Zwischen Neckar und Alb

Bielomatik hat wieder große Wachstumspläne

Neuffener Unternehmen präsentiert sich nach dem Schutzschirmverfahren auf der AMB erstmals mit neuem Leitbild

Rund ein Jahr nach dem Ende des Schutzschirmverfahrens wagt die Firma Bielomatik auf der AMB in Stuttgart einen „Neustart“ mit neuem Leitbild.

Bielomatik-Geschäftsführer Ralf Bauer (links) und Stefan Carstensen: „Der größte Umbruch der Firmengeschichte.“ Foto: Henrik Sau
Bielomatik-Geschäftsführer Ralf Bauer (links) und Stefan Carstensen: „Der größte Umbruch der Firmengeschichte.“ Foto: Henrik Sauer

Henrik Sauer

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Neuffen. Am Montag wurde das neue Leitbild den Mitarbeitern vorgestellt. Die Resonanz sei sehr positiv gewesen, sagt Geschäftsführer Ralf Bauer. Nach einem Jahr mit drastischen Veränderungen, die auch mit viel Verunsicherung in der Belegschaft verbunden war, habe man sich entschieden, eine neue Unternehmensidentität zu schaffen, in der sich, das betont Bauer, „die Mitarbeiter wiederfinden sollten“.

Vergangenes Jahr hatte sich Bielomatik von seiner Sparte Papierverarbeitungsmaschinen getrennt, nachdem das Geschäft dort eingebrochen war. Zudem hatten Pensionsverpflichtungen auf das Ergebnis gedrückt. Nun konzentriert man sich auf die beiden verbliebenen Sparten Schmiertechnik und Kunststoffschweißen. Rund 100 Arbeitsplätze wurden abgebaut. 80 Mitarbeitern wurde der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten. Jetzt im August seien die letzten Mitarbeiter dorthin gewechselt, so Bauer.

„Ohne das Schutzschirmverfahren wäre eine Sanierung nicht möglich gewesen“, sagt Stefan Carstensen, der zusammen mit Ralf Bauer die Geschäfte führt und für den kaufmännischen Part zuständig ist. Und Ralf Bauer ergänzt, dass nach seiner Überzeugung auch für die Mitarbeiter der Papiersparte mit BW Papersystems als neuem Eigentümer sich die Situation verbessert habe.

Heute beschäftigt Bielomatik 350 Mitarbeiter inklusive Azubis in Neuffen, weltweit sind es 590 Mitarbeiter. Die Zahl der Standorte hat sich auf vier reduziert.

Das neue Leitbild sei zusammen mit den Mitarbeitern entwickelt worden, so Ralf Bauer. Ein eigens gegründeter Ausschuss ermittelte unter anderem, „was aus Sicht der Mitarbeiter Bielomatik ausmacht“. Dies sei dann ins neue Marketing eingeflossen, das von einer Agentur entwickelt wurde.

Aber nicht nur ein neuer Auftritt gehöre dazu. Das Unternehmen werde komplett neu aufgestellt, sagt Stefan Carstensen: „Das ist in der Unternehmensgeschichte der größte Umbruch, den es je gab.“ Man habe nicht nur da und dort an ein paar Schrauben drehen wollen.

Bereits während des Schutzschirmverfahrens habe man einen Zukunftsprozess eingeleitet, sagt Bauer. Dazu gehöre eine Wachstumsstrategie: „Wir glauben, dass wir ein stabiles Wachstum hinbekommen, nicht nur in den bestehenden, sondern auch in neuen Märkten.“ Ohnehin sei man auch im vergangenen Jahr in beiden verbliebenen Unternehmensbereichen gewachsen. „Wir werden dieses Jahr bei den Aufträgen sogar das erfolgreichste Jahr von Bielomatik in diesen beiden Sparten haben“, so Bauer. Dies zeige auch, dass die Kunden bei der Stange geblieben seien.

Nach dem Wegfall der Papierverarbeitungsmaschinen, die etwa 45 Prozent des Geschäftsvolumens ausgemacht hatten, werden heute etwa 80 Prozent des Umsatzes mit Kunststoffschweißmaschinen erzielt. Hier habe man den Umsatz von 2010 bis 2014 verdoppelt, berichtet Bauer. Die Schmiertechnik wolle man künftig auf einen Umsatzanteil von 25 bis 30 Prozent hieven.

Die Wachstumspläne schlagen sich auch personell nieder: Man suche aktuell nach neuen Mitarbeitern in der Entwicklung und im Vertrieb. An der Ausbildung mit gut 30 Azubis und Studenten halte man in vollem Umfang fest.

Auch am Firmengelände in Neuffen werde sich einiges verändern. Momentan sei man dabei, Flächen neu zu ordnen und Abläufe zu optimieren. So werde gerade ein neues Lagersystem eingeführt.

Und nicht zuletzt setze man auf neue Produkte. Im Bereich Schmiertechnik zeigt Bielomatik auf der AMB eine Neuheit für die Minimalmengenschmierung: ein tragbares Aggregat, das sich direkt an automatische Bohr-Vorschub-Einheiten anschließen lässt. Es wurde speziell für die Luftfahrt-Industrie entwickelt, die man damit als neue Branche ansprechen möchte. Bei der Bielomatik-Entwicklung, die zum Patent angemeldet wurde, wird der Bohrer durch exaktes Ein- und Ausschalten des Ölstroms mit der je nach Schicht erforderlichen Schmiermenge versorgt und so zugleich erreicht, dass die entscheidenden Stellen trocken bleiben.