Zwischen Neckar und Alb

AWG-Gründer Maier zieht sich zurück

Wechsel Nach der Krise läuft die Textilhandelskette AWG unter neuer Führung. Albrecht Maier konnte eine Insolvenz 2019 abwenden. Von Harald Flößer

Albrecht Maier (Mitte) übergibt die Geschäftsführung der Textilhandelskette AWG an Michael Hövelmann (links) und Markus Lopata.
Albrecht Maier (Mitte) übergibt die Geschäftsführung der Textilhandelskette AWG an Michael Hövelmann (links) und Markus Lopata. Foto: pr

Es ist sein Lebenswerk. Albrecht Maier hat die Allgemeine Warenvertriebs-Gesellschaft, kurz AWG genannt, aus kleinen Anfängen zu einer der größten 50 Textilhandelsketten in Deutschland mit etwa 3,5 Millionen Stammkunden aufgebaut.

Vor etwa einem Jahr blieb dem geschäftsführenden Gesellschafter ein schwerer Gang nicht erspart: Beim Esslinger Amtsgericht musste der 70-Jährige ein Insolvenzverfahren beantragen, weil sein in Köngen ansässiges Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten war. Doch er kämpfte sich wieder nach oben, rettete mithilfe von außen nach umfangreicher Restrukturierung seine AWG. Durch die Maßnahmen mussten 47 Filialen geschlossen und rund 300 Mitarbeitern entlassen werden.

Nach überstandener Krise zieht sich Maier nun endgültig aus dem operativen Geschäft zurück. An der Spitze des 2 400 Mitarbeiter zählenden Unternehmens stehen seit Anfang Februar Michael Hövelmann und Markus Lopata.

Der 56-jährige Michael Hövelmann verantwortet die Bereiche Einkauf, Vertrieb, Marketing und eCommerce. Der 42-jährige Markus Lopata ist als kaufmännischer Leiter zuständig für Finanzen, Personal, Logistik, IT und Controlling. Im April wird der bisherige Geschäftsführer und Gesellschafter Albrecht Maier in den Beirat wechseln.

Kenner der Branche

foto: roberto bulgrin
Foto: Roberto Bulgrin

Michael Hövelmann hat Betriebswirtschaftslehre studiert und war zu Beginn seiner Karriere zehn Jahre in mehreren leitenden Positionen tätig. Die letzten zwölf Jahre war Hövelmann bei Galeria Kaufhof Geschäftsführer der Weltstadt-Filialen Hannover, Köln und dem Flagship Store Berlin Alexanderplatz.

Markus Lopata hat ebenfalls BWL studiert und war unter anderem bei Marc Cain im Bereich Finanzen & Controlling verantwortlich.

Er sei „sehr glücklich darüber, dass wir zwei so erfahrene Branchenkenner für die Führung der AWG gewinnen konnten“, sagt Unternehmensgründer Maier. „Sie bringen umfangreiches Know-how mit und kennen die DNA unserer Branche. Ich habe volles Vertrauen in die neue Führungscrew und kann die Leitung der AWG, vor allem aber auch die Führung der großen AWG-Familie, mit gutem Gewissen in ihre Hände übergeben“, freut sich Albrecht Maier, der seit 1972 an der Spitze des Unternehmen steht. Sein Ziel sei es, „das Nahversorgungskonzept der AWG in Zukunft weiter positiv und gewinnbringend zu entwickeln und die Organisation kundenzentriert auszurichten“, sagt Michael Hövelmann. Vor allem gelte es, die Alleinstellungsmerkmale der Textilkette „zielorientiert zu positionieren“. Mit dem Restrukturierungsprogramm ‚AWG 2.0‘, mit dem man aktuell jeden Unternehmensbereich strategisch und operativ optimiere, solle dabei helfen, „das AWG-Profil weiter zu schärfen und das Unternehmen wertorientiert erfolgreich zu gestalten“, sagt Hövelmann. „Wir werden wieder wachsen und eröffnen bereits Anfang März einen neuen Standort.“

Zuversicht versprüht auch Markus Lopata. „Wir genießen das Vertrauen der Kunden, der Lieferanten, der Banken - und vor allem unserer Mitarbeiter. Wir haben die Mittel, den Mut und die Perspektive, wieder zu investieren, zum Beispiel in eine neue IT-Infrastruktur und in die Renovierung von Filialen“, erklärt er.

Die Textilbranche ist ein hart umkämpfter Markt. Bereits 2010 erlitt die AWG einen ersten Einbruch. In jenem Jahr wurde die Einkaufsmeile KÖ8 in Köngen errichtet, was eine riesige Investition bedeutete. In den Folgejahren gab es immer wieder Schwankungen. Als dann im Hitzejahr 2018 das Herbst-Winter-Geschäft wegbrach und zu viel Ware bestellt wurde, fehlte die Liquidität. Ein Insolvenzverfahren war unausweichlich. Im Juli 2019 konnte Maier nach umfangreichem Sanierungsprogramm verkünden: „Wir stehen wieder auf soliden Beinen.“

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