Zwischen Neckar und Alb

Bodelschwinghschule strebt Partnerschaft an

Schulleiterin Barbara Andreas und vier Lehrkräfte der Nürtinger Sonderschule besuchen Polen

Die Nürtinger Bodelschwingh­schule und das Pfarrer-Jan-Twardowski-Sonderschulzentrum in Pruszków wollen es wagen: Eine Partnerschaft zwischen zwei Schulen für geistig Behinderte über Grenzen hinweg. Schulleiterin Barbara Andreas und vier Lehrkräfte waren zu Gast in Polen.

Bodelschwinghschule strebt Partnerschaft an
Bodelschwinghschule strebt Partnerschaft an

Nürtingen. Pruszków liegt im gleichnamigen Partnerlandkreis des Kreises Esslingen. Ende März bereiste eine Delegation mit Vertretern der Kreistagsfraktionen und Landrat Heinz Eininger den Kreis Pruszków, um die vor 14 Jahren besiegelte Partnerschaft zu bekräftigen. Ein Thema war auch das dortige Sonderschulzentrum. Der Gedanke einer Schulpartnerschaft war da aber bereits geboren, schon im Juli vergangenen Jahres war die polnische Schulleiterin Malgorzata Piechocka-Kwiatek mit zwei Lehrerinnen zu Gast in Nürtingen, um sich ein Bild von der möglichen Partnerschule zu machen.

Mit einer solchen Partnerschaft wird zumindest in Baden-Württemberg Neuland betreten. Was die Rektorin Barbara Andreas nach ihrer Rückkehr aus Polen berichtet, hört sich vor diesem Hintergrund doch sehr positiv an, auch wenn vor allem die Frage der Finanzierung eines gegenseitigen Besuchsprogramms für Lehrkräfte und Schüler noch nicht geklärt ist. „Ziel der Reise war es, sich nochmals über die jeweiligen pädagogischen und methodischen Ansätze auszutauschen, aber auch die praktischen Rahmenbedingungen abzuklären“, so Andreas.

Erkundet wurden auch Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Man wolle den Schülerinnen und Schülern anschauliche und erlebnisreiche Eindrücke vermitteln. Dafür böten sich die riesigen Parkanlagen Warschaus an, das etwa 15 Kilometer entfernt von Pruszków liegt. Interessant seien aber auch geschichtsträchtige Orte wie das Warschauer-Ghetto-Ehrenmal, wo Kanzler Willy Brandt seinen viel beachteten Kniefall vollzog, ebenso das benachbarte Jüdische Museum. „Wir haben durchaus an Geschichte interessierte Schüler“, so Barbara Andreas. Auch Wirkungsstätten des Komponisten Frédéric Chopin seien interessant.

Zur Didaktik habe man den Eindruck gewonnen, dass man an der polnischen Schule viel mehr unterscheide zwischen Schulunterricht und Therapie. „Wir versuchen dagegen, beides zu verknüpfen, handlungsorientierten Unterricht zu bieten und öfters auch mal aus der Schule rauszugehen, während dort doch viel auf der Schulbank stattfindet“, so Andreas. Das sei jedoch schon interessiert von der polnischen Seite aufgegriffen worden.

Andererseits werde an der polnischen Schule viel mehr das Fachlehrerprinzip gepflegt, während in Deutschland Sonderschulpädagogen so gut wie in allen Fächern im Einsatz seien. „Da überlegt man schon, ob es nicht Sinn machen könnte, dass sich auch unsere Lehrkräfte in manchen Bereichen wie zum Beispiel Englisch, Musik oder Sport etwas spezialisieren“, gibt Andreas zu bedenken.

Musik und Theater, so Andreas weiter, böten sich für gemeinsame Unterrichtsangebote an. „Das geht auch über Sprachbarrieren hinweg.“ Darüber hinaus könne zum Erwerb der englischen Sprache und deren Nutzen für die Verständigung motiviert werden.

Jetzt gelte es, die weiteren Möglichkeiten dafür auszuloten. Ein großes Problem, vor allem für die polnische Seite, sei die Finanzierung. Geplant sei deshalb, ein Partnerschaftsabkommen zu unterzeichnen, um überhaupt zuschussfähig zu sein. Möglich seien Zuwendungen vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk für Reisekosten, „allerdings in eher geringem Umfang“, so Andreas.

Andere Förderkriterien von Institutionen wie zum Beispiel dem Regierungspräsidium sind nicht auf Sonderschulen zugeschnitten. So komme ein mindestens zweiwöchiger Austausch nicht infrage, das überfordere die Jugendlichen. Dazu müssten jetzt Gespräche geführt werden. Geplant ist zunächst ein Besuch von Schülern und Lehrern aus Nürtingen in Polen im nächsten Jahr über eine Woche hinweg.

Eine Unterbringung in Gastfamilien sei für alle Seiten zu belastend, im Internat der Schule jedoch möglich. Weiteres müsse sich ergeben.

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