Zwischen Neckar und Alb

Ausbruch aus einer engen Welt

Das Naturtheater Grötzingen greift in dieser Saison mit „Die Päpstin“ ein aktuelles Stück auf

Ausbruch aus einer engen Welt
Ausbruch aus einer engen Welt

Aichtal. Eine Frau als Papst. Auch heute in unserer aufgeklärten Zeit undenkbar. Aber es schwelen derzeit in der katholischen Kirche Diskussionen

darüber, den Frauen Türen zum Diakonat zu öffnen. Mit dem Stück „Die Päpstin“ rückt das Naturtheater Grötzingen damit ein hochaktuelles Thema auf den Spielplan. Am heutigen Samstag feiert die Bühne mit dem Stück Premiere und den Auftakt in die Spielzeit 2016.

„Ein toller Stoff“, schwärmt Regisseurin Helga Kröplin über die Geschichte der Johanna, die ihr Geschlecht verbirgt und den Papst-thron ersteigt. Nicht nur, weil Papst Franziskus angedeutet hat, die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche zu überdenken und sich viele Anklänge an aktuelle gesellschaftliche Fragen finden. Spannend für die Theatermacherin auch die Tatsache, das ein ganzes Leben auf der Bühne erzählt wird. Anfangs erleben die Zuschauer die Kindheit in einem kleinen Dorf mit einem strengen Vater. „Johannas Welt ist anfangs sehr klein“, erklärt Helga Kröplin. Doch immer mehr öffnet sich für die junge Frau die Welt, erobert sie mit vielen Tricks, Verzicht und Risiko das höchste Amt der katholischen Kirche.

Die ständigen Szenenwechsel im Originalstück von Susanne Felicitas Wolf nach dem Bestseller von Donna Woolfolk Cross allerdings funktionieren für eine Umsetzung auf der großen Freilichtbühne am Galgenberg nicht. Einiges musste Helga Kröplin deshalb verändern. Dem Bühnenbild kommt bei der Inszenierung dabei eine besondere Rolle zu. Reinhard Kopp hat das entworfen, für den Beleuchtungsmeister eine Premiere. „Die Idee am Anfang war, dass sich immer neue Welten auftun“, verrät die Regisseurin. Ansonsten hält sich das Bühnenbild zurück. Aufwendige Bauten oder detailreiche Bilder gibt es in diesem Jahr nicht. Kira Thomas, die in diesem Jahr beim Kinderstück „Herr der Diebe“ Regie führt, gefällt das: „Das fordert die Fantasie.“

Viele starke Rollen galt es für die Spielzeit 2016 zu besetzen. Da kam es der Amateurbühne zugute, dass in diesem Jahr auch viele neue, insbesondere männliche Spieler, Interesse an der Mitarbeit zeigten. Insgesamt bietet „Die Päpstin“ rund 90 verschiedene Sprech- und Statistenrollen. Ein immenser Aufwand, unter anderem für die Kostümbildner und die Arbeit in der Garderobe, denn es gibt zahlreiche Kostümwechsel. Für die großen Volksszenen holte sich Helga Kröplin Unterstützung an die Seite: Carol Woodhead choreografierte die Menge für sie. Die beiden Frauen kennen sich schon seit vielen Jahren und arbeiten des Öfteren zusammen. Angenehm für die Regisseurin, die bereits Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ in Grötzingen inszenierte: „Ich muss gar nicht viel erklären, wir verstehen uns sofort.“

Auch Kira Thomas ist für Stammgäste im Naturtheater keine Unbekannte. Als Choreografin hat sie die Bühne schon bei etlichen Inszenierungen unterstützt, Regie führte die Schauspielerin und Theaterpädagogin bereits bei „Pinocchio“. In diesem Jahr erzählt sie zusammen mit der Spielschar Cornelia Funkes Geschichte „Herr der Diebe“. Auch sie hat für ihren Stoff Feuer gefangen. „Es geht darum, dass Kinder ein selbstbestimmtes Leben führen, vom Wunsch, erwachsen zu werden – und um die Sehnsucht der Erwachsenen, wieder Kind sein dürfen“, sagt sie.

Sie stand in diesem Jahr vor der schweren Aufgabe, das Jugendbuch so herunterzubrechen, dass auch die jüngeren Zuschauer angesprochen werden. „Das Stück ist sehr textlastig, da haben wir einiges ändern müssen“, erklärt sie. „Aber ich glaube, wir haben eine gute Form gefunden“, ist sie überzeugt. Zu viel will sie aber noch nicht verraten vor der Premiere am kommenden Sonntagnachmittag.

Am Wochenende startet die Bühne in die zehnwöchige Spielzeit: Am heutigen Samstag, 11. Juni, 20.30 Uhr, ist die Premiere des Stücks „Die Päpstin“, am Sonntag, 12. Juni, geht um 15 Uhr das Kinderstück „Herr der Diebe“ an den Start. Neben der eigenen Vorstellung stehen auch in diesem Jahr wieder Gastspiele auf dem Programm. Damit hat das Naturtheater bislang gute Erfahrungen gemacht. In diesem Jahr kommt der Kabarettist Mathias Richling. Er wird am 1. Juli sein Programm „Deutschland to go“ spielen. Bereits zum dritten Mal ist die Dramatische Bühne Frankfurt zu Gast bei den Grötzingern. Sie haben am 15.  Juli ihre Produktion „Romeo und Julia“ im Gepäck. Am 27. Juli dann steht die „Musical Night in Concert“ an.

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