Zwischen Neckar und Alb

Augen auf beim Geldverkehr

Projekt IBAN, BIC und Lastschrift – womit schon mancher Deutsche seine lieben Probleme hat, das ist für junge Flüchtlinge erst recht nicht einfach. Von Peter Dietrich

Fünf Schulsozialarbeiter gibt es für die 17 VABO-Klassen im Landkreis Esslingen. Wo es bei den Schülern im „Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf“ klemmt, das bekommen Anika Zondler und ihre Kollegen sehr schnell mit. Sie wissen, dass Mahn- und Inkassoverfahren und Schulden bei den VABO-Schülern durchaus ein Thema sind. Ein Euro zu wenig auf dem Konto, schon lehnt die Bank die Abbuchung für das VVS-Schülerabo ab, und es gibt Mahngebühren.

Abheben nicht bei fremder Bank

So suchten die Schulsozialarbeiter den Kontakt zum Kreisdiakonieverband, der eine spezielle Schuldnerberatung für unter 27-Jährige anbietet. Dessen Mitarbeiterin Lena Stumpp, die ihre Präventionsangebote zum Thema „Geld und Konto“ sonst in Jugendhäusern, in der GARP in Plochingen, im BAZ in Esslingen oder im Zentrum Zinsholz in Ostfildern macht, kommt jetzt in die VABO-Klassen. Sie besucht nacheinander alle 17 Klassen und hilft dort Schülern aus Syrien, Gambia, Afghanistan, Somalia, dem Iran, Irak und anderen Ländern. Möglich gemacht wird das Projekt, genannt „Cashflow“, durch Gelder der Deutschen Fernsehlotterie, von „Hilfe für den Nachbarn“ und aus dem Diakoniespendenfonds, zunächst für drei Jahre.

In der VABO-Klasse 4 der Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen-Zell haben zehn von zwölf Schülern schon ein eigenes Konto. Wie sieht die EC-Karte aus? „Rot ist Sparkasse, Blau ist Volksbank“, sagte Lena Stumpp. „Wer hat schon mal einen Kontoauszug gesehen? Da steht alles drauf, was auf dem Konto passiert. Habt ihr das zu Hause oder werft ihr das weg?“ Sie warnte die Schüler davor, letzteres zu tun. „Ich kenne einen, der brauchte alle Auszüge von 2014 und hatte sie nicht mehr. Er ging zur Bank und bezahlte 80 Euro Gebühren.“

Die PIN, mahnte Lena Stumpp, solle man ja nicht notieren und in den Geldbeutel tun oder jemandem sagen: „Wenn ich deine Nummer weiß und ich finde deine Karte, kann ich sie benutzen.“ Abheben sollte man nur bei der eigenen Bank, sonst kostet es Gebühren. Und was ist ein Kreditinstitut? „Das ist das schwere Wort für Bank.“

Eine Überweisung kannten einige schon, zuerst wurde das nötige Formular Punkt für Punkt durchgesprochen. Dann kündigte Lena Stumpp eine Praxisübung an: Die Lehrerin Sabrina Egger bekam Geld für den Schulausflug überwiesen. Beim Ausfüllen der vergrößerten Formulare brauchten die Schüler noch viel Hilfe. Doch alle waren sehr bemüht und halfen sich gegenseitig, am Schluss hatte es jeder geschafft. Dann lernten die Schüler, dass das Formular für den Ernstfall einiges kleiner ist, dass das also alles nochmals ein wenig schwieriger ist. Die Atmosphäre bei der Übung war dennoch locker, es wurde gelacht.

„Immer aufpassen, wenn einer eine Unterschrift von euch möchte“, warnte Lena Stumpp die Schüler gegen Ende der Doppelstunde. Denn eine Unterschrift habe meistens mit Geld zu tun. In diesem Fall war aber die Namensliste mit Unterschrift nur ein Unterrichtsnachweis. „Irgendwann will mein Chef sehen, bei wem ich alles war.“

Und wenn es mit der Überweisung doch nicht klappt? „Dann bin ich für euch da“, versprach Zondler.

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Lena Stumpp mahnt: Bewahrt den Bankauszug auf. Foto: Peter Dietrich
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