Zwischen Neckar und Alb

Bürgerbusse stark nachgefragt

Der Landesverband „Pro Bürgerbus BW“ hat seinen Sitz in Wendlingen

Bürgerbusse erfreuen sich großer Akzeptanz und Nachfrage in der Bevölkerung. In vielen Landkreisgemeinden stehen die Zeichen auf pro Bürgerbus.

Die Freude ist groß über den neuen Bürgerbus in Notzingen. Foto: Katja Eisenhardt
Die Freude ist groß über den neuen Bürgerbus in Notzingen. Foto: Katja Eisenhardt

Wendlingen. Seit dem 14. September 2014 besteht der Bürgerbus-Landesverband. 17 Gründungsmitglieder, darunter Wendlingen, schlossen sich zu der Interessenvertretung der Bürgerbusvereine in Baden-Württemberg zusammen. Sitz des Verbands ist Wendlingen. Fred Schuster ist sein Geschäftsführer.

„Wenigstens an zwei Tagen pro Woche sollte der Bürgerbus fahren“, rät Fred Schuster den Organisatoren. Damit hätten Nutzer die Möglichkeit, ihre wichtigsten Einkäufe und Arzttermine zu erledigen. Vor allem ältere Damen nutzen dieses Angebot, so die Beobachtung des Verbands. Viele, besonders ältere Menschen, müssen häufig ohne Familie klarkommen und da ist der Bürgerbus ein wichtiges Hilfsmittel, um weiterhin selbstständig bleiben und zu Hause leben zu können. „Fast überall ist Bedarf in den Kommunen da“, weiß Schuster.

Empfehlenswert sei es aber nicht, wenn die Kommune den Bürgerbus anregt, erklärt er weiter. Das Projekt müsse aus der Bürgerschaft kommen, von den Ehrenamtlichen selbst. Denn wenn kein Interesse auf Bürgerseite an einem Bürgerbus besteht, ist es schwierig, Ehrenamtliche anschließend dafür zu gewinnen. „Das Projekt muss deshalb von unten angestoßen werden. Die Umsetzung sollten dann aber die Hauptamtlichen von der Kommune leisten“, sagt Schuster und erinnert an die Anfänge des Bürgerbusses in Wendlingen, wo der Bürgerverein die treibende Kraft war.

Der Verband versorgt seine Mitglieder regelmäßig mit den neuesten Informationen, auch über eine Online-Infobörse. Fred Schuster berät ebenso Initiatoren von Bürgerbussen bei deren Einrichtung, welche Busse sich zum Beispiel für welchen Zweck eignen. Die gibt es nämlich nicht von der Stange, sondern sie müssen bedarfsgerecht umgebaut werden. Oder er berät, ob ein Bürgerbus überhaupt sinnvoll ist. Denn nicht jede Kommune benötigt einen. Dann zum Beispiel, wenn bereits ein guter, lückenloser öffentlicher Nahverkehr besteht. „Der Bürgerbus ist keine Konkurrenz im Nahverkehr“, sagt Schuster. Bürgerbusse existieren lediglich, weil sie mit Ehrenamtlichen betrieben werden. Außerdem schließen sie meist dort die Lücke, den der Nahverkehr hat. „Bei unseren Beratungen machen wir eine Analyse vor Ort und fragen deshalb auch die Busunternehmen vorweg, ob sie den weiteren Bedarf der Bürger nicht doch selbst decken können“, so der Geschäftsführer.

Etwa 270 Bürgerbusse gibt es in ganz Deutschland, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Circa 40 fahren in Baden-Württemberg. Aus dem Land sind derzeit 26 Kommunen Mitglied im Bürgerbus-Landesverband Pro Bürgerbus, Tendenz steigend. Im August ist jetzt in Notzingen ein weiterer Bürgerbus in Betrieb gegangen. Mit Wendlingen, Aichwald, Denkendorf, Köngen und Oberboihingen fahren im Kreis Esslingen in sechs Kommunen Bürgerbusse. Ohne Ehrenamtliche, vor allem als Fahrer, kann dieses Angebot allerdings nicht gewährleistet werden, erklärt der Landesgeschäftsführer und wundert sich, weshalb Reaktionen auf diese Leistungen der Ehrenamtlichen aus dem Landratsamt bislang ausgeblieben sind, wo doch Landrat Heinz Eininger die Ehrenamtlichen in seinen Reden sonst immer hervorheben würde. Ein bisschen Anerkennung und die Ermunterung von anderen Kommunen für das Bürgerbusangebot vermisst Schuster.

Von dieser Kritik will Schuster die Nahverkehrsbehörde im Landratsamt allerdings ausgenommen wissen: „Die Genehmigungsverfahren für die Busse laufen problemlos.“ Weiterhin strebt der Verband an, die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für den Betrieb von Bürgerbussen zu optimieren. Dafür macht der Verband Lobbyarbeit für seine Mitglieder. Wie in Sachen Investitionszuschüsse des Landes. Seit diesem Jahr gibt es eine Staffelung bei den Zuschüssen für die Anschaffung von Fahrzeugen und eine Übernahme der Kosten für die Beförderungserlaubnis – insgesamt 100 000 Euro. Nach Ansicht Schusters reichen die dafür vom Land eingesetzten Mittel jedoch kaum aus. Ganz anders in Nordrhein-Westfalen: dort würden dafür über 700 000 Euro pro Jahr vorgehalten.

Fred SchusterFoto: b2s-fotografie
Fred SchusterFoto: b2s-fotografie
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