Zwischen Neckar und Alb

Auf der Bühne geht die Angst

Für den kleinen Tarzan Pierre Adam ist Kerchak-Hauptdarsteller Jan Ammann das große Vorbild

Zwei Musicalstars: Jan Ammann (links) und Pierre Adam sind Freunde geworden. Adams großes Vorbild spielt die Hauptrolle Kerchak,
Zwei Musicalstars: Jan Ammann (links) und Pierre Adam sind Freunde geworden. Adams großes Vorbild spielt die Hauptrolle Kerchak, den Affenvater (unten).Fotos: Anneliese Lieb/pr

Aichtal. „Wenn ich auf der Bühne stehe, ist das Lampenfieber wie weggeblasen“, sagt der zehnjährige Pierre ganz cool. Gerade so, als ob er über eine Schulaufführung reden würde. Doch der Viertklässler

aus Aichtal ist ein gefeierter Musicalstar. Er ist der jüngste Tarzan im gleichnamigen Disney-Musical, das in Stuttgart schon seit mehr als einem Jahr großartige Erfolge feiert.

Sie flitzen im Affenrun über die Bühne, stoßen sich wechselweise mit Händen und Füßen ab, als ob es die natürlichste Bewegung für einen Menschen wäre. Wie viel Training dahintersteckt, wissen nur die Akteure selbst. Pierre, der eher durch Zufall zum Musical kam, hat auch nach monatelangem Training immer noch großen Spaß. Sport war schon immer sein Ding. „Da hab ich im Zeugnis eine Eins.“

Jeden Freitag trainiert Kinderbetreuerin Stefanie Sturm mit den Jungs im Gymnastiksaal unter dem Apollo-Theater. Da werden Purzelbäume und Flugsaltos geschlagen, da bewegen sich die sieben Jungs pfeilschnell über die blauen Matten oder lernen Körperspannung aufzubauen. Alles geht ganz spielerisch vonstatten. Wer ihnen zuschaut, spürt, dass trotz des intensiven Trainings der Spaß nicht zu kurz kommt. Pierre ist einer der Jüngsten in der Gruppe.

Ein ganz besonderes Erlebnis war es für Pierre, als er zusammen mit Jan Ammann, der im Disney-Musical „Kerchak“ den Affenvater spielt, auf der Bühne stehen durfte. Denn der vielfach gefeierte Musicalstar Ammann hat Pierre quasi entdeckt. Ammann ist in Stuttgart ein bekanntes Gesicht. Er stand schon als Graf Krolock im „Tanz der Vampire“ und als Maxim de Winter in „Rebecca“ auf der Bühne. Und wie es der Zufall will, hat Jan Ammann einige Jahre in Aichtal gewohnt. Direkt neben dem Elternhaus von Pierre.

„Ich bin auf Pierre aufmerksam geworden, weil er sehr oft im Garten auf seinem Trampolin rumturnte und dabei auch noch gesungen hat.“ Ammann, der selbst ausgebildeter Opernsänger ist, fand, dass Pierre Talent hat und regte bei Mama Adam an, dass sie den Sohn doch fürs Casting im Apollo-Theater anmelden sollte. Die Mutter befolgte den Rat und Pierre überzeugte die Jury. Danach folgte ein hartes Training – auch in den Ferien. „Erst nach sechs bis acht Monaten Training und ersten Bühnenproben entscheidet sich, ob der Daumen rauf oder runter geht“, sagt Sevi Stoikova, im Musical für die Betreuung der Kinder zuständig. Sie achtet darauf, dass die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden, dass die Proben nicht mit dem Schulunterricht kollidieren und die Jungs auch sonst gut versorgt sind.

Für Pierre ging der Daumen nach oben. Nach intensivem Training folgte die Bühnenpremiere vor 1 800 Zuschauern. „Als ich auf der Bühne stand, ging es eigentlich ganz gut“, erinnert sich Pierre, „aber kurz davor, bei den Vorbereitungen, war ich richtig aufgeregt.“ Inzwischen hat er schon sechs Auftritte absolviert – „und nach jeder Show läuft es besser.“

Fragt man den Jungen mit dem sympathischen Lächeln, was ihm am meisten Spaß macht, muss er nicht lange überlegen: „Der große Flug.“ Die spektakuläre Luftakrobatik hält auch die Musicalbesucher bei jeder Aufführung in Atem. In Verbindung mit überraschenden Lichteffekten, fantasievollen Kostümen und mitreißender Musik von Phil Collins lässt „Tarzan“ die Wunderwelt des Dschungels lebendig werden. Das Disney-Musical ist mit knapp 20 Millionen Euro Produktionskosten das aufwendigste je in Stuttgart aufgeführte Musical.

Jan Ammann ist als „Kerchak“ ein gefeierter Hauptdarsteller. Foto: Stage Entertainment

Auf der Bühne geht die Angst
Auf der Bühne geht die Angst
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