Zwischen Neckar und Alb

Busfirma verkauft Betriebshof

Verkehr Die Nürtinger Firma Russ möchte am Schefenacker-Standort in Sirnau eine Buswerkstatt einrichten. Auch der neue Busbetreiber Rexer hatte Interesse an dem Areal. Er kam aber nicht zum Zug. Von Melanie Braun

Schefenacker hat bei der Vergabe der neuen Konzessionen viele Linien verloren. Jetzt verkauft die Firma ihren Betriebshof.Foto:
Schefenacker hat bei der Vergabe der neuen Konzessionen viele Linien verloren. Jetzt verkauft die Firma ihren Betriebshof.Foto: Kaier

Für die Russ-Gruppe aus Nürtingen ist es ein Volltreffer: Das Busunternehmen Schefenacker verkauft ihr seinen Betriebshof in Esslingen-Sirnau. Die Firma Russ will ihre Buswerkstatt von Nürtingen nach Sirnau und damit näher zu ihren Hauptkunden verlegen. Auch der neue Esslinger Busbetreiber Rexer hatte sich für das Gelände interessiert, war aber nicht zum Zug gekommen. Jetzt liegt der Betriebshof der Calwer Firma in Schlierbach - das sorgt angesichts der vergleichsweise langen Anfahrt nach Esslingen für einige Kritik.

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Stefan Russ, geschäftsführender Gesellschafter der Russ-Gruppe, ist begeistert: „Für uns ist das ein Glücksgriff.“ Denn das rund 8 400 Quadratmeter große Areal in der Wolf-Hirth-Straße liege optimal, um die großen Kunden seiner Firma zu bedienen. Neben der Stuttgarter Straßenbahn AG, die unter anderem rund 260 Busse fährt, gehören auch der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) sowie die Esslinger Busunternehmen Fischle und Schlienz zu seinen Kunden. Für sie wird die Anfahrt nun bald sehr viel kürzer.

Auf dem Betriebsgelände will Russ im Frühjahr 2019 seine Buswerkstatt für Mercedes- und Setra-Fahrzeuge einrichten. Der Verkauf von Lastern, Autos und Transportern des Unternehmens bleibt weiterhin vor allem an den Standorten Nürtingen und Dettingen, beziehungsweise wird in Esslingen wie bisher in Kooperation mit der Firma Jesinger betrieben. Die Buswerkstatt hingegen wird von Nürtingen nach Esslingen umziehen. „In Nürtingen platzen wir aus allen Nähten“, sagt Stefan Russ. Und es sei absehbar, dass die Zahl der Kunden in Zukunft noch weiter zunehme. Derzeit betreue seine Firma zwischen 500 und 550 Busse, man rechne mit bis zu 700 Fahrzeugen im Jahr 2020. Schließlich wachse der öffentliche Nahverkehr - und damit auch der Bedarf an Wartung und Reparatur von Bussen.

Die Russ-Gruppe war nach eigenen Angaben eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das eine Wasserstoff-Werkstatt eröffnet hat, in der Brennstoffzellen-Fahrzeuge repariert werden können. Aber auch Busse mit anderen alternativen Antrieben könne man bearbeiten, sagt Russ: von reinen Elektrofahrzeugen über Elektro-Hybride bis hin zu Diesel-Hybrid-Bussen. Man sei die größte Werkstatt mit diesem Portfolio in der Region.

Arno Ayasse, Geschäftsführer des Busunternehmens Rexer, das seit Juli ein Drittel des Esslinger Busverkehrs betreibt, zeigt sich zufrieden mit der neuen Situation: „Ich freue mich, dass dort eine Buswerkstatt eingerichtet wird.“ Denn das bedeute kürzere Anfahrtswege für Wartung und Reparatur seiner Busse. „Uns wäre es zwar lieber gewesen, wenn Schefenacker das Gelände an uns verkauft hätte, aber das war eine private Entscheidung“, sagt Ayasse. Er habe großes Interesse an der Fläche gehabt, man sei auch im Gespräch gewesen, erzählt Ayasse. „Aber dann hat die Firma Schefenacker ihr Angebot wieder zurückgezogen.“ Mangels geeigneter Flächen in Esslingen hat Rexer seinen Betriebshof nun im gut 20 Kilometer entfernten Schlierbach eingerichtet.

Der für den Busverkehr zuständige Esslinger Bürgermeister Ingo Rust sagt: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Firma Rexer einen Betriebshof in Esslingen findet.“ Den Verkauf des Geländes in Sirnau wolle er aber nicht kommentieren. Dabei handele es sich um einen privaten Grundstücksverkauf, über den die Besitzer entscheiden könnten. Bei Schefenacker war niemand für eine Stellungnahme erreichbar: Geschäftsführerin Karin Wagner ist im Urlaub.

Laut Stefan Russ wird sich die Firma vorerst mit vier Fahrzeugen bei ihm auf dem Gelände einmieten, weil sie noch eine Buslinie bedient. Wie es mit dem rund 90 Jahre alten Esslinger Betrieb weitergeht, war nicht zu erfahren. Schefenacker hat bei der Vergabe der neuen Konzessionen die meisten seiner Linien verloren und musste viele Mitarbeiter entlassen.