Zwischen Neckar und Alb

Bloß keine Fideltanten

Musik Charlotte Balle möchte mit dem Streichquartett „Lady Strings“ anspruchsvolle Musik locker präsentieren. Von Rainer Kellmayer

Charlotte Balle. Foto: Rainer Kellmayer
Charlotte Balle. Foto: Rainer Kellmayer

Filderstadt. Für viele Musikfreunde gehören Streichquartette nicht eben zu den Favoriten: Zum einen erreichen sie oft sinfonische Längen, zum anderen sind sie in ihrer Dichte und Komplexität der Strukturen meist schwer verdauliche Kost. Einen leichteren Zugang zu dieser hehren Gattung der Kammermusik ebnet das Streichquartett „Lady Strings“. „Wir möchten Hürden abbauen und mit neuen Konzertformaten in locker präsentierter Form breitere Zuhörerschichten für diese anspruchsvolle Musik begeistern“, erläutert Charlotte Balle, die das Damenquartett vom ersten Pult aus anführt.

Im German Pops Orchestra hatte sie einst die zweite Geigerin, Lisa Barry, kennengelernt. Diese wiederum knüpfte Kontakte zu Bratscherin Dorothea Galler und Maria Friedrich (Violoncello). Schon bei der ersten Probe war klar: Es passt, die Chemie stimmt. „Wir spielen nur einzelne Sätze aus den großen Kammermusik-Werken, setzen auf einen bunt schillernden Stilmix von Wiener Klassik bis Moderne und versuchen, die Zuhörer durch peppige Präsentationen zu fesseln. „Wir sind aber keine Fideltanten“, betont Balle.

2009 gestartet, ist das Quartett sehr gefragt: Die „Ladys“ sind bei Festspielen, Galas und sogar auf Kreuzfahrtschiffen aufgetreten. Das Repertoire bietet eine bunte Mischung, von „Welcome to America“ über „Beethoven - Eine Klassik-Revue“ bis hin zu humorvoll präsentierten Kinderkonzerten. „Das Spiel mit unterschiedlichsten Formaten, quer durch die Musikgeschichte und über alle Genre-Grenzen hinweg, macht riesigen Spaß“, sagt Balle.

Aufgewachsen ist die eloquente und sympathische Musikerin in Berlin. Obwohl sie mit fünf Jahren zunächst Klavier lernen musste, war schon bald klar: „Ich will Geige spielen.“ Nach dem Abitur führte der Weg direkt zum Musikstudium. Den letzten Schliff erhielt sie an der ­Musikhochschule in Trossingen, das erste Orchester­engagement hatte Balle im Würt­tembergischen Staatsorches­ter Stuttgart. Doch das ­Familienleben mit ihrem Mann - ebenfalls ein professioneller Geiger - und den beiden Kindern ließ sich für die in der Ostfilderner Parksiedlung wohnende Musikerin nur schwer mit dem Orchesterdienst in Einklang bringen. Deshalb konzentrierte sie sich aufs Unterrichten, hatte zum Teil 50 Schüler, von denen etliche Preisträger von Musikwettbewerben sind. Inzwischen unterrichtet sie hauptamtlich an der Musikschule Filderstadt. Dort baut sie eine Exzellenzklasse Violine auf, ist für die studienvorbereitende Ausbildung der jungen Geiger zuständig und engagiert sich auch stark in der Kammermusik. „All das macht großen Spaß.“

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