Zwischen Neckar und Alb

Bei Unwetter geht’s vom Zelt ins Haus

Unglück Nachdem ein 15-Jähriger in einem Zelt von einem Baum erschlagen wurde, setzen Veranstalter auf Notfallpläne.

Symbolbild

Kreis Esslingen. Das tragische Unglück in Rickenbach, bei dem ein 15-jähriger Teilnehmer eines Zeltlagers der DLRG-Ortsgruppe Herrenberg nach einem Unwetter von einem Baum erschlagen wurde, beschäftigt auch die örtlichen Veranstalter von Zeltlagern.

Anzeige

Benedikt Fleisch vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Wernau hat nach Bekanntwerden des Unglücks umgehend reagiert. „Nachdem wir uns in den einzelnen Lagern erkundigt hatten, haben wir die Menschen über Facebook und unsere Homepage informiert, dass es unseren Teilnehmern und Teamern gut geht“, teilte er mit. Bei der BDKJ-Ferienwelt ist man auf Unwetter vorbereitet. Auf den fünf Zeltplätzen im Allgäu, der Bodenseeregion sowie im Hohenloher Land seien Evakuierungspläne vorhanden. Man kennt die Ortsgegebenheiten, weil die Freizeiten dort teilweise bereits seit Jahren stattfinden. Die Evakuierungsszenarien werden zudem in jedem Zeltlager mit den insgesamt 2 000 Teilnehmern geübt. Um auf Unwetter schnell und präzise reagieren zu können, hätten die Leiter der Lager direkten Zugang zu ortsgenauen Daten des Deutschen Wetterdiensts.

Kein Handlungsbedarf beim KJR

Auch bei den Zeltlagern des Kreisjugendring Esslingen (KJR) ist man für Gewitter und Stürme gerüstet. „Da unsere Ferienangebote in der Regel in direkter Nähe zu einem unserer Jugendhäuser sind, in dem die Kinder und Jugendlichen im Notfall Schutz suchen können“, sieht Stefanie Eise­le, die kaufmännische Geschäftsführerin des KJR Esslingen, keinen weiteren Handlungsbedarf beim jährlich stattfindenden Sommerlager des KJR in Obersteinbach bei Schwäbisch Hall.

Bei der Unglücksstelle in Rickenbach handelte es sich hingegen nicht um einen ausgewiesenen Zeltplatz. Lediglich für eine Nacht war das Campen auf dem Waldspielplatz erlaubt. Aber auch bei Angeboten vor Ort ist man vorsichtig.

Freizeiten oder Zeltlager abzusagen - daran hat im Kreis bislang keiner gedacht: „Es ist wichtig, die Tradition der Zeltlager trotz des tragischen Vorfalls nicht generell infrage zu stellen“, sagt Stefanie Eise­le. Aufgrund der verhältnismäßig geringen Teilnahmegebühr sei das Zeltlager gerade für Kinder aus einkommensschwachen Familien ein sehr wichtiges Angebot für die Ferien. „Es gibt Kinder, die sonst nicht in den Urlaub fahren können. Die Zeltlager bieten eine gute Möglichkeit, Natur und Freiheit zu erleben. Aber auch Selbstständigkeit, ein Gruppenerlebnis oder Zeit ohne die Eltern zu verbringen, sind wichtige Faktoren“, betont Eise­le.Raphael Conrad