Zwischen Neckar und Alb

Bitte mehr Tempo

Der Lockdown hat geholfen, so manches zu verdrängen. Seit Wochen geht auf vielen Straßen im Landkreis wieder das, was schon vor der Pandemie ging: nichts mehr. Die schrittweise Rückkehr zur Normalität müsste auch dem letzten Zweifler klarmachen, dass die vielzitierte Freiheit auf vier Rädern im dichten Siedlungsnetz zwischen Alb und Neckar schon längst keine mehr ist. Die gute Nachricht: Es tut sich was. Der Radschnellweg durchs Neckartal hat die ers­ten planerischen Hürden genommen, eine Direktverbindung von Kirchheim über die Filder mit Abertausenden Arbeitsplätzen bis ins Herz der Landeshauptstadt wird jetzt zumindest geprüft. Die Zahl derer, die sich auf dem Weg zur Arbeit aufs Fahrrad schwingen, statt im Stau zu stehen oder sich in überfüllte Busse und Bahnen zu quetschen hat seit Corona drastisch zugenommen.

Das Fahrrad kann die Verkehrsprobleme nicht aus der Welt schaffen, aber es ist Teil der Lösung. Dafür braucht es attraktive Wege, eine starke Lobby und vor allem: anderes Denken. Bewusstsein dafür, dass Verkehrsfläche im Ballungsraum nicht beliebig vermehrbar ist. Wenn eine geplante Fahrradstraße auf den Fildern glühenden Protest auslöst, weil sie einzelne Parkplätze bedroht, wenn andernorts ein halber Meter Straße, der einem Radweg zugeschlagen werden soll, einen Shitstorm entfacht, dann zeigt das, wie weit der Weg zur Einsicht noch ist.

Wer überzeugen will, muss liefern und zeigen, dass es geht. Planungszeiträume von bis zu zehn Jahren sind da kein gutes Argument. Deshalb: bitte mehr Tempo. Auf Radwegen und in Behördenstuben.

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