Zwischen Neckar und Alb

Auge in Auge mit der Libellenlarve

Umweltzentrum Das kostenlose Kursangebot des Umweltzentrums Neckar-Fils kommt sehr gut an. 40 Klassen haben sich bereits angemeldet. Von Peter Dietrich

Was zappelt denn da? Die Drittklässler zeigen enormen Forschergeist.Foto: Peter Dietrich
Was zappelt denn da? Die Drittklässler zeigen enormen Forschergeist.Foto: Peter Dietrich

Die Drittklässler aus Esslingen-Zell konnten es kaum erwarten. Mit Keschern, Sieben, Eimern und einer selbst gebauten Lupe ging es zum Bruckenbach. Was lebt denn ihn ihm? „Hinter Pflanzen versteckt sich was“, gab die Waldpädagogin Claudia Simon aus Filderstadt als Tipp. Flugs waren Larven, Bachflohkrebse und vieles mehr entdeckt. Die Bachflohkrebse sähen wie Garnelen aus, befanden einige Kinder. Dann lernten sie den Unterschied zwischen Schnecken und Muscheln kennen: Schneckentiere haben nur ein Gehäuse, Muscheln ein Ober- und Unterteil. Und wenn man nur eines davon findet? Dann kann man unter dem Mikroskop noch das ehemalige Scharnier entdecken.

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Weil der Bruckenbach über eine Archimedische Schraube mit Neckarwasser versorgt wird, bildet er biologisch den gesamten Neckar ab. Manche Kinder hätten die kleinen Fische am liebsten für das eigene Aquarium mitgenommen. Ihnen musste Claudia Simon erklären, dass beides leider nicht so ganz zusammenpasst. Bis die Kleinlibellenlarve in ihrem Becher endlich mal kurz stillhielt, dauerte es etwas länger. Doch dann waren ihre Merkmale klar zu sehen - die drei Schwanzenden und der große Augenabstand.

Zu Beginn des Kurses war etwas Theorie angesagt, allerdings nicht in der grauen Version, sondern ebenfalls sehr anschaulich. „Wer hat schon einmal einen Globus gesehen?“ Alle streckten. Was fiel dabei auf? „Ja, es ist ganz viel Blau, das meiste ist Wasser.“ Wäre der große Eimer das Salzwasser auf der Erde, entspräche die weltweite Menge des Eises 28 Eiswürfeln. Das Grundwasser macht nur drei Teelöffel aus. Und Flüsse, Seen und Teiche? Nur einen einzigen Teelöffel.

Zwischen Theorie- und Praxisteil gab es zur Auflockerung ein lustiges Wassertransportspiel. Zum Wasserkreislauf hatte Claudia Simon das Gedicht „Das Wasser“ von James Krüss mitgebracht. Doch, welch Zufall, die Schüler hatten dieses Gedicht mit ihrer Klassenlehrerin Sonja Wolz gelernt und konnten es fehlerfrei aufsagen.

Fehlerfrei ist auch die gute Kooperation des Umweltzentrums Neckar-Fils mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Letztere sponsert über ihre Bildungsstiftung schon seit dem Schuljahr 2014/2015 Schulstunden zum Thema „Wasser und Energie“. In ihnen lernen Schüler unter anderem, wie ein Kraftwerk funktioniert. Im Vorjahr hatte die Kreissparkasse die Idee, das Thema Wasser zu ergänzen. Deshalb gibt es seit diesem Schuljahr das Zusatzangebot des Umweltzentrums, und im Gegensatz zum „Grünen Klassenzimmer“ ist es für die Schulen völlig kostenlos. „Die Kreissparkasse deckt mehr ab als nur die Kosten für die Naturkursleiterinnen“, lobte Matthias Weigert, Zweiter Vorsitzender des Umweltzentrums, die großzügige Finanzierung. Die Leiterinnen sind gut ausgebildet, einige von ihnen sind Diplom-Biologinnen.

Diese Finanzierung ist vorerst für 50 Klassen pro Schuljahr gedacht. 40 haben sich schon angemeldet, es gibt also noch einige Plätze. Der Bruckenbach ist nur eines von vielen Themen; es geht auch um Wildkräuter, Schmetterlinge und Wildbienen, um Vögel und Fledermäuse, um Schnecken und Biber am Neckar und das Leben in der Wiese.

„Das Umweltzentrum ist mobil“, betont der Erste Vorsitzende Theo Schmid. Ein Kurs kann also auch im Wald neben einer Schule stattfinden, irgendwo im Landkreis Esslingen. Durch das neue Angebot hat sich der Aktionsra­dius des Umweltzentrums Neckar-Fils deutlich erweitert. Die dritte Säule neben dem Grünen Klassenzimmer und den neuen kostenlosen Kursen sind die Ausstellungen im Umweltzentrum. Derzeit sind die Fledermäuse dran, im Herbst soll es dann um Biber gehen.