Zwischen Neckar und Alb

Attacke hat eine lange Vorgeschichte

Justiz Der Konflikt zwischen den Bandenmitgliedern hat sich zunehmend verschärft. Am Schluss stand der Messerangriff.

Nürtingen. Im Prozess um die blutige Bandenauseinandersetzung in Nürtingen im Februar hat vor dem Stuttgarter Landgericht am Mittwoch ein 19-Jähriger ausgesagt, der bei dem Streit schwer verletzt worden war. Vier Männer im Alter von 18 bis 31 Jahren sind wegen versuchten gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt.

Täter wie Opfer, die alle im Kreis Esslingen wohnen, sollen zu einer Nachfolgeorganisation der 2013 verbotenen Straßenbande „Red Legions“ gehören. Der 19-Jährige wurde an diesem Prozesstag als Zeuge und Geschädigter gehört. Der Richter wollte von dem jungen Mann zunächst wissen, wie es zu dem Konflikt mit den Angeklagten gekommen sei. Der 19-Jährige schilderte, es habe bereits zuvor einige Konfliktsituationen gegeben. Auslöser seien Gespräche zwischen ihm und der Freundin eines Angeklagten gewesen. Ein früheres Zusammentreffen mit einem Angeklagten am Nürtinger Bahnhof sowie einige Treffen in einer Bar hätten den Konflikt verschärft. „Mit Blickkontakten ist der Hass entstanden“, sagte der Zeuge.

Am 8. Februar blieb es dann nicht bei verbalen Streitereien. Bis zur Notoperation habe er alles mitbekommen, gab der 19-Jährige an. Die Angeklagten hätten ihn und seine Begleiter zunächst umzingelt. Ihm seien Messerstiche und Schläge zugefügt worden. Dann seien erst vier Mädchen gekommen, die ihm die Wunden zugehalten hätten, bald darauf die Polizei und sein Stiefvater. Einige Tage vor der Tat in Nürtingen soll der 19-Jährige die Autoscheibe eines Angeklagten mit einem Stein zerstört haben. Der Richter wollte wissen, wie es dazu kam. Zwei der Angeklagten seien mit dem Auto direkt auf ihn zugefahren, berichtete der 19-Jährige, er sei zur Seite gesprungen, habe einen Stein genommen und diesen auf das Auto geworfen. Zu dem Tatwerkzeug, mit dem die Autoscheibe zerstört wurde, gab es unterschiedliche Aussagen. Der junge Mann beharrte darauf, es habe sich um einen Stein gehandelt - auch als der Richter ihn damit konfrontierte, die Freundin eines Angeklagten habe in ihrer Vernehmung von einem Teleskopstock gesprochen. „Oder war es ein Schuss?“, fragte der Richter schließlich. Das bestritt der 19-Jährige.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Simone Lohner

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