Zwischen Neckar und Alb

Beuren plant die Bürger-App

Infoveranstaltung Bürgerversammlung in der Kelter bildet den Auftakt zu einer umfassenden Bürgerbeteiligung im Kurort am Fuß des Hohenneuffen. Umstritten bleiben Hotel und Wohnmobilstandort. Von Nicole Mohn

Panorama-Therme, Kleinschwimmhalle, Wohnmobilplatz, Hotel und Feriendorf: In Beuren gibt es Gesprächsbedarf zwischen Gemeinde un
Panorama-Therme, Kleinschwimmhalle, Wohnmobilplatz, Hotel und Feriendorf: In Beuren gibt es Gesprächsbedarf zwischen Gemeinde und Bürgern.Foto: Jürgen Holzwarth

Arbeitsgruppen, Bürgerwerkstatt, Fragebogenaktionen: Schon in der Vergangenheit hat sich die Gemeinde Beuren bemüht, die Bürger bei wichtigen Entscheidungen zu beteiligen. „In den Beurener Nachrichten gibt es so viele Informationen wie kaum anderswo“, sagt Bürgermeister Daniel Gluiber. Auch Probeabstimmungen zu allen großen Projekten gab es in der Vergangenheit, ebenso Workshops mit Gastgebern und Gewerbetreibenden sowie zahlreiche Informationsabende, etwa zum Kurortentwicklungsplan und auch zum Tourismuskonzept.

Nun will der Kurort die Bürgerbeteiligung noch weiter intensivieren. Künftig werde die Gemeinde die Möglichkeiten zur Information auf der Homepage weiter ausbauen, verspricht Gluiber. Auch die Endfassung des neuen Kur­ortentwicklungsplans ist dort als Blätterkatalog inzwischen einsehbar. Geplant ist weiterhin die Einführung einer Bürger-App mit Push-Funktion. „Das soll den schnellen Transport von Informationen und Nachrichten in beide Richtungen ermöglichen.“

Zu allen wichtigen Themen plant die Gemeinde in den kommenden Wochen tiefer gehende Informationsveranstaltungen. Zum Lärmaktionsplan, dem geplanten Neubaugebiet Hagnach/Brühl und der in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zu Hotel, Wohnmobilplatz und Feriendorf sollen im Februar, März und April jeweils gesonderte Bürgerversammlungen folgen.

„Ich halte es für wichtig, die Vorstellungen über die Zukunft gemeinsam mit den Bürgern zu erörtern - und zwar bevor endgültige Festlegungen getroffen werden“, unterstreicht der Schultes den Stellenwert, den die Bürgerbeteiligung im Kurort genießt.

Alle drei Stufen der Bürgerbeteiligung praktiziere Beuren: Information, Konsultation und Mitbestimmung. Aber nicht immer seien auch alle Stufen bei allen Fragen möglich und sinnvoll, gibt er zu bedenken. Er schließt in das Angebot zudem den Appell ein, auf sachlicher Ebene und fundiert zu diskutieren. Nur so könne man Lösungen für die vor Beuren liegenden Aufgaben finden: „Streit würde uns nicht weiterbringen.“

Zur Unterstützung hat sich die Gemeinde Beuren mit Uta und Jürgen Berner vom Büro nettworks aus Esslingen zwei Moderatoren für den Prozess an die Seite geholt. Und die machten zum Auftakt des Bürgerbeteiligungsmarathons auch noch mal die Spielregeln und Möglichkeiten für die Beteiligung an Entscheidungsprozessen auf kommunaler Ebene transparent.

Sachlicher Dialog ist gefragt

Respektvoll, sachdienlich, wahr und ergebnisoffen wünschen sich die beiden Kommunikationsprofis den Dialog. Letztlich liege die Entscheidungshoheit jedoch immer beim Gemeinderat. „Den haben Sie alle gewählt und er muss zum Wohle der ganzen Gemeinde entscheiden“, so Uta Berner. Niemand könne einen Anspruch auf eine einzelne geforderte Entscheidung geltend machen: „Das entscheidende Gremium muss vielfältige Belange berücksichtigen und abwägen“, erklärte sie. Heißt: Am Ende ist die Entscheidung des Gemeinderats zu akzeptieren.

Zunächst aber geht es in Beuren in den kommenden Wochen um den Dialog. „Wir wollen hören, was Sie bewegt und welche Fragen Sie haben“, lud Uta Berner die Besucher in der fast voll besetzten Beurener Kelter ein, den Beteiligungsprozess mit Leben zu füllen. Dass es vertiefende Veranstaltungen zu so vielen Themen gibt, erstaunt und begeistert sie: „So etwas haben wir bisher in keiner anderen Gemeinde erlebt.“

Projekte in Beuren - besonders der Wohnmobilplatz steht in der Kritik

Kleinschwimmhalle: Eines der großen Beurener Projekte für die kommenden Jahre wird die Kleinschwimmhalle neben der Panoramatherme sein. Die Schließung scheint dem Bürgermeister „bei uns undenkbar“. Ob Beuren die Halle retten könne, weiß er aber noch nicht zu sagen. Neuigkeiten zum Zuschuss aus Berlin erwartet er Anfang Februar. Danach müsse geschaut werden, wie eine Finanzierung aussehen kann.

An der Panorama-Therme laufen derzeit die Bauarbeiten für die neue Gastronomie. Über 20 Interessenten gebe es bei der Pacht. Bei der Panorama-Therme steht aber vor allem eine Verbesserung der Auslastung in den Sommermonaten im Fokus. Hier setzt Gluiber neben Events und attraktiven Veranstaltungen auf den Bau des Wohnmobilplatzes als Chance. „Mobilisten lassen bei einem Kurzurlaub zwischen 150 und 500 Euro am Ort“, legt er aktuelle Zahlen von der CMT vor.

Wohnmobilplatz: Etliche der Zuhörer im Plenum stellten diese Zahlen in Frage: „Wo sollen die denn in Beuren das Geld lassen?“ Viele Geschäfte gebe es schließlich nicht. Weder Dimension noch Standort kommen bei etlichen der Bürger im Saal gut an.

Alternative Standorte für den Wohnmobilplatz sieht Bürgermeister Gluiber hingegen nicht in Laufnähe zur Therme. „Mit schweren Badetaschen läuft keiner vom Lettenwäldle“, glaubt er. Dass die Nähe zum Bad überhaupt notwendig ist, zweifelten andere an. Ob der Platz in dem derzeit geplanten Umfang sinnvoll ist oder nicht, soll unter anderem die Machbarkeitsstudie zeigen, die der Gemeinderat vor wenigen Wochen in Auftrag gab.

Hotel: Beurens Bürgermeister erhofft sich aus der Machbarkeitsstudie neue Aufschlüsse zum Wohnmobilplatz wie auch zum Hotel und zum Feriendorf. Auf Grundlage der Erkenntnisse will der Gemeinderat weiterdiskutieren - und zwar nicht nur unter sich, sondern auch mit den Bürgern. Am 8. April sollen die Ergebnisse im Rahmen einer weiteren Bürgerversammlung vorgestellt werden. Im Plenum wurde die Beauftragung der Studie wie auch das Angebot zum Dialog positiv bewertet.

„Bettenburg für Beuren“: Etliche Einwohner fürchten die großen Dimensionen eines geplanten Hotels. „Es muss zum Ort passen“, stimmt Gluiber zu. Mit der Bürgerschaft und unterstützt vom städtebaulichen Berater werde über Kubatur und Platzierung zu reden sein. „Wir geben vor, wie es aussehen soll - das ist mir ganz wichtig“, betont der Schultes.     zog

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