Zwischen Neckar und Alb

Behörden-Wirrwarr mit Happy End?

Vincent Ahondoh wollte auf eigenen Füßen stehen, da machten ihm die Ämter einen Strich durch die Rechnung

Behörden-Wirrwarr mit Happy End?
Behörden-Wirrwarr mit Happy End?

Vincent Ahondoh befürchtet, dass er in Togo ins Gefängnis kommt. Trotzdem soll er seine Ausbildung abbrechen und abgeschoben werden.

Barbara Gosson

Nürtingen. Ahondoh ist 30 Jahre alt und kommt aus Togo. Seit vier Jahren lebt er in Deutschland. In Lomé hat er drei Jahre Englisch studiert und hat einen Abschluss in Internationalen Wirtschaftsbeziehungen. An der Universität engagierte er sich in der oppositionellen „Alliance National pour le Changement“.

Als er geflüchtet ist, landete er nach einer Odyssee in Nürtingen. Dort ist er mittlerweile überall bekannt. Er engagiert sich kirchlich, und auch als Musiker hat er sich in der Zwischenzeit einen Namen gemacht, allem voran als Schlagzeuger der Jam-Zentrale.

Vincent Ahondoh hat viele Freunde in Nürtingen gewonnen. Da er finanziell gerne auf eigenen Füßen stehen will, hat er eine Ausbildung zum Maurer begonnen – eine Branche, die chronisch unter Nachwuchsmangel leidet. Mit der Ausbildungsvergütung für das zweite Lehrjahr wäre er nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen.

Doch da machte ihm das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe einen Strich durch die Rechnung. Ahondoh sei seinen „Pflichten zur Vorlage eines Passes und zur Mitwirkung bei der Passbeschaffung“ nicht nachgekommen. Aus diesem Grund stellte ihm das Regierungspräsidium zunächst nur eine Duldung ohne Beschäftigungserlaubnis aus und forderte ihn dann zum 1. August zur Ausreise auf.

Das Regierungspräsidium vertritt die Sicht, dass das Nürtinger Ausländeramt Ahondoh die Ausbildung ohne die eigentlich erforderliche Rücksprache gestattete, und untersagte die Fortführung – obwohl Ahondoh bereits den Vertrag für das zweite und dritte Lehrjahre unterschrieben hat. Von der Pressestelle der Stadt Nürtingen ist zu hören, man sei lediglich von einem Praktikum ausgegangen, für das keine Genehmigung des Regierungspräsidiums nötig gewesen wäre.

In der Schule hat Ahondoh gute Noten, ist als ehemaliger Student, der fließend Französisch, Englisch, Ewe, Mina und mittlerweile Deutsch spricht, eigentlich überqualifiziert. Weiterzustudieren kommt für ihn jedoch nicht infrage. „Ich möchte arbeiten“, sagt er. Das möchte auch sein Betrieb, die Firma Keller aus Denkendorf.

Eva Weinmann von der Personalabteilung des Unternehmens erklärt, wie der Irrtum zustande kommen konnte: im ersten Lehrjahr bekommen die Auszubildenden nur einen Vorvertrag. Sie sind dann meistens in der Schule und nur an wenigen Tagen und in den Ferien im Betrieb. Ist das erste Schuljahr erfolgreich abgeschlossen, wird der eigentliche Lehrvertrag abgeschlossen. Den hat die Firma Keller Ahondoh gerne angeboten. „Es ist immer schwierig, Auszubildende zu finden, die für den Beruf geeignet sind und das auch wollen“, sagt Weinmann.

Nun sieht es so aus, als ob sich doch noch eine Chance auftut: „Inzwischen hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mitgeteilt, dass der Asylantrag des Herrn Ahondoh dort nun im nationalen Verfahren geprüft wird. Herrn Ahondoh wird daher eine Aufenthaltsgestattung ausgestellt. Die Entscheidung über die Weiterführung der Ausbildung richtet sich daher nach anderen Rechtsvorschriften. Zuständig ist die örtliche Ausländerbehörde. Diese wurde hierüber bereits in Kenntnis gesetzt“, schrieb die Pressestelle des Karlsruher Regierungspräsidiums auf Anfrage.

Im Klartext heißt das, der Ball wird wieder nach Nürtingen zurückgespielt. Sollte das hiesige Ausländeramt zustimmen, kann Ahondoh das zweite Lehrjahr beginnen.

Für ihn ins Zeug gelegt hat sich auch Hubert Schmickler, sein Lehrer an der Nürtinger Philipp-Matthäus-Hahn-Schule. Er lobt nicht nur die guten Leistungen seines Schülers, sondern auch seine „ruhige, friedensstiftende, respektvolle Charaktereigenschaft im Umgang mit allen Beteiligten“.

Bleibt noch die Frage nach dem Pass. Martin Schüler, einer der Unterstützer, sagt, Vincent Ahondoh sei laut Anwältin gar nicht verpflichtet gewesen, einen Pass zu beschaffen. Das Problem ist dabei allerdings laut Martin Schüler eine fehlende Geburtsurkunde, die nur mühsam aus Togo beschafft werden könne.

Nun hoffen Ahondohs Unterstützer mit ihm gemeinsam, dass es in Nürtingen für ihn weitergehen kann, beruflich wie privat.

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