Zwischen Neckar und Alb

AWG nach Sanierung gerettet

Wirtschaft Die in Köngen ansässige Textilhandelskette AWG hat das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Von 2 700 Mitarbeitern verlieren 300 ihren Job. 47 von knapp 300 Filialen mussten geschlossen werden. Von Harald Flößer

AWG-Mode in Kirchheim gibt es weiterhin. Anders als die Plochinger Filiale ist sie nicht von den Schließungen betroffen. Foto: C
AWG-Mode in Kirchheim gibt es weiterhin. Anders als die Plochinger Filiale ist sie nicht von den Schließungen betroffen. Foto: Carsten Riedl

Nach einer umfangreichen Sanierung scheint die Allgemeine Warenvertriebs-GmbH, im Volksmund nur AWG genannt, gerettet zu sein. Die Textilhandelskette, die zu den größten ihrer Art in Deutschland zählt und ihren Sitz in Köngen hat, agiert nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens wieder selbstständig. Das teilte das Unternehmen diese Woche mit. Teil der umfangreichen Restrukturierung war das Schließen von 47 der knapp 300 Filialen. Darunter sind auch die Standorte Plochingen und Ostfildern-Scharnhausen. Mit der Schließung verbunden war der Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen. Albrecht Maier, der das Unternehmen seit 1976 als Geschäftsführer leitet, reagierte erleichtert: „Die AWG ist mein Lebenswerk und ausgerechnet im 50. Jahr unseres Bestehens sind wir in diese Schieflage geraten.“ Umso mehr freue er sich, „dass uns unsere Partner und unsere mehr als 3,5 Millionen Stammkunden auch in dieser schweren Zeit die Treue gehalten haben“. Dass dies für die Belegschaft mit großen Opfern verbunden ist, bedauert Maier. „Für jeden Mitarbeiter, den wir entlassen mussten, tut es mir sehr leid.“

Ende Januar hatte die AWG ein Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht Esslingen beantragt. Die Folge war eine umfangreiche Restrukturierung. Man habe AWG in kurzer Zeit wieder auf Kurs bringen können, erklärt der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Martin Mucha. Der Erfolg sei nur möglich gewesen, weil die Gläubiger, Mitarbeiter und Kunden das notwendige Vertrauen in das Unternehmen und die Marke gezeigt und im Schutzschirmverfahren unterstützt hätten. Nach Überzeugung Muchas steht die AWG „wieder auf soliden Beinen und hat die besten Voraussetzungen, sich in dem hoch kompetitiven Markt zu behaupten“. Auch der Sachwalter Holger Leichtle von der Unternehmensberatung Schultze & Braun ist überzeugt, dass das Unternehmen wieder die Kraft hat, in der Textilbranche mitzumischen und künftig auch wieder wachsen könne. Erste Neueröffnungen an vielversprechenden Standorten seien bereits geplant.

Erleichtert zeigte sich der AWG-Bereichsverkaufsleiter Eric Glorian. Man habe sich bemüht, Mitarbeiter von Filialen, die geschlossen werden mussten, in andere Filialen zu übernehmen. Glorian: „Jetzt haben wir wieder attraktive Ware im Angebot, die aktuell stark nachgefragt wird.“ Auch Sylke Günther, die die AWG-Filiale Filderstadt mit 16 Mitarbeiterinnen leitet, ist ein Stein vom Herzen gefallen: In der schwierigen Zeit konnten die Umsätze gesteigert werden. „Jetzt sind wir natürlich glücklich, dass wieder eine sorgenfreie Zeit angefangen hat.“

Vielzahl an Marken und Produkten

Bei AWG sind aktuell etwa 2 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Textilhandelskette bezieht Waren aus Produktionsstätten in Fernost, Südasien und Europa.

Auf rund 140 000 Quadratmetern Verkaufsfläche präsentiert das Köngener Unternehmen deutschlandweit eine Vielzahl an Marken und Produkten. Dazu gehören unter anderem Oberbekleidung, Arbeits-, Sport- und Badebekleidung genauso wie Bett-, Tisch- und Nachtwäsche sowie Wohnaccessoires. hf

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