Zwischen Neckar und Alb

Bunte Blätter sorgen für Probleme

Natur Wer einen Garten hat, kennt die Schwierigkeit: Überall liegt Laub. Doch Experten raten von Laubsaugern und Laubbläsern ab. Nur Gehwege sollten sauber gehalten werden. Von Peter Dietrich

Dieser Mann macht es genau richtig: Laut Gebhard Räcke, Abteilungsleiter im Esslinger Grünflächenamt, ist es sinnvoll, die Gehwe
Dieser Mann macht es genau richtig: Laut Gebhard Räcke, Abteilungsleiter im Esslinger Grünflächenamt, ist es sinnvoll, die Gehwege in der Stadt vom Laub zu befreien und es auf die Wiese zu pusten.Foto: Carsten Riedl

Wenn sich im Herbst die Blätter gelb und braun färben, genießen viele das malerische Farbenspiel. Manchen Haus- und Grundstücksbesitzer stellen die Laubmassen allerdings auch vor Probleme. Bis Ende Dezember bietet der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen Laubsäcke an, das Stück für zwei Euro. Wie die welken Blätter am besten in den Laubsack verfrachtet werden, ist eine ganz andere Frage. Manche setzen auf Laub­bläser und Laubsauger - doch solche Geräte sind nicht unumstritten. Und mancher fragt sich, ob Garten und Vorplatz tatsächlich immer klinisch rein sein müssen.

„Das ist ein Höllenlärm, da muss man Gehörschutz tragen“, sagt Gebhard Räcke, Abteilungsleiter im Esslinger Grünflächenamt. Laub­bläser, Motorsägen, Freischneider und Heckenscheren mit Zweitakt-Motoren brächten es auf mehr als 100 Dezibel. Inzwischen gebe es aber auch elektrische Varianten. „Die Geräte werden von Generation zu Generation leiser“, weiß Räcke. Der elektrische Laubbläser des Grünflächenamts, den Gärtnermeister Julian Grob und seine Kollegen nutzen, ist zwar nicht das neueste Modell. Die beiden Damen, die gleich nebenan ihr Schwätzchen halten, lassen sich dennoch nicht stören. Das Gerät gibt keine Abgase ab, der Motor ist wartungsfrei und verrußt nicht. Die Ladezeiten sind kurz, größere Akkus werden auf dem Rücken getragen.

„Der normale Mensch braucht kein Blasgerät“, findet Räcke. „Wo bläst der denn hin? Durch den Bläser verschwindet kein einziges Blatt, es liegt halt woanders. Kein Mensch käme auf die Idee, die Wohnung mit dem Blasgerät zu putzen.“ Sinnvoll sei der Einsatz des Bläsers in Grünanlagen, wo die Stadt Laub von den Gehwegen ins Grün puste. Das funktioniere, solange das Laub locker und trocken ist. Ist es nass und verklebt, sei es so nicht mehr wegzubekommen. Die Stadt Esslingen arbeitet auf großen Flächen mit dem großen Laubsauger, die Handarbeit mit Rechen und Besen wäre für sie unbezahlbar.

Muss das Laub überhaupt weg? Die Kundenberatung des Abfallwirtschaftsbetriebs beim Landratsamt empfiehlt, das Laub im Garten zu kompostieren - als Haufen unter einem Baum. So werde es zum Lebensraum für Tiere. „Am besten ist es immer, das Laub nicht wegzupusten“, sagt auch Jenny Helber, Geschäftsführerin des Nabu-Kreisverbands Esslingen. Nur auf Wegen müsse es wegen der Rutschgefahr weg.

Das kleinere Übel: Laubbläser

Doch was hält Jenny Helber von einem kleineren Sauger für den Privatgebrauch? „Ein Laubsauger ist katastrophal, da viele Kleinlebewesen und Insekten eingesaugt werden.“ Dem Sog könnten sich vor allem Käfer, Spinnen, und Amphibien nicht widersetzen. Bei Geräten mit Häckselfunktion werden die Tiere zerstückelt. Im Vergleich dazu seien Laubbläser - vom Lärm abgesehen - als „Umweltstress“ noch das kleinere Übel, auch Wind blase Staub und Blätter herum. „Mit dem Besen ist es auf hartem Untergrund auch nicht ideal, da krabbelnde Insekten verletzt werden, mehr noch als beim Laubbläser“, sagt Helber.

Die wichtigste Frage sei, was mit dem Laub passiert: „Unter der Hecke können Insekten und eventuell Igel darin überwintern.“ Außerdem biete das Laub dem Boden etwas Frostschutz.

Auch der Nabu-Bundesverband kämpft gegen „ökologisch fragwürdige Gartengründlichkeit“. Wer mit seinem Laub Regenwürmern, Spinnen und Co. einen Unterschlupf biete, dürfe sich im Frühjahr über hungrige Zaunkönige und Rotkehlchen freuen und habe nützliche Helfer beim biologischen Pflanzenschutz gewonnen.

Info Und wer absolut keinen Platz hat für Laubhaufen? Laub darf in die Biotonne. Bei mehr Bedarf gibt es die 80-Liter-Laubsäcke bei Grünschnitt-Sammelplätzen, Kompostierungsanlagen und Recyclinghöfen.

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