Zwischen Neckar und Alb

Auch Bäume bekommen Sonnenbrand

Hitze Buchen mit dünner Rinde sind bei den hochsommerlichen Temperaturen besonders gefährdet.

Region. Seit April herrscht meist Sommerwetter. Seit gut zwei Wochen hat nun eine Hitzewelle und Dürre fast ganz Europa im Griff. Hierzulande stöhnen nicht nur viele Menschen unter den extremen Temperaturen, auch die Vegetation kommt in Stress.

Mittlerweile haben auch in Süddeutschland viele Gemeinden und Städte offizielle Grillstellen geschlossen, so auch Kirchheim und Nürtingen. Man will auf Nummer sicher gehen, sind doch vor allem Wiesen in den letzten Tagen immer mehr ausgedörrt.

Die Waldbrandgefahr erachtet Nürtingens Revierförster Richard Höhn dagegen noch nicht für allzu groß. „Vor allem Kieferwälder, in denen viel unverrottetes Nadelmaterial am Boden liegt, sind gefährdet, auch die sehr harzhaltige Kiefer selbst brennt gut, aber davon haben wir nichts im Bestand.“ Der Nürtinger Wald sei gut durchmischt.

Dennoch ist für den Förster klar: „Der gesunde Menschenverstand sagt einem ja schon, dass brennende Zigaretten vor allem jetzt im Wald nichts zu suchen haben.“ Das gilt natürlich auch für achtlos weggeworfene Flaschen, deren Scherben wie Brenngläser wirken könnten.

Die heißen Temperaturen setzen nun aber auch den Wald unter Druck. „Die Bäume können eine bestimmte Zahl von Knospen bilden, bei den warmen Temperaturen waren es mehr Blüten- statt Blattknospen. Das beschert zum Beispiel Eichen und Buchen eine Fülle von Eicheln und Bucheckern, dafür aber weniger Blätter. So zeigen sich manche Bäume schon kahl oder mit verfärbten Blättern, was sonst erst im September und Oktober der Fall ist.“ Buchen mit ihrer dünnen Rinde seien zudem durch eine Art Sonnenbrand gefährdet, die Rinde beginnt sich zu lösen. Höhn vermutet als Grund fehlenden Schatten wegen des geringeren Blattbestands. Besonders gefährdet sind die Bäume im Stadtgebiet. Vor allem die jüngeren, neu gepflanzten Bäume müssen deshalb derzeit regelmäßig bewässert werden. Im Straßenraum heizt sich außerdem die Umgebung viel stärker auf als in der Natur, Wasser verdunstet schneller und setzt die Bäume stärker unter Stress.

Im Nürtinger Stadtgebiet mussten bereits einige Bäume entfernt werden, weil sie stark geschädigt waren. Vor allem auf Pappeln muss man ein Auge haben, sie trocknen schnell aus und bilden morsche Äste.Uwe Gottwald

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