Zwischen Neckar und Alb

Aus dem Gesundheitsamt wird das „Haus der Künste“

Umwandlung Der Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft votiert einstimmig für den Umbau.

Das alte Gesundheitsamt ist denkmalgeschützt.Foto: Holzwarth
Das alte Gesundheitsamt ist denkmalgeschützt.Foto: Holzwarth

NÜRTINGEN. Viele Alternativen blieben dem Ausschuss nicht. Das Gebäude am Ende der Ersberg­straße gilt als ein „herausragendes Beispiel für einen Verwaltungsbau der 1960er- und 1970er-Jahre“, so die Denkmalbehörde, die es unter Schutz stellte. Bereits vor eineinhalb Jahren wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, das Gebäude zu sanieren und zu einem „Haus der Künste“ umzubauen, um es der Jugendkunstschule, Jugendmusikschule und Stadtkapelle zur Verfügung zu stellen.

Im Gebäude war schon lange nicht mehr das Gesundheitsamt untergebracht. Zuletzt gab es Raum für die Ganztagesbetreuung der benachbarten Ersberg­schule. Das bisherige Domizil der Jugendkunstschule an der Sigmaringer Straße soll künftig von den Stadtwerken für eine Nahwärme-Heizzentrale und eventuell für Wohnungen genutzt werden. Die Musikschule hat Klassen in einem städtischen Gebäude in der Frickenhäuser Straße, das wieder als Wohnraum genutzt werden soll, außerdem im Hölderlinhaus, in das später die Volkshochschule einziehen soll. Der Stadtkapelle fehlt es schon lange an einem geeigneten Proberaum. Die Lösung am Ersberg bietet sich an, zumal GWN-Geschäftsführer Eckart Krüger sich kaum eine andere Nutzung vorstellen kann.

Das Nürtinger Architekturbüro Weinbrenner.Single.Arabzadeh wurde mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Laut dieser ist das Gebäude grundsätzlich für den vorgesehenen Einsatzzweck geeignet. Die aktuelle Kostenschätzung für die Umbauten übersteigt mit rund 1,3 Millionen Euro den Betrag, den man beim Grundsatzbeschluss noch angenommen hatte, allerdings um einiges.

Architekt Afshin Arabzadeh hob die Besonderheiten des Gebäudes hervor: „Es ist eine Machart im Spannungsfeld von handwerklichem bis industriellem Bauen, mit unterschiedlichen Betonmaterialien, aber auch Holz und Glas.“ Das spiegle sich auch in den Innenräumen wider. Es handle sich um hochwertige und langlebige Materialien und es wäre eine besondere Verpflichtung, diesen Baustil im Sinne des Architekten Max Bächer zu erhalten.

Arabzadeh betonte aber auch: „Es handelt sich um eine erhebliche Umnutzung, vor allem die Akustik und der Schallschutz müssen verbessert werden, damit man sich nicht gegenseitig stört.“ Auch hinsichtlich heutiger Brandschutzbestimmungen müssen Umbauten vorgenommen werden, aber immer unter Berücksichtigung der Belange des Denkmalschutzes. Dagegen seien keine Schadstoffbelastungen festzustellen und auch die Barrierefreiheit könne mit kleineren Einschränkungen hergestellt werden.

Den finanziellen Hauptbatzen machen aber die Schallschutzmaßnahmen aus, wenn es wie vorgesehen genutzt werden soll. Allerdings wies der Architekt darauf hin, dass weitere Kosten ohnehin anfielen, denn: Das Gebäude muss so oder so erhalten werden. Außerdem käme es als Ort musischer Bildung wie auch als Denkmal vielen Menschen zugute.

Hans-Peter Bader, der Leiter der Jugendmusik- und Jugendkunstschule, bekannte: „Das Projekt ist an uns herangeflogen und hat sich aus anderen Notwendigkeiten ergeben. Heute aber kann ich klar sagen, dass es ein Traum für unsere Schule und auch für die Stadtkapelle ist.“ Von der Kooperation mit der Stadtkapelle verspricht sich Bader einen gegenseitigen Gewinn.Uwe Gottwald

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