Zwischen Neckar und Alb

Auf Wollfühlung mit seltenen Schafen

Freilichtmuseum Bei den 20. Schäfertagen im Beurener Museumsdorf drehte sich alles um die vielseitigen und immer seltener gehaltenen Nutztiere. Von Thomas Krytzner

Für viele Kinder war es bei den Schäfertagen im Freilichtmuseum ein Highlight, einem Schaf einmal in die Wolle zu greifen. Foto:
Für viele Kinder war es bei den Schäfertagen im Freilichtmuseum ein Highlight, einem Schaf einmal in die Wolle zu greifen. Foto: Thomas Krytzner

Mit einem kräftigen „Määh“ begrüßten die lebenden Wollknäuel die Besucher zu den 20. Schäfertagen im Freilichtmuseum in Beuren. Die Veranstaltung auf dem elf Hektar großen Gelände mit seinen Originalgebäuden aus dem Neckarland und von der Schwäbischen Alb knüpft an die Tradition der Wanderschäferei an. So zeigten Schafhalter und Schäfer seltene und bedrohte Schafrassen aus verschiedenen Regionen.

Für die Kinder war es ein Höhepunkt, wenn die zum Teil neugierigen Schafe immer wieder den Kontakt suchten und sich auch streicheln ließen. Damit aber die Kinder auch etwas über die verschiedenen Rassen und die Haltung lernten, gab es von Museumsmitarbeitern eine kleine Schafkunde. Ebenso zeigten Schäfer, wie man mit speziell gezüchteten Hütehunden - Border Collies und Kelpies - und den Schafen arbeitet.

Besonders viel Spaß bereitete den Besuchern auch die mobile Schafbadeanlage. Dort gab es ein Wiedersehen mit Sophie, einem Jungtier aus der Merinoschafherde. Wie ein Star ließ es das feuchte Wellnessprogramm über sich ergehen, genoss es sogar, und beim anschließenden Besuch beim Friseur, beziehungsweise bei der Schafschur, gab es eine wollige Schlankheitskur. Nebenbei gab es dann für das verwöhnte Wollknäuel auch noch eine Klauenpflege. Die Besucher waren von der Demonstration mit der Schafschönheit begeistert.

Bei verschiedenen Vorführungen wurde klar, warum das Schaf als Nutztier an Bedeutung gewonnen hat. Zum einen liefert das Schaf mit seiner Wolle nützliches Material für Textilien und seine Haut kann zu Leder gegerbt werden, zum anderen liefert der Vierbeiner auch wertvolle Milch für diverse köstliche Endprodukte. Spannend fanden die Besucher die Wollverarbeitung. So zeigten Experten, wie Wolle kardiert wird. Dabei geht es darum, Schafwolle zu einem feinen Vlies zu kämmen. Auf Spinnrädern und Handspindeln entstand feines Garn, und bei der mühseligen Arbeit am Handwebstuhl konnten die Besucher ebenfalls zuschauen.

Wer nicht nur dabei, sondern mittendrin sein wollte, konnte selbst Hand anlegen. Bei den Mitmachaktionen konnten Kinder und Eltern Schafwolle filzen oder eine Handspindel selbst bauen, um damit zu spinnen. Das Nabu-Biosphärenmobil sorgte für viel Spaß und Entdeckerfreude. Sabine Wallner vom „Ohrenparadies“ war mit ihren Eseln gekommen, und die Kinder durften sogar eine Runde auf den Grautieren reiten.

In spannenden Vorträgen ging es um das Thema Wolf in Baden-Württemberg und die Sorgen der Schäfer. Zudem wurden die Zuhörer auf eine Reise zu den spanischen Wurzeln der Merinoschafe eingeladen. Die amtierende „Württemberger Lammkönigin“ Kerstin Wiedenmann-Riek, Genussbotschafterin für das regionale Lammfleisch, besuchte die Schäfertage am Sonntag. Der „Uracher Schäferreigen“ präsentierte sich ebenfalls, begleitet vom Musikverein Bad Urach. Neben der „Kirchheimer Schäfertracht“ traten mit „O‘ Gwiiß“ aus Neidlingen und dem „Langenauer Musikantenstammtisch“ zwei weitere musikalische Folkloregruppen auf und begeisterten die Besucher. Schnäppchenjäger konnten auf dem Schäfermarkt auf die Suche gehen und Milch-, Fleisch- und Wurstprodukte vom Schaf kaufen oder nach Schaf- und Lammfellen oder Produkten aus Wolle schauen.

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