Zwischen Neckar und Alb

Bei den Tarifzonen ist weniger mehr

Nahverkehr In den letzten Jahren hat sich einiges geändert für die Fahrgäste im ÖPNV. Jetzt feilen die Verantwortlichen an Vereinfachungen. Von Linda Kircheis

Die Zahlen der Bus- und Bahnnutzer sind um 10 Prozent gestiegen. Der Landkreis und der VVS freuen sich.
Symbolbild

Seit 2014 gibt es einen Pakt im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), in dem es unter anderem um die Verbesserung des Netzes von Straßenbahnen, Buslinien und S-Bahnen im Bereich des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) geht. Wie aktuelle Zahlen beweisen, tragen diese Bemühungen Früchte: Seit es den Pakt gibt, ist die Zahl der Fahrgäste, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um zehn Prozent gestiegen. Damit ist schon nach nur drei Jahren die Hälfte des Ziels erreicht, das auf 2025 gesetzt wurde.

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Um noch mehr Fahrgäste in Busse und Bahnen zu locken, soll es nun Vereinfachungen im Ticketdschungel geben. Denn, wie Landrat Heinz Eininger sagt: „Der Schwabe fürchtet nichts mehr, als wenn er zu viel zahlen muss, nur weil er ein falsches Ticket gelöst hat.“

Zum Beispiel gibt es ein neues „9-Uhr-Ticket“. Damit sollen die Fahrgastzahlen in den Hauptverkehrszeiten etwas verringert beziehungsweise besser verteilt werden. Attraktiv für Arbeitnehmer dürfte auch das neue Tagesticket für die Feinstaub-Saison vom 16. Oktober bis zum 15. April sein. Der Preis für ein solches Ticket entspricht zwei Einzeltickets. Allerdings kann man damit das ganze Netz beliebig abfahren. Das Ticket gilt auch an Tagen, an denen es keinen Feinstaub-Alarm gibt.

Eine weitere preisliche Verbesserung soll durch eine Neuordnung der Tarifzonen im Landkreis entstehen. Esslingen hat die größte Anzahl mit 15 Zonen. Dies wirkt sich vor allem auf die Fahrgäste negativ aus, die in den äußeren Kreiszonen leben. In den nächsten Wochen und Monaten soll nun überprüft werden, wie und ob man diese Zonen einfacher und gerechter verteilen beziehungsweise zusammenschließen kann. Erklärtes Ziel sind weniger Tarifzonen. Hier wird momentan ermittelt, ob sich die kommunalen Haushalte die Mehrkosten leisten könnten, die durch weniger Einnahmen beim Ticketverkauf entstehen. Untersucht wird auch, ob man auf die Sektorengrenzen, die die einzelnen Zonen nochmals unterteilen, verzichten kann. Das würde allerdings nur für wenige Fahrgäste Vergünstigungen bedeuten, da die meisten über mehrere Zonen in Richtung Stuttgart fahren wollen.

Auch bei den Tickets für Auszubildende hat sich viel getan: Das neue Ausbildungs-Abo kostet 59 Euro pro Monat. Damit kommen Azubis, aber auch Praktikanten durch das ganze Netz an ihre Arbeitsstelle und zur nächtlichen Party. Mit 27 250 Abonnenten wurden die Erwartungen des VVS für dieses Ticket übertroffen.

Aber nicht nur preisliche Veränderungen sind geplant: Die S 2, die auf den Fildern fährt, wird von Bernhausen bis Neuhausen ausgebaut. Um vier Kilometer verlängert sich die Strecke und ist ab Ende 2021 befahrbar. „Wir haben auch das Konzept, die S-Bahn-Linie 2 noch bis ins Neckartal weiterzuführen“, sagt Heinz Eininger. Das wäre vor allem für die Kirchheimer wichtig, die dort arbeiten und kein Auto zur Verfügung haben.

Bei den Rad- und Wanderbussen, die an Wochenenden vom Frühjahr bis in den Herbst auf die Alb fahren, hat sich ebenfalls eine Neuerung aufgetan: Die Linie 176, die Wanderer und Radler von Kirchheim bis nach Schopfloch bringt, wurde in dieser Saison neu eingerichtet. Sie hat einen direkten Anschluss an die S-Bahn Kirchheim. Auf allen vier Linien kann man das Fahrrad jederzeit mitnehmen.

Die „Relex“-Busse, die es seit Dezember 2016 gibt, kommen bei den Fahrgästen laut VVS sehr gut an. Eine dieser Linien verbindet Kirchheim mit dem Flughafen und dem Messegelände in etwas mehr als einer halben Stunde.