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Auf Umwegen zum TraumberufInfo

Matthias Glocker wurde vom VVS als Busfahrer des Jahres im Landkreis Esslingen ausgezeichnet

Erst seit gut einem Jahr ist Matthias Glocker als Busfahrer unterwegs – und schon zum Busfahrer des Jahres gewählt worden.

Der Busfahrer des Jahres: Matthias Glocker. Foto: Philip Sandrock
Der Busfahrer des Jahres: Matthias Glocker. Foto: Philip Sandrock

Nürtingen. Das dürfte wohl ein Rekord sein: Matthias Glocker ist kaum ein Jahr im Dienst, da wird er schon zum beliebtesten Busfahrer im Landkreis gewählt. Mit dem Busfahrer-Job hat sich der 51-Jährige einen Traum erfüllt. Bis vor einem Jahr hat der Rommelsbacher noch als Verkaufsleiter beim Axel Springer Verlag gearbeitet. Mit 50 wurde seine Stelle für die Region Stuttgart im Zuge von Umstrukturierungen des Konzerns gestrichen – er hätte in Berlin weiterarbeiten können. „Da stand ich vor der Entscheidung: soll ich umziehen oder fange ich etwas völlig neues an?“

Er entschied sich, seine Begeisterung für große Fahrzeuge zum Beruf zu machen und heuerte bei dem Neckartenzlinger Unternehmen Haussmann & Bauer an. Dort dreht er in Neckartenzlingen und Umgebung auf den Linien 187, 188, 189 und 190 seine Runden.

Den Busführerschein hat Glocker schon vor Jahren gemacht – zusammen mit seinem Sohn, der heute Lkw fährt. „Aus Begeisterung und Interesse an der Technik“, wie er sagt, nebenberuflich ist er schon lange Bus gefahren, aber nie Linie. „Der Beruf hat nach wie vor eine Zukunft“, ist Glocker überzeugt. Busfahren sei immer noch hip.

Manchmal müsse man berufliche Umwege gehen, um seinen eigentlichen Traum zu erfüllen. „Ich war fast 30 Jahre lang im Vertrieb und Marketing tätig“, sagt er. Dort hat er gelernt, dass der Kunde im Mittelpunkt steht. „Ich sehe in der Masse jeden einzelnen Kunden“, so der Preisträger. „In dem Moment, in dem die Fahrgäste in den Bus steigen, sind sie meine Kunden“, sagt der Marketing-Profi. Und dass der Kunde König ist, sei im Dienstleistungssektor das wichtigste überhaupt. Dass Glocker diese Einstellung auch lebt, zeigen die Kommentare der Fahrgäste auf den Stimmzetteln: „Herr Glocker ist immer pünktlich und sehr freundlich. Wenn Rollstuhlfahrer mit an Bord wollen, ist er immer zur Stelle und hilft ihnen beim Ein- und Aussteigen“, ist dort zu lesen.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler war voll des Lobes für den frischgebackenen Preisträger. „Mit der Auszeichnung wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Busfahrer einen anstrengenden und gleichzeitig sehr verantwortungsvollen Job haben“, sagt Stammler. Busfahrer haben täglich mit Hunderten Kunden zu tun, die manchmal auch ganz schön anstrengend sein können. „Es freut uns sehr, dass wir im Jubiläumsjahr einen Busfahrer des Jahres haben“, sagt Nicole Gölzenleuchter-Bauer, Geschäftsführerin von Haussmann & Bauer. Das Busunternehmen besteht seit 1946. Auch ihr technischer Betriebsleiter, Martin Edlich, freut sich über den ausgezeichneten Mitarbeiter und verrät: „Ich habe Glocker persönlich angeworben.“

Der Wettbewerb „Busfahrer des Jahres“ wird vom VVS seit 2004 ausgeschrieben. Die Stimmzettel hingen als „Swingcards“ in den Bussen aus. Fahrgäste konnten ihre Stimme für ihren Lieblingsbusfahrer auch per E-Mail und auf Facebook abgeben. Beurteilt wurden vor allem Fahrstil, Freundlichkeit sowie fachliche Kompetenz bei Auskünften über Verbindungen und Tarife.

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