Zwischen Neckar und Alb

Berufsschulen rüsten auf

Ausbildung Die Digitalisierung hält Einzug in viele Lebensbereiche und in viele Berufsbilder. Die beruflichen Schulen im Kreis investieren deshalb sechstellige Beträge für Lernstraße, Smart Home und Cloud. Von Uwe Gottwald

Ohne digitale Unterstützung kommt die Fahrzeugtechnik nicht mehr aus.Foto: Carsten Riedl
Ohne digitale Unterstützung kommt die Fahrzeugtechnik nicht mehr aus.Foto: Carsten Riedl

Das Smart Home, das intelligente und automatisierte Zuhause, entsteht als Labor an der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen-Zell, die Fertigungs-Lernstraße an der Max-Eyth-Schule in Kirchheim. An der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen will man mit Beispielen aus der Automobilbranche dem Thema Digitalisierung näherkommen und dabei mit den kaufmännischen Ausbildungsgängen zusammenarbeiten.

Für Landrat Heinz Eininger hat die Digitalisierungsoffensive an den beruflichen Schulen enorme Bedeutung für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts und den Bedarf an Fachkräften. Durch die Vernetzung könnten alle acht beruflichen Schulen mit ihren verschiedenen Ausbildungsgängen profitieren.

Die Max-Eyth-Schule ist stark an der Industrie orientiert. Daten-, Informations- und Kommunikationstechnik werden dort großgeschrieben. Auch das Handwerk und die Automobilbranche mitsamt ihren Zulieferern kommen ohne digitale Techniken kaum mehr aus. Sie werden auch im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle spielen. Schließlich müssen sich auch Kaufleute in Anbetracht von immer mehr digitalen Produkten Grundkenntnisse aneignen.

Mit ihrem Multilabor bildet die Friedrich-Ebert-Schule das Smart Home ab, sei es das private Eigenheim oder ein moderner Zweckbau. Darin könnten zum Beispiel die Beleuchtung, das Heizungs- und Belüftungssystem, eine Alarmanlage, Energiespeicheranlagen oder auch die Elektro-Ladestation digital gesteuert sein, erklärt Schulleiter Erhard Hofmeister. Für Elektrotechniker oder Gebäudesystemtechniker ergeben sich ganz neue Herausforderungen. Steuerprogramme dazu soll die Fachschule für Automatisierung an der Kirchheimer Max-Eyth-Schule entwickeln. An der kaufmännischen John-F.-Kennedy-Schule könnte die Vermarktung dieser Produkte geübt werden. Für das Labor wird mit Kosten von 400 000 Euro gerechnet, wovon die Schulen 250 000 Euro aus ihren Budgets bestreiten.

An der Max-Eyth-Schule wird eine Lernstraße eingerichtet, an der miteinander vernetzte Produktionsprozesse abgebildet sind. „Vieles haben wir schon, was noch fehlt sind die Komponenten Lagersysteme und autonomer Transport“, erläutert Schulleiter Jochen Schade. Die Kosten für die Lernfabrik werden mit 350 000 Euro beziffert.

Die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen hat sowohl Ausbildungsgänge für handwerkliche als auch für Industrieberufe unter ihrem Dach. Schulleiter Wolf-Werner Hofmann muss deshalb in verschiedene Richtungen denken. So sind künftige Industrie- und Zerspanungsmechaniker immer stärker in die digitale Produktentwicklung und automatisiertes Fertigen eingebunden. Die Schule ist aber auch Zentrum für die Ausbildung im Kfz-Bereich, für den eine digital vernetzte Kfz-Werkstatt denkbar ist. Für die Lehrwerkstätten kommt zusätzlich der Aspekt der Elektrofahrzeuge dazu.

Zukunftsweisende Projekte kann sich Schulleiter Hofmann zudem für das Thema Flottenmanagement vorstellen, zum Beispiel Wartungsprogramme für Firmen und Mobilitätsmodelle wie das Car-Sharing. „Die Nutzer zahlen je nach Service, den sie wünschen, der dann elektronisch freigeschaltet wird, wie zum Beispiel eine bestimmte PS-Leistung oder ein bestimmter Komfort“, so Hofmanns Gedankenspiel.

Für die Bauberufe wie Schreiner, Zimmerleute und Maurer ist das Building Information Modeling (BIM), übersetzt in etwa mit Bauwerksdatenmodellierung, ein Beispiel für Digitalisierung. Die Software erfasst etwa einen Architektenentwurf mit allen Gewerken und den einzelnen Kostenkalkulationen. Ändert sich die Planung, errechnet die Software die Folgen für weitere Gewerke. In Ausschreibungsverfahren wird dieses System immer mehr Einzug halten, so Hofmanns Überzeugung, der bereits die Software gekauft hat, in die sich die Lehrkräfte nun einarbeiten.

Für die Fritz-Ruoff-Schule auf dem Nürtinger Säer bieten sich digitale Projekte im Bereich der Pflegeberufe an, zum Beispiel mit Dokumentationssystemen, oder auch im Umgang mit Logistiksystemen beim Patiententransport oder der Speiseversorgung. Solche Systeme könnten das Pflegepersonal von administrativen Aufgaben entlasten.

Um die Cloud einzurichten und die Schulen miteinander zu vernetzen, soll eine externe Firma beauftragt werden. Für die Cloud stellt der Landkreis 500 000 Euro zur Verfügung.

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