Zwischen Neckar und Alb

Auf diese Steine wollen sie bauen

Landratsamt Politik und Verwaltung im Kreis überlegen, wie man 270 Millionen Euro investiert und dabei die Risiken im Blick behält. Von Bernd Köble

In der ehemaligen Kreisklinik (rechts) auf dem Plochinger Stumpenhof sind derzeit Gesundheits- und Veterinäramt untergebracht. D
In der ehemaligen Kreisklinik (rechts) auf dem Plochinger Stumpenhof sind derzeit Gesundheits- und Veterinäramt untergebracht. Das einstige Personalgebäude (links) soll nach Abriss und Neubau ab Frühjahr 2022 Arbeitsplatz für 225 Behörden-Mitarbeiter sein.Foto: Carsten Riedl

Es geht um viel Geld und letztlich auch darum, nicht zu wissen, was die Zeit bringt. Rund 270 Millionen Euro will der Landkreis Esslingen bis 2025 in neue Gebäude investieren, 178 Millionen davon allein in den Neubau des Landratsamtes an zwei Standorten in Esslingen und auf dem Plochinger Stumpenhof. Der Rest fließt in die Erneuerung und Sanierung von Schulen und Sporthallen. Ein Zeitraum von sechs Jahren oder länger, in dem keiner weiß, wie sich Konjunktur, Baupreise und Zinsniveau entwickeln werden. Gestern nun hat sich der Finanzausschuss des Kreistags in einer außerplanmäßigen Sitzung auf eine Finanzierungsstrategie geeinigt. Dabei ging es vor allem um Risikomanagement.

Die Zeit drängt. In Plochingen sollen im Mai nächsten Jahres die Bagger anrücken, um das ehemalige Personalwohnheim der Klinik dem Erdboden gleichzumachen. Mit dem Bezug des Neubaus für 225 Mitarbeiter im März 2022 würde in Esslingen der Abriss des alten Landratsamtsgebäudes aus den Siebzigern beginnen. Ein Mammutprojekt, das unter anderem von Platznot und verschärften Brandschutzbestimmungen diktiert wird.

Der grobe Zeitplan steht also. Jetzt geht es ums Geld. Ein probates Finanzierungsmittel, dass jeder Häuslesbauer kennt: der Bausparvertrag. Mit drei solcher Verträge über jeweils 20 Millionen Euro will sich der Kreis bis zur Auszahlung in sechs Jahren die derzeit günstigen Zinsen auch während der Bauzeit sichern. Für den ersten Vertrag ist noch im laufenden Quartal eine erste Rate von acht Millionen Euro eingeplant. Der Rest der Baukosten muss größtenteils über langfristige Darlehen und staatliche Förderprogramme, wie sie die KfW für energieeffizientes Bauen auflegt, abgedeckt werden. Ein Prozent der Kreisumlage - das entspricht rund acht Millionen Euro - sind bis Mitte des kommenden Jahrzehnts im jährlichen Haushalt als zusätzliches Eigenkapital vorgesehen. Unterm Strich heißt das: 61 Millionen Euro neue Schulden bis zur Fertigstellung, vorausgesetzt die Baupreise klettern nicht höher als die kalkulierten fünf Prozent pro Jahr.

Ein Konzept, das die finanziellen Risiken beherrschbar macht, darüber waren sich Verwaltungsspitze und Kreisräte gestern einig. Auch deshalb, weil der Kreis wie schon beim Neubau der Nürtinger Albert-Schäffle-Schule und bei der Erweiterung der Klinik in Ruit nach dem Modell „Planen und Bauen“ verfährt. Architekten und Bauunternehmen legen dabei schon während des Vergabeverfahrens ein gemeinsames Festpreisangebot auf den Tisch. Ein probates Mittel gegen böse Überraschungen, sowohl was Preisentwicklung, als auch mögliche Baumängel betrifft. „Damit klebt ein Preisschild dran, das uns eine hohe Verlässlichkeit bringt“, betont Landrat Heinz Eininger.

Im Fall Plochingen stehen auf diesem Preisschild 35 Millionen Euro für Neubau samt Parkdeck mit 180 Stellplätzen. In der Summe enthalten sind zweieinhalb Millionen Euro für den Kauf des Grundstücks, der nötig wurde, weil ein Tauschhandel kurzfristig geplatzt ist. Die Medius-Kliniken, denen der Baugrund gehört, haben kein Interesse am Grundstück der alten Albert-Schäffle-Schule auf dem Nürtinger Säer in unmittelbarer Nachbarschaft des Krankenhauses. „Das hat uns alle überascht,“ räumt Eininger ein.

Und wie geht‘s nun weiter? Heute fällt bereits der Startschuss für den Wettbewerb um die Teilnahme am Ausschreibungsverfahren. Anfang April werden die Bewerber ausgewählt und im Juli dann von einer Kommission aus Kreispolitikern, Kommunalvertretern und unabhängigen Experten geprüft und bewertet. Über die Vergabe der Arbeiten entscheidet schließlich der Kreistag am 7. November. Dann, wenn die Fraktionen auch über den künftigen Haushalt beraten.

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