habe, da habe sie sofort gewusst „das ist meins“.

Für die ehrenamtlichen Auslandseinsätze wurde Kersti Körber geschult. Zunächst wurden die Bewerber auf ihre Belastungsfähigkeit geprüft. Für zwei Wochenenden war die Apothekerin in einem Zeltcamp in Oberfranken. Obwohl sie Anfang Mai dort war, waren die Nächte noch sehr kalt. „Während dieser Zeit standen wir unter psychologischer Beobachtung“, berichtet Kersti Körber.

Eine zweite Schulung fand dann ein halbes Jahr später statt. Hier wurden die Einsätze genau besprochen und der Umgang mit dem Interagency Emergency Health Kit (IEHK) trainiert. Das Kit besteht aus Medikamenten und der dazugehörigen Ausrüstung für den Katastropheneinsatz. Mit dem IEHK können etwa 10 000 Menschen für einen Zeitraum von drei Monaten versorgt werden.

Bevor es dann richtig losging, musste sich die 68-Jährige noch gegen die Tropenkrankheiten impfen lassen. Gemeldet hatte sich die Apothekerin zunächst für einen Einsatz in Nepal. Doch dort gibt es seit nach dem Erdbeben vor eineinhalb Jahren eine ständige Projektgruppe, die die Menschen betreut. Also wurde sie als Ehrenamtliche nach Tansania entsandt. Der ostafrikanische Staat wird zwar aktuell von keiner der oben erwähnten Krisen heimgesucht, dennoch ist die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung unzureichend. Die wenigsten können einen Arzt bezahlen. Der geringe Ertrag, den die Bevölkerung aus Ackerbau oder Viehzucht zieht, reicht meist nur für den täglichen Bedarf.

Seit dem Jahr 2007 unterstützt die Organisation das Gesundheitszentrum der Benediktinerabtei Sankt Bernhard in Hanga im Südwesten von Tansania. Von dort werden etwa 20 000 Menschen versorgt. Jeden Tag werden hier etwa 60 Patienten behandelt. Typisch für viele afrikanische Länder sind Durchfallerkrankungen und Malaria. Im Gesundheitszent­rum werden auch zahnärztliche und Augenbehandlungen, aber auch HIV-Therapien durchgeführt.

Deshalb musste auch die Apotheke des Gesundheitszentrums vergrößert werden. Trotzdem müssen die Ärzte und Krankenschwestern dort mit lediglich 40  unterschiedlichen Medikamenten auskommen. Ein Vergleich zu Deutschland: hier sind 40 000 Arzneimittel zugelassen.

Kersti Körbers Aufgabe war dort deshalb, die Organisation der Medikamente und die Finanzierung neu zu ordnen. Die Lagerbestände mussten in Excel-Tabellen festgehalten werden. Damit verbunden war die Schulung des dortigen Personals. Außerdem unterstützte die Wendlingerin die Ausgabe von Arzneimitteln und den Medikamenteneinkauf. Damit wird die Versorgung mit qualitativ einwandfreien Arzneimitteln sichergestellt. Denn Tansania hat das Problem, neben der unzureichenden staatlichen Gesundheitsversorgung, dass auch viele Arzneimittelfälschungen kursieren. „Mit unserer Kenntnis wollen wir den Menschen vor Ort helfen, sichere Medikamente zu beziehen.“

Gewohnt hat Kersti Körber während ihres Aufenthalts in Tansania im Gästehaus des Klosters, nur wenige Minuten vom Gesundheitszentrum entfernt. Im Speisesaal gab es drei Mahlzeiten am Tag. Maisbrei, Reis und Gemüse gab es mittags und abends. Zum Frühstück Weißbrot aus der Klosterküche, Erdnussbutter, gekochte Yams, ein Wurzelgewächs, und Maniok, eine stärkehaltige Wurzelknolle. Für Europäer gewöhnungsbedürftige Speisen.

Ein kleiner Krankenwagen ist der ganze Stolz des Gesundheitszentrums. Auch mit ihm war Kersti Körber unterwegs. Die Ehrenamtliche unterstützte vier Krankenschwestern in einem Dorf bei der Gesundheitskontrolle von Babys und Kleinkindern.

Kersti Körber hat die Menschen und das Land lieb gewonnen. Jederzeit würde sie dort wieder hingehen. Das Land sei friedlich, berichtet sie. Unsicher habe sie sich nie gefühlt. Deshalb war sie auch alleine mit dem Bus auf Erkundungstour. Auch einige Freundschaften hat sie in Tansania geschlossen.

Mit Deutschland verglichen ist dort vieles anders, sagt sie, vor allem aus hygienischer Sicht, aber auch bei der Arbeit, alles gehe langsamer vonstatten. Etwas, was sie gerne angenommen hat, lacht sie. Man komme viel ins Nachdenken, wenn man den ganzen Überfluss betrachte und das Wenige, was die Menschen dort hätten.

Zum Schluss sagt Kersti Körber: „Mein Beitrag als Apotheker ohne Grenzen war nur sehr klein, aber viele Teile geben ein Ganzes.“ Ein nachdenkenswerter Satz.

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