Zwischen Neckar und Alb

Belegschaft wütend über Schließung

Wirtschaft Das Traditionsunternehmen Eberspächer verlegt seine Fertigung am Standort Esslingen nach Polen. 300 Beschäftigte werden entlassen. Die Mitarbeiter ärgern sich über das Management. Von Dominic Berner

Schichtwechsel im Eberspächer-Werk - Jetzt steht fest, dass 300 Beschäftigte ihren Job verlieren. Foto: Roberto Bulgrin
Schichtwechsel im Eberspächer-Werk - Jetzt steht fest, dass 300 Beschäftigte ihren Job verlieren. Foto: Roberto Bulgrin

Es ist Schichtwechsel im Eberspächer-Werk in Esslingen. Doch statt guter Feierabendlaune steht den herausströmenden Fertigungsmitarbeitern der Frust ins Gesicht geschrieben. Erst am Vortag hatten sie erfahren, dass sie ihren Job verlieren werden. Das Traditionsunternehmen hatte angekündigt, die Fertigung am Standort Esslingen ins polnische Oława bei Breslau zu verlegen. 300 Stellen werden abgebaut. Für die Betroffenen unverständlich. Sie wissen noch nicht, wie es für sie weitergeht. Ihre Wut richtet sich gegen das Management des Unternehmens.

Die Schließung ist laut Unternehmen notwendig, „weil die Fertigung von Standheizungen am Standort Esslingen schon lange kein Geschäft mehr ist“. Das Werk schreibe Verluste in Höhe eines „zweistelligen Millionenbetrags“, erklärte Geschäftsführer und Miteigentümer Martin Peters am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2019. Jahrelange habe das Unternehmen versucht, die Prozesse und Strukturen zu optimieren, um effizienter zu arbeiten und die Produktion am Standort Esslingen zu belassen. Doch die Mühen waren vergebens. Die Fertigungskosten in der Hochlohnregion Mittlerer Neckar seien einfach zu hoch. „Das Werk war nicht mehr zu retten“, sagte Peters.

Das Unternehmen entschied deshalb, die Produktion nach Oława, wo Eberspächer bereits ein Werk mit 300 Mitarbeitern unterhält, sowie an externe Firmen zu verlagern. Heinrich Baumann, ebenfalls Geschäftsführer und Miteigentümer von Eberspächer, unterstrich, dass die Corona-Pandemie nicht der Auslöser für die Entscheidung gewesen sei. Jedoch habe die Krise die Entwicklungen beschleunigt. „Aber auch ohne sie hätten wir das Werk irgendwann schließen müssen“, erklärte er. Ein schwacher Trost für die Mitarbeiter.

„Wenn Sie mich fragen, liegt das an jahrelangem Missmanagement“, sagt Filiz Sefer, die seit 22 Jahren im Esslinger Werk arbeitet. Die 41-Jährige ärgert sich sehr über die Entscheidung der Geschäftsführung. Siegfried Lich sieht das ähnlich. Seit 21 Jahren arbeite der Maschineneinsteller bei Eberspächer in der Produktion und habe in der Zeit viele Verbesserungsvorschläge eingereicht. „Es wurde aber nie auf uns Mitarbeiter gehört“, sagt er. So seien von einer externen Firma Maschinen umgestellt worden - auf Anweisung von oben, ohne mit nur einem Bediener zu sprechen. Das Ergebnis laut Lich: Das Fremdunternehmen habe die Geräte arbeiterunfreundlich und ineffizient aufgestellt, sodass die Produktionsergebnisse darunter gelitten hätten. „Wir Mitarbeiter wurden dafür verantwortlich gemacht, weil wir nicht das leisten konnten, was vorgesehen war.“

Sowohl Lich als auch Sefer sind davon überzeugt, dass nicht die Lohnkosten der Beschäftigten für die roten Zahlen des Werkes verantwortlich sind. Die Geschäftsführung hätte bei der Optimierung der Produktion viel mehr die Mitarbeiter mit einbeziehen sollen. Überraschend sei die Nachricht nicht gewesen. „Das ist schon seit Jahren im Gespräch“, sagt Lich. Die Enttäuschung sitzt tief.

„Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Ergün Yilmaz. Die Belegschaft sei gruppenweise über die Schließung des Werkes informiert worden. Allerdings nicht, wie es konkret für sie weitergehe. „Ich weiß nur, dass bis 2022 alle 300 Beschäftigte gehen müssen“, erklärt er. Er wünscht sich eine rasche Aufklärung, was auf die Betroffenen zukommt. Immerhin - er und seine Kollegen hätten eine Liste mit Terminen bekommen, an denen es mehr Informationen gebe. „Das Ganze ist einfach schade. Besonders für so ein altes Esslinger Unternehmen“, sagt der 58-Jährige, der seit 40 Jahren bei Eberspächer arbeitet.

Die IG Metall kündigte an, die geplante Verlagerung nicht einfach hinzunehmen. „Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat alles daransetzen, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Esslingen zu halten“, erklärte Jürgen Groß von der IG Metall Esslingen.

Für Siegfried Lich trifft es eindeutig die Falschen: „Ich finde, die im Management müssen weg, nicht wir Produktionsarbeiter. Für meinen Lohn kann man in Polen fünf Arbeiter anstellen.“ Das mache deutlich, um was es hier eigentlich geht.