Zwischen Neckar und Alb

Böden wie Beton

Landwirtschaft Kein Schnee im Winter und ein trockener April erschweren vielen Pflanzen den Start auf dem Acker. Bei Wintergerste und Raps sind Ernteausfälle schon heute abzusehen. Von Antje Dörr

Lange Risse ziehen sich über das Rapsfeld. Für den Raps sei es schon zu spät. Foto: Carsten Riedl
Lange Risse ziehen sich über das Rapsfeld. Für den Raps sei es schon zu spät. Foto: Carsten Riedl

Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Das ist natürlich keine Bauernregel, aber ein Satz, der vielen Landwirten durch den Kopf gehen dürfte, wenn sie in diesen Tagen auf ihre Wintergerste-Felder schauen. Weil die Sommer immer trockener werden, setzen die Bauern zunehmend auf Wintergerste, eine Getreideart, die lediglich die Feuchte des Winters braucht und bereits im Juni geerntet wird.

Im Winter hat es jedoch viel zu wenig geregnet, dazu ist kaum eine Schneeflocke gefallen. Und jetzt auch noch der trockene April. „Die Wintergerste hat es hart erwischt. „Selbst wenn es jetzt regnet, kann sie nicht mehr voll aufholen“, sagt Siegfried Nägele, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Auch für den Raps, der schon in voller Blüte stehe, sei es bereits zu spät. Bei dem müssten die Landwirte mit Ernteausfällen rechnen.

Es scheint der Start in ein drittes trockenes Jahr zu sein, auch wenn man das nicht sicher sagen kann. Auch Siegfried Nägele nicht. „Vielleicht sagen wir in drei Wochen: ‚Oh Gott, wann hört es endlich auf, zu regnen‘“, sagt er schmunzelnd.

Böden hart wie Beton, überall reißt die Erde auf wie sonst nur im August. Die Bäche und Flüsse führen weniger Wasser als im Frühjahr üblich. Noch problematischer ist laut Siegfried Nägele, dass in der Tiefe des Bodens kein Wasser ist. „Unsere Böden sind bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter ausgetrocknet“, zitiert der Landwirt eine Zahl des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Es fehlen die Niederschläge der zwei vergangenen Jahre und der Schnee. „Die Altvorderen haben immer gesagt: „Ein Sommerniederschlag kann keine Winterfeuchte ersetzen“, sagt Siegfried Nägele. Im Sommer verdunste einfach zu viel Wasser, und die Pflanzen seien durstiger als im Winter.

Es gibt auch gute Nachrichten: Viele Pflanzen könnten noch aufholen, sollte der Rest des Jahres feuchter werden, als es begonnen hat. Weizen und Dinkel zum Beispiel. „Auch beim Sommergetreide, das im März gesät worden ist, also der Sommergerste, der Braugerste und dem Hafer, kann die Ernte gut ausfallen, wenn es jetzt mehr regnet“, sagt Siegfried Nägele. Kartoffeln und Mais, die in den letzten Tagen gesetzt worden sind, halten eine Weile im trockenen Boden aus. Auch beim Gras, das als Viehfutter genutzt wird, und das im April aufgrund der Trockenheit kaum gewachsen ist, gibt es noch Luft nach oben. „Wobei es dann meistens nicht mehr so dicht wird“, sagt Siegfried Nägele. Der Landwirt hofft auf weiteren Regen.

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