Zwischen Neckar und Alb

Auf diese Schule darf nicht jeder

Schulanmeldung Das Plochinger Gymnasium hat 191 Anmeldungen erhalten, kann aber nur 150 Schüler aufnehmen. Wer nicht kommen darf, muss nun das Regierungspräsidium entscheiden. Von Martin Zimmermann

Plochingens Schulleiter Heiko Schweigert sitzt auf heißen Kohlen: Er weiß, dass er nicht alle Bewerber fürs Gymnasium aufnehmen
Plochingens Schulleiter Heiko Schweigert sitzt auf heißen Kohlen: Er weiß, dass er nicht alle Bewerber fürs Gymnasium aufnehmen kann. Wen er abweisen muss, bestimmt das Regierungspräsidium, dessen Antwort er erwartet. Archiv-Foto: Roberto Bulgrin

Es war abzusehen: In das Schuljahr 2018/2019 wird das Gymnasium fünfzügig mit 150 Schülern starten - der Schulleitung liegen aber 191 Schulanmeldungen vor. 41 Schüler müssen abgewiesen werden. Bis heute haben Eltern keine Klarheit, ob ihr Kind in das Plochinger Gymnasium aufgenommen wird oder nicht. Schulleiter Heiko Schweigert hat seine Hausaufgaben gemacht und Aufnahmekriterien aufgestellt. Die Entscheidung, wer letztlich in Plochingen aufgenommen wird, liegt jetzt beim Regierungspräsidium in Stuttgart zur juristischen Prüfung. Eine ungute Situation, findet nicht nur Bürgermeister Frank Buß, sondern auch der Schulleiter: „Ich warte täglich auf Antwort vom Regierungspräsidium, schließlich müssen die Eltern informiert werden“, sagte Schweigert.

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In den vergangenen Jahren hatte das Plochinger Gymnasium immer sechs oder sieben Eingangsklassen mit bis zu 200 Schülern gebildet. Im kommenden und wohl auch noch im darauffolgenden Schuljahr wird das Gymnasium nur maximal 150 Schüler aufnehmen. Dass jetzt auf die Bremse getreten wird und ein Engpass entsteht, hängt damit zusammen, dass es seit der Einführung des G9-Modellversuchs vor fünf Jahren in Plochingen zwei G8-Klassen gibt, die ihre vier G9-Parallelklassen in Klassenstufe 8 überholt haben und mit insgesamt 55 Schülern eine dünne Klassenstufe bilden.

Die Schule streckt den Unterrichtsstoff für die Klassen 5, 6 und 7, den die G8-Schüler in drei Jahren behandeln, für die G9-Schüler auf vier Jahre - weshalb die G8-Schüler aus dem Anfangsjahr des Modellversuchs mit Versetzung in Klassenstufe 8 die G9-Schüler überholt hatten und seitdem eine eigene Klassenstufe bilden. Die wird dann mit dem Abitur 2020 die Schule verlassen - und damit keinen Platz für 170 bis 200 neue Fünftklässler schaffen. Voraussichtlich erst im Schuljahr 2020/2021 wird das Gymnasium wieder sechs Eingangsklassen bilden.

Diese Lenkung der Schülerzahlen sei mit dem Regierungspräsidium abgesprochen und habe nichts mit der anstehenden Sanierung des Gymnasiums zu tun, erklärte Buß im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Er reagierte damit auch auf Kritik, die aus den Umlandgemeinden kam und in der der Stadt Plochingen „Intransparenz“ vorgeworfen wurde. „Wir geben die Informationen weiter, die wir vom Regierungspräsidium bekommen, sind als Schulträger jedoch nur am Rande beteiligt“, betonte Buß und fordert die Kritiker auf, „doch auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben“.

Die Entwicklung am Gymnasium sei stets öffentlich beraten worden. „Nachbarkommunen und Eltern sind schriftlich informiert worden, dass bereits im kommenden Schuljahr lediglich fünf Eingangsklassen mit maximal 150 Schülerinnen und Schülern gebildet werden und es voraussichtlich zu einem Schülerlenkungsverfahren kommen wird, was Abweisungen und Umverteilung von Schülern an andere Schulen nicht ausschließt“, hob Buß hervor.

Nachdem die Anmeldungen im Plochinger Gymnasium eingetrudelt waren, fiel dem Schulleiter die wenig angenehme Aufgabe zu, jene Schüler auszuwählen, die das Gymnasium aufnehmen wird. „Ich hätte mir das anders gewünscht, aber jetzt ist es so und wir müssen damit umgehen“, bedauert er. Schweigert hat auf der Grundlage der besonderen Bildungsangebote des Gymnasiums Aufnahmekriterien entwickelt: So wird nach seinem Vorschlag ein G8-Zug gebildet, ein bilingualer Zug und eine Streichergruppe. Aufgenommen werden danach auch Schüler, die bereits Geschwister an der Schule haben. Als letztes Kriterium - und damit für jene entscheidend, die abgewiesen werden - sieht er die zumutbare Entfernung von Wohnort zur Schule.

Dieser Vorschlag liegt beim Regierungspräsidium zur juristischen Prüfung. Schweigert und Bürgermeister Buß hoffen auf eine schnelle Entscheidung in Stuttgart, damit die Hängepartie für Schule, Eltern und Schüler ein rasches Ende hat.