Zwischen Neckar und Alb

Bald ist Schluss mit Recycling

Industrie Seinen kaputten Computer oder Fernseher konnte man bisher bei der Esslinger Beschäftigungsinitiative (EBI) in Altbach abgeben. Doch das Sozialunternehmen muss demnächst das Gelände räumen. Von Gesa von Leesen

Noch zerlegen EBI-Mitarbeiter Elektroschrott in seine Einzelteile. Bald wird das Recycling aber eingestellt. Foto: Gesa von Lees
Noch zerlegen EBI-Mitarbeiter Elektroschrott in seine Einzelteile. Bald wird das Recycling aber eingestellt. Foto: Gesa von Leesen

Wer Wert darauf legt, dass sein kaputter PC oder flimmernder Fernseher optimal entsorgt und wiederverwertet wird, konnte seine Geräte bislang bei der Esslinger Beschäftigungsinitiative (EBI) in Altbach abgeben. In dem Sozialunternehmen waren rund 40 bis dato Langzeitarbeitslose damit beschäftigt, die Elektrogeräte per Hand auseinanderzunehmen und zu sortieren. Die Reste wurden entweder verkauft oder entsorgt. Damit ist jetzt Schluss. EBI muss das 5000 Quadratmeter große Gelände in der Industriestraße bis Ende September räumen. Die Eigentümer haben verkauft, der neue Besitzer hat offenbar eigene Pläne für das Areal.

„Das ist schon schmerzhaft“, sagt Uli Rabeneick, Geschäftsführer der Esslinger Beschäftigungsinitiative. „Seit mehr als 20 Jahren arbeiten wir hier. Das war eine gelungene Kombination von Sozialarbeit und Umweltschutz und noch vielem mehr. Da steckt Herzblut drin.“ Seit Gründung 1996 hätten hier rund 1000 langzeitarbeitslose Menschen gearbeitet, die so eine Chance auf den Wiedereinstieg in Beschäftigung gefunden hatten. „Meist Menschen, die wegen verschiedener Krankheiten sonst keine Möglichkeiten hatten.“

Monatelang habe die EBI ein neues geeignetes Gelände gesucht - ohne Erfolg. „Für Recycling benötigt man eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, Bimsch genannt. Das ist in den vergangenen Jahren verschärft worden, und eine Genehmigung bekommt man ausschließlich in Industriegebieten. Aber da ist hier in der Region kein Platz“, erklärt Stefan Klinkert, der beim Sozialunternehmen „Neue Arbeit“, zu dem die EBI gehört, für die technischen Bereiche zuständig ist. Neue Räume mit rund 90 Quadratmetern wurden schließlich in Esslingen-Berkheim gefunden.

„In Berkheim können wir nur funktionsfähige Elektrogeräte annehmen, die wir dann, wie jetzt auch schon, an Bedürftige weitergeben oder im Sozialkaufhaus verkaufen“, erklärt Stefan Klinkert. Elektroschrott könne nur noch in den Wertstoffhöfen des Landkreises abgegeben werden. Doch der wird von dort aus doch auch weiterverwertet? Klinkert wiegt den Kopf. „Ja, im Prinzip schon. Aber die großen Recyclingfirmen werten die Einzelteile nicht so tief aus wie unsere Leute, die händisch arbeiten. Diese Handarbeit würde sich für ein normales Unternehmen einfach nicht rechnen.“

Rund 2000 Tonnen Elektrogeräte haben die EBI-Beschäftigten in Altbach jährlich angenommen und verwertet. Die 60 Prozent der Geräte, die noch funktionierten, wurden über Sozialkaufhäuser günstig an Menschen mit wenig Geld weiterverkauft. Was nicht reparabel war, wurde in seine Einzelteile zerlegt. Derzeit arbeitet noch etwa ein Dutzend Frauen und Männer in der großen, halb leeren Recyclinghalle in Altbach die Elektroreste ab. „Ich demontiere Flachbildschirme“, erzählt Conny, die seit anderthalb Jahren hier beschäftigt ist. „Alles, wo Gold dran ist, wird verkauft.“ Sie findet es traurig, dass die Werkstatt geschlossen wird. „Mir gefällt die Arbeit, und wir sind ein gutes Team, teilweise auch Freunde. Das wird ja jetzt alles auseinandergerissen.“ Wo sie nach der endgültigen Schließung arbeiten wird, weiß sie noch nicht.

„Wir finden für jeden eine Lösung innerhalb der EBI“, verspricht Rabeneick. Das geschehe gemeinsam mit den Betroffenen und dem Jobcenter in den nächsten Wochen. Dann kann Uli Rabeneick sich auf seinen Ruhestand vorbereiten, denn Ende des Jahres geht er in Altersteilzeit. Wegen der Altbach-Schließung? Rabeneick lacht. „Nein, damit hat das nichts zu tun.“

Stefan Klinkert wird sich weiterhin um die technischen Belange kümmern. Zunächst muss er noch dafür sorgen, dass Altbach fachgerecht geräumt wird. „Wir haben noch ziemlich viel Brennholz, mit dem wir nicht umziehen wollen“, sagt er. Und wer ab Oktober funktionierende Elektrogeräte abgeben will, kann dies in der Kastellstraße 7 in Berkheim tun.

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