Zwischen Neckar und Alb

Corona: Stadt Esslingen ist Hochburg

Pandemie Die hohen Infektionszahlen wirken sich verstärkt auf Kitas und Schulen aus. In den städtischen Pflegeheimen hat sich die Situation entspannt. Von Melanie Braun

Auch in der Esslinger Innenstadt ist Maske tragen angesagt. Die Sieben-Tage-Inzidenz für Corona-Neuinfektionen gehört zu den höc
Auch in der Esslinger Innenstadt ist Maske tragen angesagt. Die Sieben-Tage-Inzidenz für Corona-Neuinfektionen gehört zu den höchsten im Land. Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen gehört zu den Spitzenreitern - in einem Bereich, in dem niemand die erste Geige spielen will. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 235,8 (Stand Montag) liegt die Stadt landesweit ganz weit vorne, was die Zahl an neu gemeldeten Corona-Fällen in den vergangenen sieben Tagen angeht. Damit kommt sie fast an die Zahlen der Stadtkreise Heilbronn (236,2 am Montag) und Pforzheim (249,3 am Montag) heran, die in den vergangenen Wochen stets zu den höchsten im Land zählten.

Laut Bernd Berroth, Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, steigen die Auswirkungen im Kita-Bereich seit Ende vergangener Woche. Aktuell befinden sich acht Kita-Gruppen in Quarantäne. Zwar sind in den betroffenen vier Einrichtungen nur vier Kinder und zwei Mitarbeiterinnen positiv auf das Corona-Virus getestet worden, doch gibt es weitere sieben Verdachtsfälle unter den Mitarbeiterinnen. Insgesamt befanden sich am Dienstagmittag fast 100 Kinder und an die 20 Erzieherinnen in Quarantäne.

Zudem sind laut Berroth fünf Schulen von Covid-19 betroffen, nämlich die Schillerschule in Berkheim, die Realschule Oberesslingen mit zwölf Fällen, die Schule Innenstadt, das Theodor-Heuss-Gymnasium und das Schelztor-Gymnasium. Allerdings habe sich die Praxis der Gesundheitsämter verändert. „Es werden in der Regel nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne geschickt, sondern nur noch Schüler, die Kontaktperson ersten Grades sind“, erklärt Berroth. So befänden sich insgesamt nur eine komplette Klasse sowie eine ganze Lerngruppe in Quarantäne, darüber hinaus aber mehr als 60 weitere Schüler, die als Kontaktpersonen gelten.

In den städtischen Pflegeheimen hingegen hat sich die Lage entspannt - auch in der Einrichtung in der Pliensauvorstadt. Dort waren mehrere Bewohner und 15 Pflegekräfte - fast 40 Prozent der Belegschaft - mit Corona infiziert gewesen. Zudem sind dort fünf Todesfälle im Zusammenhang mit Corona zu beklagen - allerdings ist man nur bei dreien davon sicher, dass Covid-19 die Todesursache war. Inzwischen gebe es noch sieben positiv getestete Mitarbeiter und neun Bewohner, die sich in Quarantäne befinden, teilt Thilo Naujoks, Geschäftsführer der städtischen Pflegeheime mit. In den anderen vier Seniorenheimen der Stadt gibt es insgesamt fünf Verdachtsfälle und drei bestätigte Fälle unter den Mitarbeitern, aber keinen unter den Bewohnern.

Unterdessen haben Ordnungsamt und Polizei alle Hände voll zu tun, die Corona-Auflagen zu kontrollieren. Angesichts des „besorgniserregend hohen“ Inzidenzwertes sei es sehr bedenklich, dass man in den vergangenen drei Wochen 28 Verstöße gegen die Quarantänepflicht anzeigen musste, findet Ordnungsamtsleiter Jochen Schilling. Zwar seien das nur vier Prozent der fast 760 Kontrollen seit dem 21. Oktober. Doch man müsse bedenken, wie viele Menschen von denjenigen angesteckt werden könnten, die sich nicht an die Quarantänepflicht halten.

Vom Beginn der Kontrollen der Corona-Verordnung im Frühjahr bis Ende Oktober haben Polizei und kommunaler Ordnungsdienst gut 850 Verstöße angezeigt. Zudem gab es bei einem Viertel der 440 Betriebskontrollen in der Gastronomie, im Einzelhandel und bei körpernahen Dienstleistungen Beanstandungen. Hier wurde in den meisten Fällen gegen die Informationspflicht oder die Pflicht zur Datenerhebung verstoßen, aber auch etwa gegen Masken- oder Desinfektionspflicht. Oberbürgermeister Zieger mahnt trotz allem zur Ruhe: Die Situation sei nicht dramatisch, betonte er. „Aber die hohen Infektionszahlen schlagen sich jetzt mehr in der Stadt nieder als im Frühjahr“, räumt er ein. Es gebe also keinen Grund, nachlässig zu werden. Zwar war der Inzidenzwert am Dienstag leicht gesunken auf 225,2 - doch auch damit dürfte Esslingen noch auf einem der Spitzenplätze im Land liegen.

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