Zwischen Neckar und Alb

Aus Nürtingen in die weite Welt

Medien Der Gottesdienst am Sonntag in der Nürtinger Stadtkirche wird vom Deutschlandfunk live übertragen – eine Herausforderung.

Bezirkskantorin Angelika Rau-Čulo, Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer und Pfarrer Markus Lautenschlager zu Gast bei der Wendlinger Zeitung. Foto: Volker Haußmann

Nürtingen. Genau 55 Minuten darf der Gottesdienst am Sonntag dauern. Schließlich muss er exakt zwischen die zur vollen Stunde beginnenden Nachrichtensendungen des Deutschlandfunks passen. Zu lange ist da ebenso wenig erwünscht wie zu kurz - auch wenn es nur um Minuten geht. Deshalb verfolgt Landesrundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer am Sonntag das Geschehen in der Nürtinger Stadtkirche mit einer Stoppuhr und einem auf die Viertelsekunde genauen Ablaufskript. Falls notwendig, kann sie steuernd eingreifen. Dann kann eventuell ein musikalischer Beitrag etwas kürzer ausfallen als geplant.

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Unwägbarkeiten können bei einer Live-Übertragung nie ganz ausgeschlossen werden, weiß die Rundfunkpfarrerin aus langjähriger Erfahrung. Beim Südwestrundfunk ist Lucie Panzer für die Morgen- und Abendandachten zuständig und organisiert für den Deutschlandfunk jedes Jahr fünf oder sechs Live-Gottesdienste. Damit am Sonntag alles wie am Schnürchen klappt, wird der Gottesdienst am Samstag ab 18 Uhr unter Live-Bedingungen geprobt. Das Technikteam des Senders ist dann mit von der Partie und hat seine Mikrofone und die Übertragungstechnik in Stellung gebracht. Minutiös werden die Abschnitte des Gottesdienstes - wie zum Beispiel Predigt und Schriftlesung - darauf geprüft, ob sie ins enge Zeitkorsett passen.

Lesung auf Deutsch und Farsi

Eine spannende Angelegenheit ist das Ganze für Markus Lautenschlager, Pfarrer an der Stadtkirche, allemal. Für diesen speziellen Gottesdienst, der ausnahmsweise schon um 10.05 Uhr beginnt, hat er seine Predigt rundfunktauglich in zwei je fünf Minuten lange Abschnitte aufgeteilt. Sein Thema lautet „Auf festen Grund bauen“. Damit greift er auch die Thematik der im Gottesdienst zum Vortrag kommenden Kantate von Felix Mendelssohn Bartholdy „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ auf.

Lucie Panzer wird am Anfang des Gottesdiensts auf Nürtingen eingehen und die am Gottesdienst Beteiligten vorstellen. Auf Nürtingen sei sie gekommen, sagt sie, weil sie dort bisher noch nicht tätig war und weil sich die Kirchengemeinde und die Kantoren gleich bereit erklärt hätten, mitzumachen.

Im Gottesdienst dabei werden auch Christen aus dem Iran sein, die in Nürtingen als Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben. Die Lesung wird deshalb in zwei Sprachen gehalten: auf Deutsch und - gesprochen von Omid Noman - Farsi. Für Lucie Panzer ist dieser fremdsprachliche Teil ein spannendes Experiment. „Im Radio sieht man ja nicht, wer spricht. Wir hoffen, dass die Leute dann nicht abschalten.“ Um das zu vermeiden, „werden wir das vorher und nachher ansagen“. Damit der Gottesdienst für die Radio-Zuhörer nicht zur Geduldsprobe wird, besteht der größte Teil der 55 Minuten aus Musik. Zum einen sind das die Lieder, die gemeinsam von der Gemeinde gesungen werden. „Da wäre es schön, wenn wir eine große Gemeinde hätten“, wirbt Bezirkskantorin Angelika Rau-Culo. Zum anderen ist das die bereits erwähnte Kantate. Diese wird von der capella laurentiana und einem Orchester interpretiert. Volker Haussmann