Zwischen Neckar und Alb

Bühne frei im Central-Theater

Kultur Das Schauspielensemble Kunstdruck möchte das einstige Traditionskino am Esslinger Rossmarkt zur guten Adresse für freies und inklusives Sprechtheater machen. Von Alexander Maier

Julia Rohn, Philipp Falser und Samira Hadi haben große Pläne für das Central-Theater. Foto: Andreas Kaier
Julia Rohn, Philipp Falser und Samira Hadi haben große Pläne für das Central-Theater. Foto: Andreas Kaier

Jahrelang stand es im Abseits, nun werden im Central-Theater am Esslinger Rossmarkt die Lichter wieder angeknipst. Von Ende Januar an wollen Philipp Falser, Julia Rohn und ihr Theaterensemble Kunstdruck im „CT“ wieder ein laufendes Programm anbieten. Das Geld ist knapp, eine Dauerförderung des Theaterbetriebs durch die Stadt ist bislang ein frommer Wunsch. Doch was finanziell noch fehlt, wollen die jungen Theatermacher durch Begeisterung, Kreativität und Engagement wettmachen. Denn ihr Ziel ist klar: Das Kunstdruck-Central-Theater, wie sich Esslingens neue Spielstätte offiziell nennt, möchte sich „frei und inklusiv“ als gute Adresse für zeitgenössisches Sprechtheater profilieren und dabei vor allem mit eigenen Produktionen beim Publikum punkten.

"Wir wollen niemandem Konkurrenz machen"

Dass sie ihren künstlerischen Kurs konsequent verfolgen, haben die Mitglieder des Schauspielensembles bereits mit zahlreichen Inszenierungen bewiesen. Genauso konsequent wollen sie nun auch ihren Traum wahr werden lassen. Das ist nicht selbstverständlich. Schließlich sind Philipp Falser, Julia Rohn und ihre Mitstreiter nicht die Ersten, die versuchen, das „CT“ dauerhaft zu beleben. Falser ist jedoch überzeugt, dass Esslingen ein Theater wie dieses sehr gut vertragen kann: „Wir wollen niemandem Konkurrenz machen, sondern etwas bieten, das die örtliche Theaterszene bereichert. Gerade junge Leute, die sonst nicht so oft ins Theater gehen, können bei uns mit dem Schauspiel in Berührung kommen.“ Dazu gehört auch eine unverwechselbare Handschrift: Ganz egal, ob es Gastspiele sind oder die sieben bis acht Eigenproduktionen, die jedes Jahr entstehen sollen: Was im „CT“ auf die Bühne kommt, muss Qualität bieten und polarisieren. „Wir wünschen uns, dass die Zuschauer nach Hause gehen und sich angesprochen fühlen - auch wenn sie sich an den Stücken reiben“, sagt Falser. Das Publikum soll sich ganz auf die Inszenierungen einlassen. Um die Hürden möglichst niedrig zu halten, möchte das neue „CT“ inklusiv, integrativ und barrierefrei sein.

Hoffnung auf städtische Dauerförderung

Julia Rohn und Philipp Falser werden bei ihrer Herausforderung nicht nur von Samira Hadi unterstützt, die ihren Bundesfreiwilligendienst im „CT“ absolviert, sondern auch von ehrenamtlichen Helfern. Es gilt, ein stattliches Jahresbudget von 70 000 Euro zu stemmen. Das wurde in diesem Jahr durch Gelder aus der Kasse des aufgelösten Kinderkunstvereins etwas erleichtert. Künftig erhofft sich Falser eine städtische Dauerförderung: „Sonst wird es schwer, den Betrieb aufrechtzuerhalten.“

Info Eröffnet wird das Kunstdruck-Central-Theater am 20. und 21. Januar mit einem Auftaktprogramm, das neben der hauseigenen Produktion „Wolfs Jagd“ auch Workshops und Künstlergespräche bietet.

Ein Blick zurück in die Geschichte des Hauses

Anfang: Ist das Central-Theater das älteste noch erhaltene Lichtspieltheater Baden-Württembergs, oder gar ganz Deutschlands? Das ist nicht ganz klar. Sicher ist: Das Haus am Rossmarkt stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich als Gast- und Wohnhaus genutzt, wurde es 1861 aufgestockt. 1913 entstand nach einem Umbau im Südflügel ein Lichtspieltheater, das sich in den 50ern zu dem entwickelte, was viele Esslinger als „Revolverkino“ bezeichneten.

Ende: 1986 gingen im Kino am Rossmarkt die Lichter aus. Anfang der 90er-Jahre versuchten die Esslinger Künstler Dieter Trieß, Marla, Gerhard Polacek und Sergio Vesely, das „CT“ als Kleinkunsttheater neu zu beleben. Trotz großen Engagements mussten sie ihre Pläne nach einiger Zeit aufgeben - wie einige Jahre später auch Svetlana Khinganskaia und Wladimir Khinganskiy, die im Esslinger Central anspruchsvolles Tanztheater in den Fokus rückten. am

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